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Jammin’ Unit - Chemical Dub

Geboren als Sohn eines türkischen Vaters und einer finnischen Mutter, begann Cem Oral aka Jammin’ Unit seine musikalische Karriere mit einem 4-Spur-Rekorder und einem Synthesizer, bevor er dann erst als audio engineer und später als Produzent von u.a. B.V.S.M.P. und George McCrae arbeitete. Selbst die Berliner Fake-Frankophilo Popband Stereo Total liess ihre garagige Soundästhetik durch Jammin’ Unit elektronisch veredeln.

Jammin’ Unit ist Cem Orals Hauptprojekt und fusst in der Tradition der Dub-Produktion. Beeinflusst von King Tubby und Lee Scratch Perry, mag Jammin’ Unit lieber Dub als Ambient, weil der digitale Sound ihn eher abstösst: “Wenn es nicht so viel Arbeit wäre, dann würde ich sogar wieder mit Bandmaschinen arbeiten.”

So werden auch schon mal Bassline & TR-808 über einen Fender- Gitarrenverstärker abgenommen um den Sound dreckig zu machen und sich vom traditionellen TR-909/TB-303-Strickmuster abzuheben.

Witchman vs. Jammin’ Unit - Inferno [CD]

Mit seinem Partner Roger Cobernus aka Kerosene hat Cem Oral das Projekt Ultrahigh und das Label Pharma ins Leben gerufen. Der Pharma-Sound war ein Hybrid von Electro, Techno und Dub-Styles zuweilen mit merkwürdigen Vocal-Samples. Auf Pharma haben vor allem bekannte Produzenten wie Cems Bruder Can Oral aka Kahn, DMX Krew und Air Liquide unter Pseudonymen veröffentlicht. Im Jahre 2000 wurde der Laden dann wieder dichtgemacht.


mini_acidforum_ani

Air Liquide hat Cem Oral zusammen mit Ingmar Koch aka Dr. Walker gegründet und ihr erstes Album 1991 hiess “Neue Frankfurter Elektronikschule” auf dem Blue-Label, das sie zusammen mit Jörg Burger aka The Bionaut betrieben. 1995 folgte als viertes Album nach Liquid Air und Mandragora der Guns n’ Roses-Kalauer Abuse your Illusion auf Harvest, dem Label auf dem schon die Kölner Elektroniker Can veröffentlicht haben.

Air Liquide - Zeitgeber
Air Liquide - Let Your Ears Be the Receiver [CD]
Let Your Ears Be the Receiver [Vinyl]

Air Liquide bewegen sich als Speerspitze der Electronic Avantgarde stilistisch zwischen Acid, Dub, Electro, Funk, House und Ragga.

Digital vernetztes produzieren ist dabei nichts für Air Liquide, für sie gehört das gemeinschaftliche Biertrinken, die Späße und das Testen der Tracks auf der Tanzfläche zum Produktionsprozess. Rock n’ Roll als materialästhetisches Konzept, im Studio wird gejammt und dann werden die Tracks zerschnitten, gemixt und overdubbet. Teststrecke ist u.a. eine eigene Partyreihe im Kölner Camouflage “Bassphemic Village”, in der schon Michael Rother, Holger Czukay, FM Einheit, Christopher Just und Tok Tok zu Gast waren.


Chemical Dub Albumcover

Jammin’ Unit - Discovers Chemical Dub (UK-Import)

Der legendäre Sound der Jammin’ Unit LPs Discovers Chemical Dub und Deaf, Dub and Blind findet sich in lysergsäurehaltiger Form auf dem zweiten Sideprojekt von Walker und Cem Oral Madonna 303 wieder.
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Skacid

Skacid ist wahrscheinlich das kurzlebigste Genre der Welt und bezeichnet einen kleinen Ausflug von Ska in die House-Music zwischen 1988-1989. Wie der beknackte Name schon sagt, ist es eine Mischung aus Ska und Acid. Geschaffen wurde der Name in dem Track Mental Ska von Longsy D, als Bezeichnung für den neuen HipHop-Reggae-Style. TR-909-Percussions, oft ein toastender MC, eine Sequenzer-Horn-Sektion und manchmal TB-303-Basslines.

Der Breakbeat wird durch einen hochgepitchten Reggae-Riddim ersetzt, beispielweise haben Double Trouble & The Rebel MC auf Just Keep Rockin’, das Intro von Mr. Big Stuff von Jean Knight benutzt.

Rebel MC steuert ausserdem einen wertvollen weiteren Teil meiner Reihe fulminante Auftritte von DJs/Produzenten in Chartshows bei:

Rebel MC - Street Tuff “Live”
Street Tuff [Vinyl]
Rebel Music [Vinyl]

Die vermutlich einzige Skacid-Compilation ist Ska Beats 1 (sic!) auf Beechwood Music. Der aktuellste mir bekannte Skacid-Track ist Brom aka Wolfgang Voigt mit Jazz/Ska auf Kreisel 99.

