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Christian Prommers Drumlesson Vol.1

Christian Prommer, of Trüby Trio-, Fauna Flash- and Voom:Voom-Fame, hat es gewagt: Massive Klassiker der Techno- und House-Geschichte im Jazz-Quartet-Gewand.

Wie viele Fehler man bei diesem Cover-Vorhaben machen kann, haben unzählige Synthesizer-Classics, Jazz goes Pop und Acid-Jazz-Compilations vorgemacht. Von verdaddelter Beliebigkeit bis zu stupider Harmonisierung der Loop/Hookline/Sample-Ästhetik des Track-Formates.

Christian Prommer hingegen hat alles richtig gemacht: Grossartige Ausgangsstücke (Anthems wie Can You Feel It?, Strings Of Life, Higher State of Consciousness oder Beau Mot Plage sind fest im kollektiven Gedächtnis der Liebhaber elektronischer Tanzmusik verankert), kompetente Jazz-Grössen wie den Allround-Schlagzeuger Wolfgang Haffner oder Pianist Roberto di Gioia und die eigenen Hipster-Nase.

Christian Prommers Drumlesson - Strings Of Life

Das Christian Prommer - Drumlesson Vol. 1 [CD] auf Sonar Kollektiv kein Novelty-Gag ist, merkt man allein daran, dass man die Originale nicht kennen muss (zwei oder drei Stücke sind selbst mir unbekannt :-)) um die musikalische Stringenz zu begreifen. Alle Tracks sind freejazzig in ein anderes musikalisches Medium transkribiert worden und funktionieren dort ohne grossen musikalischen oder theoretischen Hintergrund.

Inwieweit die Transformation auch umkehrbar ist, wird sich im Herbst auf der Drumlesson Vol.2 zeigen, auf der Techno-Produzenten Jazzkompositionen interpretieren werden.

Christian Prommer - Drumlesson Vol. 1 [CD]
Strings of Life / Space Jam [Vinyl]
Beaut Mot Plage / Rex Drums [Vinyl]

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The Shramps [Verbrecher Verlag]

Pop wie er sein könnte, aber nicht ist, kann wohl als eines der Hauptthemen im Oeuvre des von mir hochgeschätzten Autors, Redakteurs und Theoriejockeys Dietmar Dath betrachtet werden.

In seinem neuen, von Daniela Burger gestalteten, Buch The Shramps, geht es demnach um Rezensionen zu Platten, die es nicht gibt, von Musikern, die es teils gibt und teils nicht. Ein endgültiger Abgesang auf die Authentizität und dennoch ist jede Rezension eine Liebeserklärung an den Musikjournalismus und das Popbusiness.

The Shramps Cover

Unter den Rezensionen finden sich fiktive Platten von realen Künstlern wie Billy Bragg, Helge Schneider, Nina Hagen, Brian Eno, David Bowie, Guns n’ Roses oder Ani Di Franco und fiktive Platten von fiktiven Künstlern. Das Album ‘Poodle’ der Hardrockband Noodle dürfte wohl ein Fake sein, ebenso ‘Gretchen’ von der Neonazi-Frauenband Sturmfotze und ‘Métronome Ahoi’ von Simone:

Das Ganze ist ein multikultureller, pfiffiger, zeitgenössisch-hipper, cleverer Kopfschmerzkrempel und sollte von Nervenkranken weiträumig umfahren werden, weil ihnen sonst das Blech wegfliegt. Alle anderen aber werden gewiß zugeben, daß es etwas ähnlich Belebendes in der internationalen Krawallkultur seit Boozoo Chavis, Nobi Bolpenwolch und Usama Bin Schubsi nicht mehr gegeben hat.

The Shramps wird am 29.4.08 mitsamt einem Konzert von Julie Mies und Jens Friebe im Berliner Festsaal Kreuzberg vorgestellt.

The Shramps
Dietmar Dath - Maschinenwinter - Wissen, Technik, Sozialismus
Dietmar Dath - Heute keine Konferenz

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poptickerpod.de

Das Kölner Aufnahme- und Sprachstudio Stimm und Truppi, dem ich seit der Vertonung meines Films Culture Jamming freundschaftlich verbunden bin, produziert die außergewöhnlich scharfsinnigen Berichte, Glossen und Kritiken aus der Welt des Pop von David Gieselmann.

Auf poptickerpod.de kann man bereits 116 Folgen der höchst amüsanten Reihe goutieren. David Gieselmann seziert mit dem Habitus eines Philologen die scheinbar banale Popwelt, die doch so viel über den Zustand unserer Gesellschaft sagt.

