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A nice present for 1 year realvinylz.de: DJ VLR - lovember

Heute vor einem Jahr hat p3t3r den ersten Eintrag in diesem Blog gepostet und damit das realvinylz-Universum eröffnet. Kein anderer DJ repräsentierte seitdem den musikalischen Kosmos von realvinylz.de so präzise und souverän wie DJ VLR. Deshalb ist der November-Mix von ihm auch das musikalische Jubiläumsgeschenk an alle treuen Leser.

Auf ein weiteres erfolgreiches Jahr mit News aus der Welt der Urban Electronic Music and Culture

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DJ VLR - lovember
[via djvlr.blogspot.com]

Tracklist:

Carl A Finlow - Anomaly
Creepy Autograph - Malibu Night
AS1 - This Is How
Impakt - Universal Frequencies
Frustrated Figures - Elastic
Blackploid - Mystery Speaker
Hadamard - Take Me Away
Brersoul - Flow (Z-Wave)
Burial - Shell of Light
Genaside II - Narra Mine
Snatcha - Icct Graft
The Bug - Jah War
LA Synthesis - Agraphobia
Nero - Something Else
Gescom - B1
Power-Pill - Pacman (Ghost Mix)
Dexter - Mr Blunt
LAM - Radius of Infliction
Luke Vibert - Argument Fly
Autechre - 90101-61-01
Pangaea - Router
Bizzare Inc - Dangerous Women
CJ Bolland - Mantra
The Ragga Twins - 18″ Speaker
Inner City - Let It Reign (Reese Hardcore Mix)
LFO - LFO (Remix)
Baby Ford - Oochy Koochy
Mully - Old Skool Walter
Felix Da Housecat - Control Freaq
British Murder Boys - Dont Give Way To Fear I
Regis - Burn Your Way In
Snap - Rhythm Is A Dancer (Instrumental)
Caustic Window - The Garden of Linmiri
Stamp Release - Russia
Jeff Mills - Confidential 6
Messiah - There Is No Law
Mystic Institute - QA-752L-P
Kirk DeGiorgio - I Do Not Exist (B12 Remix)
Louis Digital - Relay 42
Loose Change - Kosovo

Tina Tonagel - Eine Party Ohne Christian und Jürgen

Am vergangenen Sonntag ging die (viel zu kurze) Fachtagung interfiction XV/2008 zu Ende. Mein Vortrag wird noch für kurze Zeit online einsehbar sein und dann zur Copyright-Klärung erstmal wieder im digitalen Nirvana verschwinden.

In den nächsten Tagen werde ich über einige der Künstler, Filmemacher und Projekte der interfiction bloggen und den Anfang machen die Kölner Medienkünstlerin Tina Tonagel und ihr Werk Eine Party Ohne Christian und Jürgen.

Nach ihrem Studium an der KHM in Köln erforschte die Künstlerin ihr eigenes künstlerisches Instrumentarium und verbrachte dabei u.a. viel Zeit bei eBay. Dort ersteigerte sie eine Zeit lang Wetterhäuschen, ohne zunächst eine konkrete Verwendung für diese zu haben. Dann bemerkte sie, dass in allen Häuschen ausschließlich heterosexuelle Pärchen wohnen, von denen immer einer gerade nicht zuhause ist, sondern vor der Tür steht.

Die Heideggersche Angst des Nicht-zu-Hause-seins, springt da natürlich ebenso ins Auge, wie das in den Häuschen gelebte Elend der bürgerliche Kleinstfamilie, die von der oft anzutreffenden Schwarzwälder Folklore noch einen Schubs ins Piefige erhält.

tinatonagel1

Tina Tonagel entfernte nun die Figuren aus ihren Häuschen und in einer Kamerafahrt an den nun leeren Häuschen mit jeweils zwei riesigen Türen offenbaren sich erstmal einige architektonische Eigentümlichkeiten. Doch am letzten Häuschen angekommen, findet man alle Figuren zu einer Hausparty mit 80er Jahre Musik versammelt. Die mit Magneten auf den Boden gestellten Figuren wuseln durch das Wetterhäuschen und schaffen so ein realistisches Bild einer mitteleuphorische Partygesellschaft.

tinatonagel2

Doch zwei Personen fehlen auf dieser Party: Christian und Jürgen

Das homosexuelle Paar aus der Nachbarschaft wurde nicht eingeladen. Spätestens hier bin ich dann in lautes Lachen ausgebrochen. Eine tolle Arbeit, die unverkrampft gesellschaftliche Realität, aber vor allem Spaß am Experimentieren, Basteln und höherem Blödsinn - im Sinne von Eckhard Henscheid - zeigt.

