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Kyle Hall im Video-Interview

Wer einmal Kyle Halls idiosynkratische House-Tracks auf Labels wie FXHE, Hyperdub oder seinem eigenen Wild Oats-Imprint gehört hat, könnte denken, der gerade mal 18-jährige Detroiter sei mit einer MPC im Arm zur Welt gekommen. Mit lausbübischem Zahnspangengrinsen und Ralph-Lauren-Polohemd stellt er die komplette Antithese zur großmäuligen Gangsta-Attitüde eines Moodymann oder Omar S dar, seine Tracks strotzen aber mindestens genaus so vor ungefiltert hingerotztem Maschinensoul.

Welche Rolle ein Friseurladen für seine musikalische Entwicklung hatte, was bei ihm in der nahen Zukunft ansteht (u.a. ein Remix für den an dieser Stelle schon hochgelobten Space Dimension Controller) und vieles mehr verrät er im Video-Interview für doDetroit TV.

Sound Check: Kyle Hall from doDetroit TV on Vimeo.

[via residentadvisor.net]

Platte des Tages: Andrea - You Still Got Me / Got To Forget [Daphne 005]

Wenn mir in Zeiten von Joy Orbison, Instra:Mental und Hudson Mohawke jemand vor vier Wochen erzählt hätte, dass noch jemand an der Verfeinerung des Amen-Breaks und dessen Triggerung arbeitet, hätte ich ihn für verrückt erklärt (und heimlich umarmt). Denn dann hätte ich mich schon auf diese EP freuen können:

Andrea - You Still Got Me / Got To Forget by modernlove

Langsam schubbernder Rave mit Bassmonster von Andrea auf Daphne Records. Und dann noch DaveClarke-Synth-Stabs aus den Neunzigern auf der B-Seite. Für heute bin ich glücklich…

Diggin’ The Crates: Slowdive - 5EP + Remixes

Dass der Begriff ‘Chill Out’ heute semantisch verseuchter ist als ein durchschnittlicher Acker im Chemiedreieck zwischen Merseburg, Halle und Bitterfeld Mitte der 80er, lässt sich sogar im aktuellen ZEIT-Magazin nachlesen. Dass damit aber nicht schon immer klebrige Klangcollagen gemeint waren, die als akustisches Äquivalent zu Blümchentapeten durchgehen, ist auch klar. Nicht zuletzt die für Spätgeborene immer ein wenig romantisch-verklärt wirkenden, aber trotzdem verlockenden Forderungen nach der Rückkehr einer beatfreien Zone in Clubs, ließen den Begriff wieder stärker in den Focus rücken.

slowdive-5ep.jpg

Als Referenz werden dabei meistens Acts wie Global Communication, Future Sound Of London oder The Orb genannt, denen Anfang der 90er ein Update des Ambient-Sound eines Brian Eno durch sanfte Dub-, ‘Trance’- und Breakbeatelemente gelang. Eben jener Brian Eno produzierte 1993 mit Souvlaki auch das wohl bekannteste Album der Shoegazer Slowdive. Von allen Bands aus dem Creation-Records-Pool (My Bloody Valentine, Ride, Chapterhouse etc.) waren Slowdive schon zu dieser Zeit die ‘unrockistischte’, die Gitarren schwebten noch verwaschener im Hintergrund aus rosafarbenem Rauschen, Neil Halsteads und besonders Rachel Goswells Gesang schien noch körperlos-ätherischer als der ihrer Kollegen. Dies brachte ihnen auch zahlreiche Bewunderer im elektronischen Lager ein. Für einen Moment im Spätherbst 1993 lief der Weg von Slowdive plötzlich wie von selbst in Richtung Chillout-Floor.

Auf dem 5 EP betitelten 4-Tracker vollziehen Slowdive die entgültige Abkehr von ihren im Noiserock und Gothic liegenden Wurzeln hin zu einem somnambulen Driften zu in Watte gepackten Pulsschlägen, wie sie wenig später auch Wolfgang Voigt für sein Gas-Projekt verwenden sollte. Konsequenterweise veröffentlichte Creation quasi zeitgleich zur 5 EP auch eine 12-Inch mit zwei Remixen von Künstlern ihres elektronischen Sublabels Infonet.

