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Penner + Muder - Same Monkeys, Different Zoo [Moodmusic 012]

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Nach ihrer formidablen Single ‘Are You Lost’ tat sich das Hamburg-Berlin-Duo auf Wunsch des Labelbetreibers Sasse erneut zusammen um isein Debut-Album zu produzieren. Und das strotzt nur so von Sehnsucht in den Flächen, Deepness in den Sounds und überraschender Einsätze.

‘Let the music play’ verzaubert mit einem grenzenlosen Stringsound, ebenso ‘In This Room’, dessen tiefe Melodie immer mehr an Intensität gewinnt. Angedubbt wird bei ‘Sunset Blvd’. Auch die Vocaltracks ‘Speak your mind with Plasmik’ und ‘Time has come” sind superb. Gerade letzterer schafft es die Melancholie dank motivierender Vocals zu durchbrechen.

Insgesamt ist das Werk sehr homogen und schafft mühelos den Spagat zwischen Clubanspruch und Homelistening. Dieser in verschiende House-Richtungen gehende Longplayer wird sicher eines der großen Alben 2010 werden.

Suedmilch - Two Sided EP [Pour le Mérite 006]

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Mit Suedmilch aka Venedikt Reyf kommt Pour le Mérite langsam in Fahrt. Mit Suzi Q Smiths Stimme produziert er für die düstere Seite der AfterHour. Düster in einem positiven Sinne, der in die Gefühlswelt hineingeht und dem stumpfen Schwoofen eine Absage erteilt.

Die Leipziger von Mod Civil lockern das Original auf und versprühen einen spielerischen Charme, behalten das melancholische und wandern trotz runtergepitchter Vocals nicht ins Düstere ab. Eindeutig der Gewinner. Sehr schön. Hoffe, dieser frische Wind wird bei den nächsten VÖs des Labels beibehalten.

Und von Suedmilch dürfte man in nächster Zeit sicher noch mehr hören.

Anhören und Kaufen

Platte des Tages: Cerebus vs. RND - Flow Motion Set Up EP [Influence Records 013]

Nachdem 2009 schon das Comeback von Techno ausgerufen wurde und mit Luke Slater einer der alten Haudegen einige EPs und ein Album veröffentlichte und Adam Beyers Drumcode reanimiert wurde, so könnte 2010 das Jahr seines schwedischen Kollegen Cari Lekebuschs werden. Im Juli erscheinen gleich zwei neuen EPs und das Album State of the Art (Reviews folgen) auf seinem Label H. Productions, welches früher unter Hybrid Sound Architectures bekannt war.

Richtig erstaunt war ich, als ich vor ein paar Jahren meine Kiste durchwühlte und eine Influence Records von 1993 entdeckte, die von Lekebusch stammt und somit seine erste Platte sein dürfte. Influence, ein von Talla 2xlc betriebenes Label, veröffentlichte einen Haufen Schrott, undefiniertes Rave-Zeugs um die 150 BPM, hatte aber mit Normans Big Deal einen guten Hit.

Die Flow Motion Set Up EP hingegen empfand ich als seiner Zeit irgendwie voraus, hätte auch nie gewusst, wie ich sie spielen sollte, fand aber ihren leeren Fabrikhallen-Charme und diese gewissene Durchness reizvoll. Klar schockt das heute niemand mehr, aber bis zu Christian Vogels Debut auf Trope, sollte auch noch Zeit vergehen.

So ist die EP keine wirkliche Platte des Tages, im Sinne von Killertrack oder so, sondern eher ein Zeitdokument, dass den Startschuss einer Reihe von späteren Platten des Tages markiert und deutlich macht, dass es bei Lekebucsh von Anfang an um Härte, Industriecharme und um eine sehr direkte Produktionsweise ging.

Diggin’ The Crates: Cymande

Wohl wenige Bands sind so prädestiniert für die Diggin’-Rubrik wie Cymande. Das Londoner Kollektiv mit karibischen Wurzeln veröffentlichte zwischen 1971 und 1974 drei Alben und verschwand danach für viele Jahre in den hinteren Schubläden staubiger Plattenläden. Obwohl Cymande nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums gemeinsam mit der Soul- und Gospellegende Al Green durch die USA tourten und dabei sogar zu einem Gig im legendären New Yorker Apollo Theater gelangten, blieb ihnen der große Mainstream-Erfolg versagt. Ihr hybrider Entwurf von Funk, der Elemente des Calypso, Jazz, Motown-Soul, Afrobeat und sogar Psychedelic Rock vereinigte, war wohl für eine gerade von James Browns ‘Sexmachine’-Phase in den Bann gezogene Öffentlichkeit einfach zu komplex.