Acht verlassene Wetterhäuschen deuten darauf hin, dass die Eheleute mal was erleben wollten. Und siehe da: bei Ulrike und Otto Detering findet gerade eine wilde Party statt. – Ein Plädoyer für architektonische Wunderwerke getarnt als Kritik an Kleinfamilie und Klimawandel.
Begleittext auf der Website

Coldcut vs TV Sheriff - Revolution ‘08

A drum+bass powered all-out AV assault on an American media machine now in psychotic overdrive for the Presidential election. A 10000-frame crash edit comedy celebration of the blatant corruption, warmongering, florid insanity and plain good old smelly bullshit that characterises the cultural landscape of the world’s most confused country. 21st century satire is alive and well.

So großmäulig kündigen Coldcut das Wahlkampfvideo-CutUp an, das sie zusammen mit TV Sheriff gemixt haben. Nachdem sie bereits ihre Seele - in Form der Instrumental-Version von “Walk A Mile In My Shoes” - als Werbesong an den Handyprovider O2 verkauft haben, wollen sie nun erneut die Weltrevolution vorantreiben.

Burroughs beschrieb 1970 in seinem Buch Die elektronische Revolution, wie man einen Politiker mit Hilfe von Tonbandaufnahmen in den Wahnsinn treiben kann:

Wir haben also Tonbandgeräte. Und damit werden wir jetzt einen einfache Wortvirus herstellen.

Nehmen wir mal an, wir haben es auf einen politischen Gegner abgesehen. Auf Tonbandgerät Eins nehmen wir seine Reden und seine Privatgespräche auf und schneiden zusätzlich noch Stottern,Versprecher und mißglückte Formulierungen rein - und zwar die schlimmsten, die wir auftreiben können.

Auf T-2 nehmen wir ein Sex-Tape auf, indem wir sein Schlafzimmer abhören. Wir können das noch potenzieren, indem wir ihm Tonmaterial von einem Sexpartner unterjubeln, der für ihn normalerweise nicht zulässig wäre - z.B. seine minderjährige Tochter.

Auf T-3 nehmen wir empörte und haßerfüllte Stimmen auf. Jetzt zerlegen wir diese drei Aufnahmen in kleinste Bestandteile und setzen diese dann in willkürlicher Reihenfolge wieder zusammen. Und das spielen wir jetzt unserem Politiker und seinen Wählern vor.

Bei Coldcut kommt dabei ein mittelorigineller Drum n’ Bass-Track mit amerikakritischem (Uh!) Inhalt und eine Mini-Website mit ein paar schicken Bannern heraus.

The Revolution Will Be Televised? Eine Nummer kleiner geht auch, in Europa Obama-Anhänger sein ist keine Weltrevolution und Amerika als the world’s most confused country zu bezeichnen ist chauvinistisch und kontra-revolutionär…

Gravious - Temple Ball

Hotflush Releases

Als ehemaliger Vinyl-Junkie ist mir die Sexyness, die in der dekadenten Geste des massenweise 12″-Kaufens liegt, natürlich nicht fremd:

Zweimal auf den Technics knallen, halb durchhören, einen Moment Instant Karma spüren und dann als DJ-Tool in die Plattenkiste packen. Doch wenn die 1210er dann irgendwann als dekoratives und distinguierendes Möbelstück auf dem Plattenschrank stehen, entsteht - bei Wahl des richtigen Vinyls - manchmal ein Gefühl, das den ultimativen High der ersten selbsterworbenen Maxis wiederbringt.

Ein solches Stück Vinyl ist der Dubstep-Orgasmus Temple Ball von Gravious auf Hotflush Recordings. Dieser Track taucht in der Mitte des Medicate With Bass Weight-Mixes von Christine Vaccine als sonnendurchflutete Urwaldlichtung nach einem Wobble-Overkill auf.

