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SCRATCH’N’CUT - All Remix Everything

[via made-blog.com]

SCRATCH’N'CUT INTRODUCTION BY CURATOR LUKAS FEIREISS from MADE Blog on Vimeo.

Exhibition will be open to the public:

OCTOBER 28th – NOVEMBER 28th
Tuesday – Saturday
12 pm – 7 pm
Made - 9th Floor - Alexanderstraße 7 - 10178 Berlin

Interview: Apparat über The Devil’s Walk, Inspiration und Stadtflucht

Einer der interessanten Alben des Herbstes ist sicherlich The Devil’s Walk von Sascha Ring aka Apparat, der nun endgültig zur Band mutiert ist. Ob die Vergleiche mit Thom Yorke gerechtfertigt sind, muss jeder selbst entscheiden. Sicher ist aber, dass die Frickeleien arg zurückgegangen sind und einem sehr organischen Sound wichen. Damit landete er schließlich bei Mute Records, dass seinerseits wieder zum Indie mutiert ist. Live mit Band wird er am 2. November im Mousonturm/Frankfurt zu sehen sein.

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BTH: Wie kamst du als Produzent von Techno zu Akustik im weiteren Sinne?

Apparat: Ich lebe seit 13 Jahren in Berlin, habe mit Techno angefangen und irgendwann habe ich mich immer mehr für akustische Klänge interessiert. Anfangs hatte das mehr seine Begründung darin, dass ich die Sounds interessant fand, also ist jetzt nicht so, dass ich plötzlich auf Songs stand und Songwriter werden wollte. Es hat also produktionstechnische Hintergründe. Ich sehe mich eigentlich immer noch als Producer. Und auch wenn die Musik jetzt organisch klingt, werde ich weiterhin ein Produzent sein.

BTH: Legst du auch auf?

Apparat: Ich habe während meiner Rave-Jugend in meiner Heimat auf Technopartys in Russenbunkern aufgelegt. Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich gleich angefangen ruhigere Musik zu machen, als ich dann aus dieser Ravehölle raus war.

BTH: Die letzten Kollaborationen mit Modeselektor und Ellen Allien waren sehr basslastig. Wie kam es zum The Devil’s Walk mit seinem ruhigen Sound?

Apparat: Naja, das Ruhige hat schon immer so ein bisschen in mir rumgeköchelt. Es ist ja nicht so, dass die Songs alle in einem zweimonatigem Zeitfenster entstanden sind. Das ist schon ein Projekt gewesen, dass ich fünf Jahre mit mir rumgeschleppt habe. Dann kam zwischenzeitlich die Zusammenarbeit mit Modeselektor, die für meine Verhältnisse schon sehr clubmäßig war. Das hat mich dann nur noch mehr dahin gebracht, dass mein nächstes Album der Gegenpol dazu sein sollte. Einfach damit ich wieder was anderes mache und mich selbst unterhalte … damit mir nicht langweilig wird.

BTH: Weg vom Rave und hin zum …

Apparat: … aber ich habe gerade schon mit den Modeselektoren drüber geredet, dass wir nächstes Jahr anfangen an einer neuen Moderat-Platte zu arbeiten. Das war kein einmaliges Ding, sondern das ist unsere Zweitband. Das Projekt zu haben, gibt mir auch die Freiheit, mich bei Apparat noch weiter aus dem Fenster zu lehnen und Sachen zu machen, die ich früher nicht gemacht hätte.

BTH: Was auch cool ist, zwei Projekte zu haben, um zwei Seiten auszuleben.

Apparat: Genau. Ich mache wirklich ganz viel verschiedene Musik und irgendwann hat man dann Hemmungen, das alles zusammen auf eine Platte zu packen. Das hat natürlich immer mehr oder weniger gut funktioniert, aber wie gesagt, Moderat gibt mir die Freiheit bei Apparat noch akustischer zu sein. Und wirklich diese Songskizzen, die ich seit fünf Jahren habe, zu nehmen und daraus eine Platte zu machen.

BTH: Was hat dich an einer Band gereizt?

Apparat: Eine Band das einzige Konzept, wie man die Musik live darbieten kann. Wir hatten einen Plan für die Platte und einer der Punkte war, dass sich alles organisch anhören soll und wir auch eine ganze Performance von Anfang bis zum Ende einspielen – mit allen kleinen Ungereimtheiten, die die Sache interessanter machen. Am Ende bedeutet das, dass du das auf der Bühne genauso rekonstruieren musst. Und wenn du organische Musik machst, dann am besten mit Menschen. Dann gibt es den Fakt, dass einem das einfach was gibt, wenn man mit anderen Menschen auf der Bühne steht und von denen überrascht wird.