Bandulu zerlegen ‘In Mind’ in ein Breakbeat-Gewitter der feinsten englischen Art inklusive sinustonartigen Einsprengseln und den majestätisch schwerelosen Flächen des Originals. Reload alias Global Communication alias Mark Pritchard und Tom Middelton gehen in ihrer Version noch ein wenig epischer zu Werke, lassen das Stück in einem Wirbel aus Synth-Arpeggien verglühen und streuen zum löschen ein wenig Sternenstaub darüber

Nach diesem eindrucksvollen Schulterschluss mit der damaligen Avantgarde der elektronischen Musik gingen Slowdive den neu eingeschlagenen Weg auf ihrem dritten und letzten Studioalbum ‘Pygmalion’ weiter, ohne jedoch ganz an die Genialität der ‘5 EP’ heranzureichen. Neben dem eher konventionellen Dream-Pop der Slowdive-Nachfolgeband Mojave 3 verfolgten die Bandmitglieder auch zahlreiche Soloprojekte, Halstead versuchte sich zuletzt 2008 mit eher geringem Erfolg als Singer/Songwriter.

Mark Pritchards Strom an qualitativ hochwertigem Output reisst dagegen bis heute nicht ab, egal ob er Dubstep für Malas Deep Medi Music oder Kode9s Hyperdub veröffentlicht, oder sich als Harmonic 313 auf Planet Mu um retrofuturistische Beatforschung kümmert.

Mixtape Saturday: Steinski & Free Download

Zur Feier des Relaunchs der Website choicecuts.com hat sich die Cut ‘n’ Paste HipHop-Legende Steinski wieder an die Decks begeben. Mit seinem Partner Double Dee hat er in den 80er-Jahren die legendären ‘The Lessons’-Mixe auf Tommy Boy releast. Diese analogen Cut-and-Paste-Collagen haben die gesamte HipHop-, Dance- und Downbeat-Welt verändert und Künstler wie DJ Shadow, Cut Chemist, Coldcut, Dabrye, J Dilla, Madlib, Bomb The Bass, sowie viele tausende mehr beeinflußt. Big Up to the Originator!

Steinski ChoiceCuts.com relaunch Mix by ChoiceCuts

Abschliessend sei noch auf den Download des zweiten Teils der Compilation-Serie Oscillations von Jus Like Music und Apple Juice Break verwiesen, den die blogrebellen bereits am Mittwoch gepostet haben. Man scheint da im selben Verteiler zu sein ;-) Keine großen Worte, den Teil 1 gibt es hier.

Mixtape Monday: Floating Points, Thomas Fehlmann & Fiedel

Ganz im Zeichen der Symmetrie steht diesmal der Start in eine neue Mixwoche: Drei Mixe, dreimal bei einem englischsprachigen Onlinemagazin veröffentlicht und dreimal beginnt der Künstler mit dem Buchstaben F (zugegeben, bei Herrn Fehlmann ist das eine Auslegungssache). Das war’s dann aber auch schon mit den vordergründigen Gemeinsamkeiten. Musikalisch geht es nämlich glücklicherweise höchst unterschiedlich zu, einzig die durchgehend hohe Qualität eint alle drei.

Den Anfang macht der Jüngste im Bunde, Sam Sheperd alias Floating Points mit seiner für das XLR8R-Magazin eingespielten eklektischen Hommage an den Londoner Club Plastic People.

Der 23-jährige spannt einen Bogen von 70s Jazz, James Brown und Gil Scott-Herron über Larry Heard und Herbert bis zu brandneuen Stücken wie Kyle Halls Darkstar-Remix und einer noch unveröffentlichten Eigenproduktion.