Ähnlich seinen (von mir als solche empfundenen) geistigen Stimulatoren Greil Marcus, Dietmar Dath oder Diedrich Diederichsen, begeht er nicht den Kardinalfehler snobistischer Akademiker und Musikkritiker, das einflussreichste Populärphänomen der Moderne aus einem Elfenbeinturm zu beargwöhnen. Mit dem Instrumentarium des Kulturwissenschaftlers und Ethnologen fördert er das Wissen zutage, welches die Popwelt “im Innersten zusammenhält”.

Hier eine Hörprobe aus der köstlichen Sub-Reihe “Der rätselhafte Erfolg von…”:


Der rätselhafte Erfolg von Right Said Fred
[via poptickerpod.de]

Greil Marcus - Der Mülleimer der Geschichte. Über die Gegenwart der Vergangenheit
Diedrich Diederichsen - 2000 Schallplatten

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Die hässliche Fratze der Anzeigen-Monokultur

Man hätte es originell machen und charmant mit dem Ende der Aktion Kunst statt Werbung, die seit dem Fall der Mauer besteht und seit 1991 von der der NGBK geführt wurde, umgehen können. Das Projekt wäre in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden, wenn nicht die Wall AG - mit ihrem Konzept des Station Branding - dem Ganzen ein Ende gemacht hätte.

Glanzlichter Pic

Ein wenig wirkt es so, als wolle man mit der flächendeckenden Beklebung des Bahnsteigs der U2 am Alexanderplatz mit dem scheusslichen “Glanzlichter der Revue”-Plakat, sarkastisch die Überlegenheit des schnöden Kommerzes über die Aktion “für kulturelle Werte und urbane Identität” demonstrieren. Eine zumindest symbolische Übernahme des Kunstprojektes hätte vielleicht den einen oder anderen kunstsinnigen Werbekonsumenten noch besänftigt, doch der Schock, der mich heute morgen beim visuellen Overkill am U2-Bahnsteig ereilt hat, nachdem die Werbeflächen seit dem Ende der Intervention von Daniela Comani am 29.02.08 leer geblieben waren, dürfte wohl selbst sonst unkritische Gemüter ereilt haben.

Weltweit reagieren inzwischen Stadtplanung und Politik auf die prekäre Disbalance von Werbung, Architektur und öffentlichem Raum, in manchen Städten werden sogar Gesetze verabschiedet, um die Außenwerbung in den Stadtgebieten zu mindern. Eine Stadt wie Berlin hingegen, die als Kulturmetropole beworben wird und zum Magnet für Künstler und Kunstinteressierte avanciert, verspielt hier einen beträchtlichen Aktivposten (…)

Andererseits ist die Wall AG unabsichtlich der Absage der NGBK “Kunst (nicht) als Lückenbüßerin und optische Entspannung für massive Werbung” einsetzen zu wollen, nachgekommen, denn mit Kunst wird diese Werbeoffensive wohl niemand verwechseln.

DELETE! Die Entschriftung des öffentlichen Raums

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Nik Bärtsch’s Ronin - Holon

‘There are two paths a samurai can walk: that of a clan member, and that of a ronin, a lonely warrior. The former is highly esteemed in Japan, the latter is bitterly detested.’

Der 34-jährige Schweizer Pianist Nik Baertsch hat mit seinem Projekt Ronin, dem Spektrum Minimalismus (im Sinne Steve Reichs), Jazz und Funk eine neue Spielart, die Ritual Groove Music oder Zen Funk, hinzugefügt. Ronins neues Album Holon ist soeben auf ECM/Universal erschienen.

Ronins Musik besteht aus einigen wenigen Phrasen und Motiven, die fortwährend kombiniert und aufgeschichtet werden. Daraus resultiert eine musikalische Ästhetik die durch alle Spielarten ihres Sounds konsistent bleibt. Was bei Jazzrock und Fusion oft den unangenehmen Nachgeschmack von Beliebigkeit hinterließ, ist hier durch Soundstruktur, Phrasierung und Komposition nach Detroit hin abgesichert. Wenn Robert Hoods Wire to Wire [Vinyl]-Album digitaler Jazz ist, ist das hier Minimal Techno unplugged.

Nik Bärtsch’s Ronin Live at Jazzfestival Berlin 06

Piano, Fender Rhodes, Drums, Bass, Perkussion, Altsaxofon und Klarinette. Was nach der Besetzung eines gut abgehangenen Feuilleton-Jazzquintets klingt, wird durch Detailversessenheit und reduzierte Klangsprache von allem Jazzrock-Mief befreit.