BTH: Dennoch klingt ihr nicht rockig, obwohl ihr eine Band seid.

Apparat: Das ist nur die Frage der Instrumentierung und bei uns sind es relativ klassische Instrumente. Wir haben anfangs immer gesagt, dass auf der Bühne kein Computer erlaubt ist, weil wir Angst hatten, dass der Computer die Kontrolle übernimmt und dann der Taktgeber ist. Dann macht eine Band keinen Spaß mehr, wenn sie nur noch mit dem Computer mitschwimmt. Allerdings haben wir auch gemerkt, dass viele Sounds nur mit dem Computer als Effektgerät realisierbar sind und das macht der Rechner jetzt. Das ist auch der Grund, dass es nicht so klassisch klingt wie eine Rockband.

BTH: Der Laptop als Tretminenersatz?

Apparat: Genau. Auf der Platte war es auch wichtig, dass der Computer nicht die Hauptsache ist, sondern nur ein Teil der Musik, der homogen in das ganze Konzept eingeflochten wird. So ist es auch auf der Bühne. Der Rechner spielt eine Rolle, die man nicht überbewerten sollte, denn wenn er ausfällt, können wir trotzdem das Konzert zu Ende spielen – und das ist wichtig.

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BTH: Wie habt ihr das geschafft, den Rechner im Produktionsprozess aus dem Mittelpunkt zu nehmen?

Apparat: Ich bin mein ganzes Leben lang immer ins Studio gegangen und habe dann losgejammt. Diesmal habe ich mich gezwungen, eine musikalische Idee zu haben wie simple Loops oder Melodieskizzen. Mit diesen bin ich ins Studio gegangen und habe dann erstmal gewartet, überlegt und den Rechner später ins Spiel gebracht. Am Ende wurde er zur luxuriösen Bandmaschine. Das hat nicht nur Soundgründe, auch der Arbeitsprozess macht mir kein Spaß mehr – es ist wie ein Bürojob.

BTH: Wurde das Album in Berlin aufgenommen?

Apparat: Die Hälfte haben wir in einem zweimonatigen Arbeitsurlaub in Mexiko aufgenommen. Wir haben uns zu viert ein Haus gemietet und haben da unter Idealbedingungen an der Musik rumgeschraubt. Das war echt toll. Dann sind wir nach Berlin zurück und haben dann in meinem Studio und in dem von meinem Co-Produzenten Nackt rumgedaddelt. Dann konnte ich drei Monate nichts machen, weil ich die Inspiration verloren habe und als die wieder da war, haben wir uns sehr diszipliniert und zum ersten Mal in meinem Leben richtig konzentriert und das Ding durchgewuppt.

BTH: Bist du dann wieder in alte Muster gefallen?

Apparat: Das Problem war andersrum. In Mexiko bin ich in alte Verhaltensmuster gefallen. Ich habe zwar viele tolle Sachen aufgenommen, aber ich habe mich auch ganz oft mit Laptop und Kopfhörer in die Ecke gesetzt und alles kaputt ge-effektet. In Berlin angekommen, bemerkte ich beim Anhören, dass ich mich von der akustischen Idee wieder entfernt habe. Das war deprimierend. Dann musste ich zurückrudern und bin ganz viele Versionen zurückgegangen und habe die Songs mit Nackt neu aufgerollt. Das Anstrengende war, nach 450 Arbeitsstunden in der Sackgasse gelandet zu sein.

BTH: Das Album klingt ruhiger und wirkt kompakt.

Apparat: Das war die Absicht es einfacher aufzuziehen und es nicht durch technische Spielereien aufwerten zu wollen …
BTH: … was oft schwierig ist …

Apparat: … man verläuft sich halt oft und hört den Song als Macher am Meisten und denkt, da muss was rein. Damit macht man aber viel kaputt. Das ist ein langer Lernprozess, den ich immer noch nicht abgeschlossen habe.

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BTH: In De:Bug stand, dass du keine Musik mehr machst, seitdem das Album fertig ist.

Apparat: Seit acht Monaten war ich nicht mehr im Studio und versuche mir Musik vom Hals zu halten. Denn solange ich in Berlin lebe, bin ich jeden Tag ins Studio gegangen. Das tolle daran ist, dass ich jetzt nach acht Monaten wieder eine Vision habe.