L.D.JAM INC. - Uptown Dub

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Bomb The Bass - Clear

Das dritte Album von Bomb The Bass war das 1995 auf Stoned Heights/4th Broadway/Island Records erschienene Clear. Eine Fusion von Hip-Hop, Soul und Dub auf der Sinéad O’Connor, Justin Warfield, Doug Wimbish, Bim Sherman und andere Musiker der Londoner Club Szene dem Produzenten Tim Simenon zur Seite standen. Simenon ist wohl weniger der Autor, als vielmehr der Erfinder des Konstrukts Bomb The Bass, was vielen Musiker erlaubt, seiner Vision zu folgen, die Hip-Hop als Blues der 90er Jahre definiert.

Bomb The Bass - Clear Albumcover


Bomb The Bass - Clear [CD]

Die geistige Nachbarschaft zu den Theorien von William Burroughs wurde mit dem Album Clear evident, da das erste Stück des Albums Bug Powder Dust schon mit einem Sample aus David Cronenbergs Naked Lunch, nach einem Buch von Burroughs beginnt :

“I Think It’s Time To Discuss Your, Ah, Philosophy Of Drug Use As It Relates To Artistic Endeavour”

und mit einem weiteren Filmsample

“I Think It’s Time For You Boys To Share My Last Taste Of The True Black Meat. The Flesh Of The Giant Aquatic Brazilian Centipede.”

endet.

Bomb The Bass - Bug Powder Dust

Clear wurde zu einem oft geremixten Album der New School von Cut and Paste-Artists wie Kruder & Dorfmeister (die den Coffeehouse-Hit Bug Powder Dust Remix veröffentlichten), Chemical Brothers, La Funk Mob und The Jedi Knights.

Viele Leute haben sich in den letzten Jahren gefragt, wohin Tim Simenon verschwunden ist, nachdem er einige der ersten SamplePop-Hits produziert hat, die manche von uns in ihrem Leben gehört haben.

Simenon lebt heute in Amsterdam und hat das Label Electric Tones gegründet. Dort hat er sich auch mit Markus Acher und der Sängerin Valerie Trebeljahr aka Lali Puna zusammengetan und Clearcut auf Morr Music/Hausmusik/Indigo/Kompakt produziert, einen ätherischen Track mit Uptempo-HipHop inspirierten Beats, einer Bouncy Bassline und einem deepen, dubby Vibe, gekrönt von der wundervoll warmen Stimme von Valerie Trebeljahr.

Lali Puna - Clearcut
Clearcut [Vinyl]

Das Letzte was von Simenon releast wurde, war die 3-Track-EP Tracks zusammen mit Jack Dangers von Meat Beat Manifesto auf Electric Tones. Relaxte Downtempo-Tracks deren himmlische Loops ein künstliches elektrisches Paradies erzeugen, das niemals enden sollte…
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In the Mix: DJ Gewählt - N8schicht

Der Kreuzberger DJ Gewählt mit seinem Minimal Techno Mix N8schicht.
Ein Burner!


Download & Infos bei blog.rebellen.info

Minimal Techno
Minimal Techno Vol. 2

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Simon Harris - Bass (How Low Can You Go)

Simon Harris ist ein britischer Dancemusic-Produzent und ein Pionier der sample-basierten Breakbeat- und House-Music. Harris hat bereits mit James Brown, Prince und Fatboy Slim Norman Cook gearbeitet und hatte zwei Nummer Eins-Hits in den britischen Charts.

Als DJ aus Chigwell, Essex (UK) startete Harris seine Karriere und wurde später als Londoner Residenz-DJ in den DMC aufgenommen. Danach hat er viele britische Rapper wie Daddy Freddy oder die Demon Boyz produziert.

In dem Video zu Ragga House (feat. Daddy Freddy) [Vinyl] hat Daddy Freddy einen fulminanten Auftritt im Atze-Reebok-Jogginganzug mit Schnörres, Oldschool-Sonnenbrille und Motorola-Cellphone.

Die bekannte 12″-Serie Beats, Breaks and Scratches hat Simon Harris für DJ’s und Produzenten in zwölf Ausgaben produziert.

Cover von Beats, Breaks and Scratches

Beats, Breaks and Scratches

Sein Cut and Paste-Tune Bass (How Low Can You Go) wurde eine N°1 in den Billboard-Charts und führte zu einem der vielen unsäglichen - die Produktionsweise in ein Bandkorsett zwingenden - Auftritte von DJ’s und Produzenten bei Top Of The Pops.

Versucht man sich an einer Genealogie der Samples in Bass (How Low Can You Go), verliert man sich in selbstreferentiellen Spielchen, da viele der Samples Zitate von Zitaten von Zitaten darstellen. Die Uh—Yeah-Kiekser von Rob Base & DJ E-Z Rock haben seinerzeit jeden HipHouse- und Dance-Hit auf der 1 und der 2 1/2 begleitet und das Frauenlachen von Derrick Mays Nude Photo kann auch gottweisswoher stammen.

