Entries Tagged as ''

In The Mix: Brackles, DJ Proton & BUG

Drei Mixe, drei Herangehensweisen an den Sommer… also von dem Zeitpunkt des Bloggens aus betrachtet, den einer der Mixe ist vom letzten Sommer. Mit dem will ich auch anfangen, es ist ein XLR8-Podcast von Brackles der irgendwo zwischen House, 2-Step, UK Garage und Dubstep oszilliert und ein m.W. immer noch unreleastes Stück von Joy Orbison featured:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Brackles - XLR8 Podcast
[via xlr8r.com]

Wenn der Brackles-Mix die Mitte von etwas ist, was ich mal als Hardcore Techno/Detroit versus Soul/Motown-Verständnisachse von Musik eröffnen will, ist der Motor Music-Mix von realvinylz-Gastautor DJ Proton der äußere rechte Pol.

Hier ist der Soul - oberflächlich gesehen - aus der Musik ausgelöscht worden und einem unbarmherzigen Maschinentakt gewichen. Ben Klock, Joey Beltram, Tadox, Surgeon und Oscar Mulero kommen hier zum Zuge und auf seine hedonistisch-hektische Weise schaut dann doch dieses wärmende, universelle Gefühl namens Soul durch eiskalte Chords oder scharfe Saxophon-Licks herein, um dann auch schon wieder dem rhythmisch-aggressiven Kontrapunkt zu weichen. Berghain-Funk, wenn man so will.

Dj Proton - Motor Music by DJ Proton

Auf der anderen Seite der Achse wartet schon BUG, mit seinem Mix der BBE-Artists Roy Ayers, J Dilla, Electric Wire Hustle, Pete Rock, Madlib und Jazzy Jeff. Hier groovt es scheinbar handgemacht, man singt von Bienen, Blumen und Sonnenschein, das Marimbaphon antwortet prompt und der Hörer wähnt sich dort wo die Reise einst losging. Eine fantastische, nie endende Reise durch die Musik, in der entfremdete Roboter genauso ihren Platz haben wie ein Pontiac Firebird in der Abendsonne. Ja, in der das Eine ohne das Andere gar nicht denkbar wäre.

Oder um es mal mit den Worten eines alten Kumpels auf dem Summer Jam zu sagen: ‘Immer nur Niceness ist auch nicht abendfüllend!’

Bbe Mixtape Competition 2010 by Bug on Mixcloud

Ametsub - The Nothings of The North [Mille Plateaux]

Ungefähr fünf Jahre nach dem Zeitpunkt an dem die Frage, ob es Mille Plateaux-Labelbetreiber Achim Szepanski jemals ernst war mit den Verweisen auf das Hauptwerk der französischen Poststrukturalisten Deleuze und Guattari, keinen mehr interessiert hat, steht das einstige Force Inc. Sublabel wieder in den Startlöchern, sogar mit eigenem Sublabel Cluster.

Meiner Meinung nach hat der Mille Plateaux-Betreiber die Theorie des Rhizoms eher in der populären Auslegung der Medientheorie - als Metapher zur Beschreibung von Hypertext-Netzwerken - verstanden und somit eine zwar komplexe, aber seinerzeit übliche techno- technikaffine Metapher für die Musik geschaffen. Folgerichtig gehörten auch die genrebildenden Clicks&Cuts-Compilations, die die CPU und ihre Fehler zum musikalischen Gegenstand erhoben, zum zentralen Oeuvre des Labels.

Diese Compliation findet jetzt ihre späte Fortsetzung in der Version 5.0 Paradigm Shift. Das Cover erinnert an frühere Autechre-Platten, aber halt, um die Compilation soll es hier gar nicht gehen. Ich habe sie ein paarmal nebenher laufen lassen, aber bisher ist noch nicht viel hängengeblieben. Eine Platte die aber durchaus meine Aufmerksamkeit erregt hat, ist das Album The Nothings Of The North von Ametsub aus Tokyo.

Die Musik vom Ametsub ist eine leise aber hochkonzentrierte Meditation über eisgesprenkelte Landschaften. Beim ersten Hören macht die Musik den Eindruck von Fragilität und Belanglosigkeit, wie ein hübsches aber uninspiriertes Gemälde. Dann entdeckt man aber den entscheidenenden Farbtupfer, den musikalischen Kontrapunkt, sei es ein hübsch sägender Mikrokorg, wie wir ihn von Dorian Concept kennen, oder eine Fennesz-eske Rauschperkussion.

Das Album dürfte sein volles Potential erst im Herbst entfalten, wenn die Zeit für längere Listeningsession wiederkommt und insofern war der VÖ-Termin etwas unglücklich gewählt. Jetzt kaufen, im Oktober auspacken…

Party: Ian Pooley & Grooveintella, Sa 26.6., Kleine Reise, Kreuzberg, 20h

pooley.jpg

Heute kurz und knapp wegen des Killerwetters: Ian Pooley, den sollten zumindest die älteren unter euch kennen, legt morgen ab 24h in der kleinen Reise in Kreuzberg auf und bekommt vorher Unterstützung von Grooveintella aus Mainz.