BTH: Was machst du stattdessen?

Apparat: Ich fahre mit meinem Motorrad durch Mecklenburg-Vorpommern und gucke mir Wälder an, klettere auf Berge und in so einem Moment ist mir jüngst eine Idee gekommen und jetzt habe ich wieder Bock Musik zu machen. Das ist ein toller Moment.

BTH: Deine oder die von Moderat?

Apparat: Sagen wir mal beides, aber die Idee ist zu unausgegoren, um darüber zu sprechen. Es war einfach mal wieder das Gefühl eine Inspiration zu haben. Am liebsten wäre ich auf mein Motorrad gesprungen, nach Berlin gefahren, um am Computer eine Skizze aufzunehmen.

BTH: Oder du schreibst ein Buch wie Moritz von Uslars „Deutschherbst“.

Apparat: Bei mir hat das nichts mit Leuten zu tun. Ich fahre raus, um von den Menschen wegzukommen.

BTH: Zurück zur Natur?

Apparat: Wenn man so ein Leben führt wie als Musiker, ist man die meiste Zeit von Leuten umgeben, auf Tour, in Interviews und Meetings. Und so versuche ich rauszukommen, um mit mir allein zu sein.

BTH: Denkst du, die musikalische Entwicklung bewegt weg vom Club oder doch nicht?

Apparat: Ich glaube nicht. Clubmusik hat eine totale Daseinsberechtigung, weil Techno einfach am besten in einem Tanzschuppen funktioniert. Nicht umsonst war es eine Revolution und der Sound wird sich geringfügig weiterentwickeln. Ich sage oft, dass mich Clubmusik nicht sonderlich interessiert. Aber wenn ich wieder im Club stehe und in der richtigen Stimmung bin, dann weiß ich ganz genau, warum diese Musik so klingt und warum sie so einfach und funktional ist.

BTH: Das war jetzt nicht negativ gemeint. Nach 20 Jahren Techno ist man ja auch weniger begeistert.

Apparat: Ich erwische mich halt oft, wie ich abfällig sage: „Techno langweilig, mag ich nicht.“ Manchmal meinen Interviewer dann, Apparat hasst Techno. Das stimmt nicht. Ich bin 33 und gehe nicht mehr in Clubs. Mir steht nicht der Sinn danach, zwölf Stunden im Berghain abzuhängen.

BTH: Ab und an zehn Stunden Berghain macht auch Spaß.

Apparat: Stimmt, aber vor allem muss ich nicht den Soundtrack dazu produzieren, weil mir einfach nichts Neues mehr dazu einfällt – wie auch den meisten anderen. Das ist halt die Tragik daran zur Zeit.

BTH: Deswegen spielen Klock und Dettmann auch runtergepitchte 90er-Platten.

Apparat: Würde ich wahrscheinlich auch machen…

Apparat
Fotos: Constantin Falk
Hören und Kaufen

monochrom’s ISS - In space no one can hear you complain about your job

Oft haben wir sie am Rande erwähnt, doch nie in voller Gänze vorgestellt: Die Künstlergruppe monochrom aus Österreich und Deutschland, die sich mit den folgenden Worten gut selbst einführt:

monochrom ist durchaus eine international agierende, in wien, graz und bamberg situierte kunstneigungsgruppe, seit etlichen jahren umtriebig, mit diversen volontariaten in zahlreichen realitäten

Momentan sind Teile der Gruppe (Johannes Grenzfurthner, Franz Ablinger, Roland Gratzer) in Berlin um die letzte drei Teile der Improv Reality Sitcom ISS aufzuführen.

Die Improvisation beruht auf der Annahme, dass das Arbeiten und Leben auf der International Space Station die Teilnehmer nicht nur vor schwierige wissenschaftliche Herausforderungen stellt, sondern auch private Katastrophen und haarsträubende Psychodynamiken provoziert. Die vier Schauspieler müssen auf Überraschungssituationen reagieren die lose auf geleakten Daten der tatsächlichen ISS basieren. Ein Fakt, der allerdings auch gerne bezweifelt werden darf.

Es braucht ein paar Folgen bis man die Crew um den Redneck Captain Ulysses Van Hundsbak (Jeff Ricketts) aus Amarillo, Texas ins Herz geschlossen hat, aber dann gerät die Sitcom zu einem furiosen Vergnügen, das seine Vorbilder durchaus bei alternativen SF-Serien wie LEXX, Torchwood oder Firefly findet. Bei letzterer hat Darsteller Jeff Ricketts auch tatsächlich mitgespielt.