Natürlich ist die Catch-Phrase Bass (How Low Can You Go) unzweifelhaft ein Public Enemy-Sample von Bring The Noise und Yeah Boy ist ein durchgedrehter Yell von PEs Flavor Flav, der auch einen kleinen Gastauftritt in dem Video hat.

Das m.W. von einem Bob Marley-Track stammende Riddim A Full Of Culture Y’all wird ständig von allen mögliche Produzenten wie z.B. Rebel MC als Verweis auf Riddim “als Basis der Afro-Amerikanischen Transzendenz” benutzt. Wer alle Samples aufzählen kann, gewinnt einen Gastbeitrag auf realvinylz.de.

Simon Harris - Bass (How Low Can You Go)
Bass (How Low Can You Go) (UK Import)
Bass (Bomb the House Mix) [Vinyl]
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Luke Vibert / Wagon Christ / Plug

Luke Vibert aka Wagon Christ aka Plug hat sein soziales Milieu nie in Richtung Club verlassen und pflegt eher ein musikalischen Nerdtum wie Kollege Aphex Twin. Das enthebt ihn von den ungeschriebenen Gesetzen der Grooves und Beats und sorgt für ein überraschungsreiches Springen zwischen den Sounds um der Sounds willen. Ob OldSchool-Acid, Downbeat, Mescalin-Jazzfunk oder 70ties-BigBeat-MashUp, von allem gibt es etwas bei Luke Vibert.

Wagon Christ - Receiver
Wagon Christ - Musipal [Digipack]
Wagon Christ - Musipal [Vinyl LP]

Die geographische Nachbarschaft zu Aphex Twin in Cornwall, führte Luke Vibert von den Abwegen in einer Punkband zu den Möglichkeiten der elektronischen Musik. Ein eher relaxtes Album ist Throbbing Pouch auf Rising High, zwei Jahre später gefolgt von Drum n Bass For Papa, wo Wagon Christ die Techniken und Attitüden von Drum and Bass ausprobiert.

Drum n Bass For Papa Albumcover

Plug - Drum n’ Bass For Papa

Das 97er Album Big Soup ist das Audio-Äquivalent eines Jungen, der sein Zimmer seit Jahren nicht mehr aufgeräumt hat. Auf YosepH entdeckt Luke Vibert dann die TB-303 wieder und verquickt den Zwitschersound mit phatten Dope-Beats.

Luke Vibert - I Love Acid
Luke Vibert - Yoseph [Vinyl LP]

Auf der Website findet sich außerdem ein nettes Schnupper-Gratis-mp3:


Luke Vibert - Propertronics

Und auch Live jammt Luke Vibert überzeugend:

Luke Vibert - Live in Montpellier
Luke Vibert Presents: Further Nuggets [Vinyl LP]

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Bomb The Bass - Unknown Territory

1991 brachte Tim Simenon aka Bomb The Bass sein zweites Album Unknown Territory auf Rhythm King heraus. Ihm zur Seite stand Gota Yashiki, der sich seine ersten Credits in der Zusammenarbeit mit Soul II Soul, Seal und Sinead O´Connor, als Programmer, Drum Editor und Additional Producer erwarb. Die Vocals auf Unkown Territory kommen von dem Rapper A La Mode und Loretta Heywood, mit der Simenon u.a. den Proto-Trip-Hop-Tune Winter In July komponiert hat.

Unknown Territory Albumcover

Unknown Territory [Vinyl]

Simenons besonderes Interesse für abgefahrene Filme und Regisseure (man erinnere sich an die John Carpenter-Synthline von Megablast) wird auf dem Album Unkown Territory noch deutlicher. Er sampelt alle möglichen Filmdialoge und Soundeffekte aus Filmen wie Videodrome von David Cronenberg oder dem Fantastic Four-Cartoon. Eine spezielle Schwäche scheint Simenon für Ridley Scotts Blade Runner zu haben, dessen Soundeffekte u.a. in dem Track The Air You Breathe auftauchen: “Iichi Kotoru… Oooh”.
Die Auswahl der Samples erzeugt ein höchst klaustrophobische Future-Atmosphäre, die mich oft an die Geschichten von William Gibson erinnern.

Viel interessanter allerdings als die Vocal-Tracks sind die William Burroughs inspirierten Cut and Paste-Tunes Switching Channels, You see me in 3D, Dune Buggy Attack 1991 und das grossartige
Liquid Metal, das in einer noch viel abgefahreneren Version b/w auf der The Air You Breathe 12″ erschienen ist. Diese Tracks sind zeitlos und können noch heute auf jeder Block Rockin’ Party gespielt werden, nicht zuletzt dank der Sampleästhetik, die im Gehirn auf sublime Weise Minen legen, die eure Synapsen sprengen.

Bomb The Bass - Winter In July
Winter in July [Vinyl]

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