Kaum hat sich die Nadel in die Rille geknackst, stolziert ein gravitätischer Dubstep-Beat im Bloodshot-Tempo durch das Zimmer. Die kalten weißgetünchten Wände glimmern in einer abgeblätterten, goldenen Patina von ehemals prächtigen Steintempeln, während die Füße über ein knochentrocken-hölzernes Beatgerüst stolpern. Der drohende Sturz wird abgefedert durch einen Moosteppich in Form einer warmen, analogen, aber fordernden Bassline.

Die großmäulige Behauptung Dubstep würde spielerisch andere Musikstile integrieren, wird hier zu hundert Prozent eingelöst. Die Raga-Melodien sind nicht statisch auf den Rhytmus getriggert, sondern der Track atmet in Klangfarbe und Tempo seinen musikalischen Untersuchungsgegenstand und überführt ihn sanft in die Dancehall.

Mein Dubstep-Track des Jahrzehnts…

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interfiction XV/2008 - Re/Cycling Invention

Vom 14.-16. November 2008 findet begleitend zum 25. Kasseler Dokumentarfilm- & Videofest zum fünfzehnten Mal die interdisziplinäre Workshop-Tagung interfiction für Kunst, Medien und Netzkultur statt.

Das diesjährige Thema wird Re/Cycling Invention - die Frage nach den ‘Innovationspotentialen medialer und materialer Strategien und Praktiken des Recycling in Kultur und Kunst’ - sein.

interfiction

Ich werde dort mit folgendem Vortragsthema vertreten sein:

zu sampling, cut-and-paste und aggregatzuständen die götter (oder musen) von außen aus dem weltall getrennt halten

In der antiken Vorstellung wird die Idee, das Denken und folglich das Kunstwerk nicht selbst entwickelt, sondern von Göttern (oder Musen) von Außen eingegeben. Diese Vorstellung eines genialischen, göttlichen Impulses beherrscht bis heute in verschiedenen Aggregatzuständen die kulturpessimistische Debatte. Die postmoderne Kunstformen werden als unkreativ, unsinnlich oder gar als affirmative Verdoppelung der Umwelt beargwöhnt, was zu teilweise haarsträubenden Selbstbeschränkungen in der Wahl des künstlerischen Mediums führt.

Doch wie soll ein Künstler seine alltäglichen Wahrnehmungen, zu denen selbstverständlich auch die omnipräsente Welt der Warenanpreisung, des Internets und des TV-Spektakels gehören von „wahrhaftiger” Inspiration trennen?

William S. Burroughs, der soweit ging, der Sprache selbst zu mißtrauen, die er für ein Virus aus dem Weltall hielt, entwickelte die Technik des Cut-Ups um sich von der Semantik zu befreien. Genau diese Technik des Cut-Ups führte jedoch Jahrzehnte später zum Sampling, Cut-and-Paste und dem Musikgenre Plunderphonics, der selbstreferentiellsten und anti-essentialistischsten Kulturtechniken ever.

Ich möchte in meinem Vortrag zeitgenössische Formen des Kunstrecyclings vom Berliner ‚Maler’ Blaise Vincent und seiner Wiedergeburt als Darko Maver bei 01.org, über das Webprojekt aftersherrielevine.com bis zum zynischen Softwareprojekt logohallucination.com von Christophe Bruno vorstellen und die Frage stellen, was eine ursprüngliche Inspiration eigentlich sein soll und wem ein solches Modell dient.

Der Vortrag wir anhand eines Wikis gehalten, das ich zu Beginn der Veranstaltung öffentlich zugänglich machen werde, so dass der Vortrag Online verfolgt werden kann. Natürlich sind auch Offline-Zuschauer vor Ort in Kassel herzlich eingeladen, die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos…

Culture Jamming Premiere im Free-TV

Die ARD sendet auf ihrem digitalen Kanal EinsFestival am 06.11.2008 um 12 Uhr die deutsche TV-Premiere meines Films Culture Jamming - Medienaktionismus im 21ten Jahrhundert.

EinsFestival wird über Satellit (DVB-S), über Kabel (DVB-C) und in einigen Regionen auch über Antenne (DVB-T) ausgestrahlt. Außerdem ist EinsFestival über IPTV und über Web-TV (Zattoo) zu empfangen.

Mehr Infos hier