In jeder Folge stellt der deutsche Dipl.-Ing. Bodo Holzmann (Johannes Grenzfurthner) von ESOC Ground Control in Darmstadt die Crew vor schwierige Aufgaben, die diese in der Regel nicht lösen kann. Um das Versagen zu verarbeiten steht den Austronaut_innen der jüdische Psychologe Dr. Mordecai Finkelstein (Roland Gratzer) zur Verfügung, dem in Episode 4 eine kühne Mission gelingt.

monochrom’s ISS / Episode 4 / “Rendezvous with Ramov” from monochrom on Vimeo.

Spätestens nachdem Dr. Finkelstein den russischen Mafiosi Ramov mit einer AK-47 überwältigt, als er vom Mittagessen in einem palästinensischen Restaurant in Darmstadt zurückkehrt (da die ESOC-Kantine kein koscheres Essen serviert), zeigt die Sitcom ihr volles Potential: Science Fiction als Genre-Blaupause um einen aufgeklärten Kommentar zur Jetztzeit abzugeben, der von den thematischen Sachzwängen der sogenannten Realität befreit ist. Dr. Finkelstein gewinnt in Ramov einen wichtigen Verbündeten der Israel Defense Forces und verrät am Schluß seine persönliche Philosophie: Shalom Motherfucker

Die letzten drei Folgen werden am 27., 28. und 29. Oktober im Ballhaus Ost aufgeführt (und teilweise gefilmt).
Karten gibt es hier.
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Die schon abgedrehten Folgen von monochrom’s ISS gibt es hier.

Platte des Tages: Soulparlor - Evoluzion [Tokyo Dawn Records TDR11-003]

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Seit nunmehr 13 Jahren feiern die Mainzer Soulparlor ihre regelmäßigen Partys im Mainzer Red Cat. Unter dem Motto “You move nothing, if you don’t move yourself” hatten sie wohl schon jeden zu Gast, der sich mit Deep-Broken-Phusion-Soul beschäftigt. Auch ihr zweites Album Evoluzion (Noiz U Love) klingt, als ob sie jeden Gast-DJ gleich nach dem Set mit ins Studio nehmen, um eine Session aufzunehmen.

Mit Colonel Red, Stan Smith, Raziel Jamearah, Cecilia Stalin hat sich das Dreiergespann die Gäste geholt, mit denen dem gesamten Genre wieder frisches Blut injiziert wurde. Das klingt locker-trippig, bis hin zu wonky, mal langsamer mal schneller, aber immer mit Arschwackelgarantie. Dazu sind sie einfach auch zu erfahrene DJs, als dass sie die Leute mit ihren Drinks alleine lassen.

Tokyo Dawn Records

#fail: Martyn - Ghost People

Martyn Releases

Zugegeben: Nach der Red-Serie (Red. 1-3) von Dave Clarke Anno ‘94 und ‘95 war eigentlich alles über detroitige Chords gesagt. Um so schwerer wurde es, durch geschickte Setzung der Noten und dem Einsatz von Echo, Delay, Reverb und Velocity, aus diesem Sound noch einen Kitzel herauszuholen. Dieser schwierigen Aufgabe haben sich die Dubstep- und Dubtechno-Produzenten unserer Zeit gewidmet, mit immer wieder guten Ergebnissen.

Einer der das auch konnte (und in seinen Remix-Arbeiten auch immer noch kann) ist Martyn. Auf kaum ein Album hatte ich mich dieses Jahr mehr gefreut als auf Ghost People und wurde bitter enttäuscht.

Während Great Lengths eins der Alben des Jahres 2009 war, ist Ghost People die Enttäuschung des Jahres 2011. Damals schrieb ich über Great Lengths:

Martyn importiert auf Great Lengths immer genau ein Stilmittel-Setup pro Track, seien es Chicago-typische Handclaps und mittige Snares, sowie Casio FZ-1 artige Mikrosamples in Elden St., Dave Clark Synth-Stabs in Vancouver oder Tribaldrums in Is This Insanity?.

Ähnliche Elemente findet man auch auf Ghost People, doch die Magie des Vorgängers ist vollständig abhanden gekommen. Chords, 909-Drums und Arpeggios wirken uninspiriert aneinandergereiht, so als habe hier einer einen Aufguss seines Erfolgsrezeptes versucht. Der Titeltrack ist biederster Chord-Einheitsbrei und Alldayallnight klingt wie eine besser gemasterte DJ International-Platte von 1989. Eher Regression als Reminiszenz. Die militärischen DJ Skull-Snares in Horror Vacui machen in der Tat Angst: Angst vor der Leere seelenloser Dubstep-Produktionen.