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Meine erste Begegnung mit Cymande geschah eher untypisch über den Umweg zweier Compilations aus dem Umfeld des Berlin-Karlsruher Innervisions-Labels, nämlich Henrik Schwarz’ DJ Kicks von 2006 und der letztjährigen, von Schwarz gemeinsam mit seinen Labelmates Dixon und Âme kompilierten Minimal-Musik-Zeitreise The Grandfather Paradox. Beide Compilations sind in ihrem etwas zu offensichtlichen und leicht prätentiösen Checkertum (Arthur Russell, Steve Reich) genau meine Tasse Tee und featuren in Form von ‘Anthracite’ und des gesanglastigen ‘For Baby Oh’ jeweils eine der unzähligen Nischen des schillernden Cymande-Universums.

In HipHop-Kreisen sind Cymande aber dank Rotation auf solch sakralen Plattentellern wie denen von Kool Herc und Grandmaster Flash schon länger keine Unbekannten. Spätestens seit De La Souls kongenialer Verwendung von Bra für Change In Speak auf ihrem 1989er-Debüt 3 Feet High And Rising ist ihnen der Platz im kollektiven Sample-Gedächtnis nicht mehr zu nehmen.

Ein Jahr später zog Masta Ace nach und bediente sich für Me And The Biz bei The Message und seinen ohrwurmtauglichen Bläsersätzen.
Die Fugees bescherten Cymande schließlich 1996 ganz warholesk einen so unverhofften wie kurzen Moment echten Mainstream-Fames, als sie den Titeltrack ihres Albums The Score auf dem bekifften Dove (’Cymande’ bedeutet im Calypso-Slang ‘Taube’) aufbauten. Jedoch lohnt sich auch abseits nerdiger Sample-Genealogie eine Reise in den Cymande-Kosmos.

Ihr drittes und letztes Album Promised Heights hätte sich mit seinem visionären SlowMo-Funk auch gut in der mehr als 20 Jahre später grassierenden Downtempo-Welle um Kruder & Dorfmeister gemacht. Darauf findet sich mit Brothers on the Slide auch der nicht nur dank der Nightmares On Wax-Dubversion heute wohl bekannteste Cymande-Song.

Ein simpler Gitarrenlick und provozierend lässiger Groove sorgen weit vor Drexciya und Rhythm & Sound für den perfekten Soundtrack zum transatlantischen Rhizom-Wachstum. Das ‘Promised Heights’ in den USA zuerst gar nicht veröffentlicht wurde, wundert angesichts der in Rassenfragen äußerst konservativen amerikanischen Musikindustrie kaum. Alle drei Cymande-LPs sind mehrfach re-released und u.a. bei hhv.de zu ziemlich günstigen Preisen zu ergattern.

Session des Tages: Dorian Concept - Fort Teen

No Comment! Aber wer errät von welchem Künstler die Station ID / das Intro der FM4-Session ist, gewinnt eine CD von Wasserstoff. Einfach Antwort und e-mail-Adresse in das Kommentarfeld eintragen.

Interlude: Interview mit Dorian Concept auf shanghaiist.com

Lieblingslied-Tag (II)

Der kompromißloseste, der brutalste, der konsequenteste, der politischste und verschroben-funkieste Track der Agit-Rapper Public Enemy war für mich Welcome To The Terrordome von der LP Fear Of A Black Planet:

Bonustipp: Die Instrumentalversion wo nur der Beat spielt als Grundlage für einen Dubstep-Track nehmen!

Lieblingslied-Tag

Und weil pEtEr von den Blogrebellen gerade den Lieblingslied-Tag ausgerufen hat, gehen wir bei realvinylz.de auch schon steil, schließen uns dem Ganzen an und freuen uns auf eure Lieblingslieder.

Abgesehen davon, dass es viele Lieblingslieder gibt und diese gerne wechseln, so ist es doch oft ein Stück was als besonders prägend für das weitere Leben empfunden wird. Sei es als Einstieg in eine Szene, als Anstoß in irgendeine Richtung tätig zu werden oder ein ganz besonderer Moment mit der/dem Liebsten.

Um es kurz zu machen: Running war für mich die spontane Entscheidung Techno zu mögen. Torsten Fenslau ist bis heute der DJ, der nicht nur meine Art des Auflegens prägte, sondern auch als Produzent Maßstäbe setzte und ich kann mir durchaus vorstellen dass dieser Track auch heute noch im richtigen Moment funktioniert. Selbst in Berlin.

Vollgeladen mit den Bombendetonationen (??? Anm. Sub_Kid) und Samples aus dem Film ‘Blade Runner’ und Vangelis Melodie des dazugehörigen Soundtracks, Nosie Katzmanns Stimme, dem typischen Waldorf-Microwave-Bass, Detroit-Chords und einem hypnotischen Arpeggio erzeugt er eine tiefe Sehnsucht nach einem düsteren New York der Zukunft. Einfach unglaublich wie soundtechnisch perfekt diese Hymne bereits 1990 klang, vergleicht man den Produktionsstandard mit den typischen Technoplatten damals.