[Mix nicht mehr auffindbar]

Der gebürtige Schweizer Thomas Fehlmann könnte zwar Sam Sheperds Vater sein, dass er sich musikalisch aber immer noch mühelos am Puls der Zeit bewegt, beweist er mit seinem Beitrag für die Institution Resident Advisor. Die nonchalant deephousigen und dubbigen 60 Minuten machen nicht nur Lust Fehlmanns neues Album “Gute Luft” endlich einmal zu begutachten, sondern sollten auch den Forderungen nach häufigeren DJ-Sets des Ex-Palais-Schaumburg-Mitglieds neue Nahrung geben.

[Mix nicht mehr auffindbar]

Tracklist:

Thomas Fehlmann - Schwerelos
Matias Aguayo - Minimal - Rossknecht Mix
Moritz von Oswald & Carl Craig - Recomposed (Francois Kevorkian Remix)
Trentemöller vs DJ LAB - Rauta
Move D - Lush Summer Rain
Soulphiction - Underground Railroad
The Mole - TBA
Reggie Dokes - Release Yourself
The Orb - Chucks Peaks
Move D ft. DJ Laté - Theo
Omar-S - Day
Omar-S - Oasis Detroit #1

Eines der überraschendsten Comebacks des Frühjahrs gelang zweifellos Berghain-Resident Fiedel gemeinsam mit Erik Errorsmith’ Wiegand und ihrem MMM-Projekt. Genauso überraschend gestaltet sich auch sein Mix für FACT. Neben Kathedralen-erprobten Gassenhauern wie Sheds aktueller Equalized und ‘Neverending’ von Radio Slave kommt bei Fiedel auch eine ordentliche Portion englischer Bassmusik der Geschmacksrichtungen wonky und funky auf die Teller.

[Mix nicht mehr auffindbar]

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Platte des Tages: The Dark Side of the Meat - s/t [Spontan Musik SMV014]

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‘The Dark Side of the Meat’ ist ein weiteres Projekt des Mainzers Tim Keiling aka Erdbeerschnitzel auf der er seine glitchy/wonky HipHop-Seite auslebt. Im Unterschied zum Sound eines Hudson Mohawkes beispielsweise, ist dies mit viel weniger 80er-Kitsch und Japanüberdrehtheit verbunden, auch wenn das Coverfoto so schön nach Grundschule 1987 aussieht.

Aber wer das Spontan-Universum kennt, weiß das es dort neben aller Perfektion auch ziemlich spaßig zugeht und dies vor allem Abgedrehtheit im Sounddesign bedeutet, was sich allein an Titeln wie ‘Lactose Massacre’ oder ‘Chesthair Panorama’ verdeutlicht. Und ja, bei der Klangbeschreibung bin ich überfordert. Hört es oft an. Immer wieder überraschend alles. Das klingt super.

Anhören und Kaufen

Platte des Tages: Jayson Brothers - The Game [Drumpoet Community 029-1]

Jason Brothers Releases

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Unter dem Namen Jayson Brothers erschien bereits vor Jahresfrist eine überraschend wenig beachtete 12″ auf Danilo Plessows MCDE-Imprint. Die zwei loopigen Slowmotion-Disco-Stücke klangen wie die perfekte Synthese aus Plessows eigener Raw Cuts-Serie und der englischen Hitfabrik um Craig Smith und Graeme Clark (The Revenge, 6th Borough Project).

Mit dem zweiten Release der mysteriösen Brüder auf dem wiedererstarkten Schweizer Label Drumpoet Community steht nun fest, dass der vielgepriesene Wonderboy aus dem Spätzleland höchstpersönlich hinter dem Pseudoynm steckt. ‘The Game’ ist der wohl bisher rotzigste Slammer des Stuttgarters. Über einer vom ersten bis zum letzten Takt durchprügelnden Kickdrum treiben peitschenhiebende HiHats das Stück unbarmherzig nach vorn, das zwischendrin immer wieder rein- und rausgefilterte Vocalsample macht den Killer perfekt.

Dagegen wirkt ‘Keep on Dancin” fast schon wie eine glattpolierte schwäbische Vorstadtsiedlung, mit angedubbten Chords und flächigen Strings gibt es aber auch hier mehr als solides Postpeaktime-Futter. Stumpfsinn war selten so verführerisch.

Jayson Brothers - The Game by invrs