Nicht alles ist schlecht auf Ghost People: Popgun rast mit einer groovenden Bassline nach vorne und erweckt alte Public Enemy-Essentials wie den Terrordome-Guitar Lick und Chuck D-Stöhner wieder zum Leben. Twice As groovt ganz amtlich und We Are You In The Future klingt so wie ein moderner Global Communication-Track. Von Martyn hätte ich allerdings mehr erwartet, zumal in der illustren Labelnachbarschaft vom Brainfeeder-Label. Bleibt die Hoffnung auf bessere Remixe. Von Martyn selbst und von den Tracks des Albums.

Martyn - Popgun by 3024world

New Media Art: Transborder Immigrant Tool

Das Transborder Immigrant Tool (TBT) ist eine frei erhältliche GPS-Applikation für sogenannte Burner Phones (billige Einweg-Handys). Es bietet High-End-Technologie für einen Spottpreis und soll illegale Grenzübergänge über die mexikanisch-nordamerikanische Grenze erleichtern.

[via furtherfield.org]

Hintergrund der Aktion ist der Fakt, dass ein paar NGOs wie Water Stations Inc. oder Border Angels eine Netzwerk von Wasserbehältern in der Imperial Valley Wüste, dem Anza-Borrego Park und den umgebenden Regionen errichtet haben. Dies war eine Antwort auf zahlreiche Hitzetode von illegalen Einwanderern auf ihrem Fluchtweg in die USA. Das TBT, ein Projekt des Electronic Disturbance Theater 2.0 aus San Diego und dem b.a.n.g. lab, soll nun die Auffindbarkeit dieser lebensrettenden Behälter erleichtern.

Die Implikationen der Aktion sind zahlreich: Durch die Verwendung eines unter 20 Dollar teuren Einwegtelefons haben die Aktivisten ein Notfall-Navigationssystem für arme Bevölkerungsschichten geschaffen und somit die vielbeschworene digitale Revolution auf die Strasse getragen. Zum Betreiben des Systems braucht man weder eine SIM-Karte noch eine Mobilfunknetz. Benutzt wird nur der kostenlose GPS-Service der US-Regierung, was an sich schon den Tatbestand des Culture Jamming erfüllt.

[via furtherfield.org]

Part of the TBT project is to call into question the northern cone’s imaginary about who has priority and control of who can become a cyborg or “trans” human – and immigrants are always presented as less-than-human and certainly not part of a community which is establishing and inventing new forms of life.
Ricardo Dominguez, EDT 2.0

Wenn man die Rede von der “Digitalisierung” der Welt schon ernst nimmt, so argumentieren die Aktivisten, dann darf man auch auf die darin implizitierten Ideale von Freiheit und Emanzipation hinweisen. Technologie ist nie neutral, schon gar nicht wenn ihre Anwendung auf eine nordamerikanische und europäische Techno-Elite beschränkt ist. “Globalization”, sagt Ricardo Dominguez im Furtherfield-Interview “is-borderization” und ruft uns so ins Bewusstsein, dass die Grenzen zwar für Produkte und Dienstleistungen offen sind, aber eben nicht für Menschen. Der Widerspruch einer Welt die globalen Austausch fordert und gleichzeitig aggressive soziale Filter implementiert.

Das Transborder Immigrant Toolist ein kleiner konzeptueller Schritt auf dem Weg politische Hohlphrasen wie Transparenz, globales Dorf und Information Superhigway in eine ernsthafte Chance für alle Menschen zu transformieren.

Der Code der Applikation steht für alle möglichen Anwendungen auf walkingtools.net zum Download bereit.

Frisch gediggt: Dnte - Wake Me Up EP [Resistant Mindz]

Das verheissungsvolle Leipziger Hip-Hop Label Resistant Mindz hat nach dem Rapper Soul Mad einen weitere Newcomer am Start: Den ungarischen Beatproduzenten Dnte aka Norbert Kasai aus Berlin.

Dante poduziert harte Hip-Hop-Texturen mit altbekannten Elementen wie electroiden und atmosphärischen Synthlines und frischen Zutaten wie Violine, Gitarre und Viola, zum Teil live eingespielt.



Dnte EP Snippet “Wake me up” by RM RECORDZ

Das Album gibt’s als Name-Your-Price-Release auf bandcamp.com und ein paar weitere Tracks hier.