Zen Funk ist (Jazz : Funk) * Minimalismus + realvinylz. Music to write Blogs by!

Ronin - Holon
Ronin Live

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Cadence Weapon - Afterparty Babies [Big Dada]

Roland ‘Rollie’ Pemberton aka Cadence Weapon aus dem kanadischen Edmonton - u.a. auch Geburtsort von Marshall McLuhan - ist ein Grime-Rapper der außergewöhnlichen Sorte. Sein Rhyme-Stil erinnert an UK-Grime-Artists wie Kano oder Dizzee Rascal, jedoch scheinen seine musikalischen Wurzeln eher im IDM, House und UK-Breakbeat zu liegen. Auch ist er nicht sonderlich an Bling-Bling-Eskapaden interessiert, sondern eher an Partys mit Freunden und hedonistischem GrandmasterFlasheskem (puh!) Duktus.

Cadence Weapon

Nach seinem HipHop-Album Breaking Kayfabe [Vinyl] ist Cadence Weapon mit Afterparty Babies [Vinyl], einer Verbeugung vor seinem ersten Einfluss Teddy Pemberton, zurück. Teddy Pemberton ist Rollies Vater und hat die Black Sound Experience Radio Show an der Universität von Alberta gehostet, eine missionarische NY-HipHop-Show.

Nichstdestotrotz fühlt sich Cadence Weapon mehr der Uptempo Electronic Music und dem europäischen Daft Punk-Sound verpflichtet als dem ghettoisierten Underground-HipHop. So ist Afterparty Babies auf Big Dada Recordings eine testosteron- und adrenalingeschwängerte, clevere Electronic-HipHop-Platte, die mich beim ersten Hören etwas an die Shadow Huntaz gemahnt, wenn auch deutlich lebenbejahender und mit mehr Schampus im Abgang.


Rick Ross vs. Simian Mobile Disco - Hustlin Hustler (Cadence Weapon Hi-Speed Edit)
[via cadenceweaponmusic.com]

Afterparty Babies [Vinyl]
Breaking Kayfabe [Vinyl]

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New Media Art [Taschen Verlag]

New Media Art bezeichnet eine Kunstrichtung, die sich auf neue Medien bezieht oder mit ihnen arbeitet. In der Tradition der Videokunst bearbeiten New Media Artists wie Vuk Cosic oder 01.org die Ende des 20. Jahrhunderts allgemein zugänglich werdenden neuen Medientechnologien.

Einen guten Überblick über die “medienaktionistische” Szene, die den institutionellen Gebrauch von “neuen Technologien” wie Kameraüberwachung, DNA-Synthese oder Web-Kommunikation kritisch beleuchtet, gibt das Buch New Media Art, das im Taschen Verlag erschienen ist.

New Media Art

Der slowenische Künstler Vuk Cosic ist ein Pionier der Online- oder NetArt. Cosic konfrontiert die High-End-Computergrafiken der Gegenwart mit der Geschichte der Rechner-Bildschirmdarstellung: Bis in die 1990er Jahre hinein waren grüne Buchstaben auf schwarzen Grund der Standard.

Als Mitglied des ASCII Art Ensemble entwickelte Cosic Arbeiten, die bewegte und stehende Bilder in Buchstaben-Wüsten verwandelten. Er überführte damit eine Hacker-Praxis in die Kunstszene, die aus der Zeit stammte, als Computer noch keine visuellen Interfaces boten, und verknüpften diese mit einer bis in die Antike zurückreichende Tradition von visueller Poesie.

Mit seinem Documenta-Website-Hack repräsentiert er auch die langjährige Anti-Artworld-Einstellung der New Media Art-Szene.

Die New Media-Prankster Eva und Franco Mattes aka 01.org sind mit ihrem Projekt Life Sharing aus den Jahren 2000-2003 vertreten, in dem sie in einem Akt des Datenexhibitionismus bzw. einem Update der Appropriation Art, das Konzept des “geistigen Eigentums” ad absurdum führten.

Laut 01.org könnten die durch private elektronische Datensammeldienste erstellbaren Profile weitaus umfänglicher sein, als die in der Vergangenheit durch staatliche Geheimdienste erstellten.

Viele weitere faszinierende New Media Art-Projekte, wie u.a. Hans Bernhards etoy-Prank oder Jonah-Brucker Cohens UMBRELLA.net, finden sich in dem Band New Media Art.

Video Art
Creative Code: Aesthetics and Computation

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