Ach ja. Bin völligst überrascht und wusste garnicht dass Pooley noch aktiv ist. Er hätte es auch nicht müssen, hat er doch der House-Welt schon mehr als genug Freude bereitet.

grooveintella.jpg

Ort: Kleine Reise, Spreewaldplatz 8, U Görlitzer Bahnhof
Start: 20h
Eintritt: bis 24h frei

Platte des Tages: Andre Lodemann - The Light EP [Best Works Records 007]

Der Berliner Andre Lodemann steht zwar schon seit 20 Jahren regelmäßig hinter den Plattentellern, für den Übergang vom Auflegen zum Produzieren hat er sich allerdings ziemlich lange Zeit gelassen. Nach dem Debüt 2004 auf Moods & Grooves gibt es Lodemann-Platten regelmäßig erst seit knapp einem Jahr. Dafür dann aber auch auf einem konstant hohen Qualitätslevel, sei es auf dem Durchstarter-Label Room With A View, Freerange oder dem eigenen, gemeinsam mit Daniel Best betriebenen Best Works Records.

Dessen neuste Katalognummer besticht auf der A-Seite mit gecutteten Disco-Stabs wie bei Soundstream, leicht angeschickertem Piano und einem Fundament aus wärmstem Bass. Großartiger Oldschool-not-Oldschool-Killer für die Open-Air-Saison!

Andre Lodemann - The Light (BWR007 - A) by lodemann

Wer es gerne ein wenig deeper mag, ist mit Subtle Stimulation auf der B gut bedient. Hier sagt der Titel eigentlich schon alles: Ein zurückhaltend, aber bestimmt schiebender Housetrack mit sanften Synthmodulationen. Kurz vor Ende geht es dann aber auch verstohlen unter die Euphoriedusche. Das passt fast noch besser zum Sommer hierzulande, denn auch dort ist die Sonne ja meist nur für wenige Augenblicke zu sehen.

Andre Lodemann - Subtle Stimulation (BWR007 - B) by lodemann

Den Kollegen von Littlewhiteearbuds hat Lodemann ein Interview gegeben, in dem er u.a. über den Beginn seiner Musikbegeisterung nach dem Mauerfall erzählt und den aktuellen Stand der Berliner House-Szene reflektiert. Außerdem liefert er noch einen feinen Mix aktueller und aktuellster Platten, in dem an der einen oder anderen Ecke auch Bruder Techno nicht zu kurz kommt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Lodemann Podcast
[via littlewhiteearbuds.com]

Mittwochs-HipHop-Mix: Sven Swift plus Hudson Mohawke

graffitiny.jpg

Sven Swift von 12 Rec. und Error Broadcast, Freund postmodernen HipHops - sprich Wonky, Glitch und wie die anderen Modebegriffe so heißen - hat für die Generation Tapedeck einen exklusiven Plastik Rap Mix hergegeben.

Download

graflo.jpg

Und nebenbei verweisen die Kollegen von XL8R auf einen neuen Track des 2009er-HipHop-Prodigys Hudson Mohawke. Download auf Bleep.com.

Foto under CC by karpov the wrecked Train & Toots Fontaine, Sven Swift, Sentinels via Blogrebellen.

Funk Ethics - Razor Boy / Broken Soul Music (Reduction Records 004)

In Zeiten allgemeinen Release-Overkills scheint die Garde hoffnungsvoller Nachwuchsproduzenten von der Insel aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt zu haben. Auch für Funk Ethics aus Newcastle gilt eindeutig die Devise Qualität vor Quantität. Nach dem Killer-Erstling Blues Is Now im letzten Herbst ließ er sich über ein halbes Jahr Zeit für den Nachfolger.

Auf beiden Tracks präsentiert sich Funk Ethics deutlich reduzierter als auf seinem Debüt. ‘Razor Boy’ ist ein metallisch steppender Garage-Track mit technoiden Pads und ‘Broken Soul Music’ fast schon klassischer Halfstep mit Subbass-Antrieb, geheimnisvollem Rauschen und kratzigem Digital Noise. Hätten Loefah und Mala nicht besser hinbekommen können.

Donnacha Costello - Before We Say Goodbye Remixes (Pokerflat Recordings 112)

Pokerflat steht zwar immer ein wenig im Verdacht, nur austauschbares Techhouse-Futter zu releasen, bei Donnacha Costello, dem Iren mit dem Namen einer italienischen Operndiva, lohnt es sich aber genauer hinzuhören. Besonders wenn für die Remixe zu seinem neuen Longplayer Before We Say Goodbye Hochkaräter wie Lawrence sowie die KiNK & Neville Watson verantwortlich zeichnen.

Dial-Chef Lawrence federt für seine Version von Leaving Berlin die prägnante Bassline des Originals mit seinen typischen Detroit-Flächen und butterweichen Keys ab. Für mich eine der besten Arbeiten des Hamburgers seit langem, auch wenn hier das Rad der sanften Euphorie nicht wirklich neu erfunden wird.

Donnacha Costello - Leaving Berlin (Lawrence Remix) by Poker Flat Recordings

Der Bulgare KiNK und Neville Watson zeigten schon auf ihren gemeinsamen Produktionen für Hour House Is Your Rush, dass sie im Chicago-Leistungskurs immer in der ersten Reihe gesessen haben. Ihr It’s What We Do-Remix lässt die analogen Maschinchen zu Beginn so glückselig säuseln wie Larry Heard zu besten Amnesia-Zeiten, bevor mit Claps und jackendem Bass der Druck erhöht wird.

Donnacha Costello - It’s What We Do (KiNK & Neville Watson Rework) by Poker Flat Recordings

Abgerundet wird die Platte vom Original von ‘It’s What We Do’, das alle glücklich machen sollte, denen die Discokugel auch auf der Afterhour nicht tief genug hängen kann und die das Vocal des Stücks ‘When times are hard you learn to sing, when times are hard you dance to your hard times’ nicht nur für den Moment verinnerlichen.