Ralf Hildenbeutels und Sven Weisemanns Alben waren an sich schon eine Offenbarung. Der Spanier Bosques de mi Mente toppt das Level der beiden jedoch um ein vielfaches. Solch verschrobene Klassik, die auch gerne mit Minimal-Musik oder Tape-Musik vermischt wird, kam mir bisher höchstens bei Aphex Twins ‘Avril 14th‘ unter.
Auf Lo-Fi, seinem 2008er Werk (erschienen unter CreativeCommons auf Clinical Archives) wechseln sich die Stücke in spielender Leichtigkeit ab. Manchmal dürfen es auch ein wenig Schlagzeug und Umweltgeräusche sein, die dann wieder durch eine ungemeine Sanftheit abgewechselt werden.
Höhepunkte sind sicherlich die beiden Tracks zu den geposteten Videos. In Ersterem wird die Melodie, die stundenlang so weitergehen könnte von metallisch-ziependen Geräuschen getragen, die den enormen Reiz ausmachen, während im Zweiten ein Meeresrauschen die Gleitfunktion übernimmt und mit den schönsten Walgesängen seit ‘Remember Exxon Valdez‘ unterlegt wird.
Insgesamt ist LoFi ein Ausnahmealbum, das man jedem CreativeCommons-Skeptiker empfehlen kann, um die Qualität von “verschenkter Musik” unter Beweis zu stellen.
Wieder so ein geheimnisvolles Whitelabel vom Paul-Lincke-Ufer, das, mit einem einfachen Stempel gespickt, die ganze Welt bedeuten kann. Shed ist zur Zeit einfach unschlagbar, wenn es um klassischen Hardwax-Techno geht. Auf der A tummeln sich unter dem Schieber-Beat orgelartige Chords, die im Set bloß nicht zu früh eingesetzt werden sollten. Besser nachdem die erste Euphorie nachlässt. Ein wenig Übermüdung sollte dabei sein, um den Track richtig zu spüren.
Mit mehr Tribal, weniger Schub und verspulten Random-Chords zieht es die B noch weiter in die Nacht rein. Erinnert an alte Tresor-Scheiben, die immer die verpeiltesten Momente ins Vinyl ritzten und in denen der Sound alles regelt. Einen dicken Groove braucht es dazu nicht mehr.
Der meistgelesene Post auf realvinylz.de ist eine Partyankündigung von brdBA$$$ formerly known as Berlin Basss vom Mai 2008. Weißgott warum 4809 Leute immer wieder eine alte Partyankündigung klicken, aber der dieswöchige Mixtape Saturday trägt diesem Umstand mit einem Mix von Robert Defcon aka Splatterdandy aka eine Hälfte von A.M.T. Rechnung.
Wem die basslastige Hyperaktivität der mit brdBA$$$ assoziierten Künstler, die geballte Ladung Laser absondernder Analog-Synths, Dubstep infiltrierter HipHop und zerlegte Breakbeats gefallen, der kann sich hier die Compilation BASSS Brains feat. Roots Manuva, Terry Lynn, Puppetmastaz, Yo! Majesty, Robot Koch, Lexie Lee, A.M.T, Marsimoto, Jahcoozi etc. bestellen…
Robert Defcon - Fritz Radio Mix 02.12.09
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Auf dem Plattenteller liegt Millions Now Living Will Never Die von Tortoise und dreht sich. Die Platte müsste ich mir so im Jahre 1996 gekauft haben, wenn ich mich recht erinnere. Ich weiß noch, daß ich mich damit nach einer durchzechten Nacht zu einer Freundin geschleppt - die Platte hatte ich die ganze Nacht mit mir rumgetragen - und sie ihr zum Geburtstag geschenkt habe. Ich trug eine karierte Homeboy-Stoffhose, es war Sommer, ich war extrem entspannt, leider fanden die Beschenkte und ihr Freund die Platte nicht so toll.
Teile dieser Platte habe ich dann im Oktober diesen Jahres in einem Theaterstück in Altenburg unerwartet wiedergehört: ‘Die Nibelungen’ von Hebbel in einer Neuinszenierung von Amina Gusner und Anne-Sylvie König. Dazu Chicago-Postrock. Diese Platte ist einfach zeitlos. Zeitlos in dem Sinne, dass sie nie voll eingeschlagen ist - wiewohl sie Tortoise irgendwie weltbekannt gemacht hat - aber immer noch in einem Teil meines Bewusstseins weiterlebt. Bei jenem Theaterstück sind sofort tausende von Erinnerungen und Emotionen angetriggert worden.
Auf einem Tortoise-Konzert in der Kantine in Köln war ich mal rotzeblau und mein Kumpel Öpi und ich haben die Xylophon(!)-Passagen laut mitgegrölt. Das war zu Zeiten des Albums TNT und ich glaube wir haben die gediegenen Tortoise-Fans etwas irritiert. Tortoise und Tocotronic gehören übrigens zu der handvoll Bands die mir überhaupt mal ein Live-Konzert wert waren.
Auf dem hinteren Teil des ersten Viertels der ersten Seite läuft jetzt gerade eine verlangsamte und dadurch irgendwie ‘gedubbte’ Version des Eingangsstücks. Ist es eigentlich ein Verlust, dass man in den Zeiten von Digital-Downloads nicht mehr den physikalischen Ort eines Musikabschnitts innerhalb eines Gesamtwerkes angeben kann?
Auf der zweiten Seite - wieder so ein selten gewordener Terminus - befindet sich das dynamikverliebte Nicht-Song-Stück Glass Museum bei dem mich meine Mutter mal gefragt hat, ob das unsere Band sei, die das spielt. Ob sie weiß, dass ich weltberühmt wäre, wenn dem so wäre? Oder sind Tortoise maßlos überschätzt und meine Mutter ist die Einzige die es gemerkt hat? Oder hält sie mich heimlich für ein musikalisches Genie?
Den Muckerpart in ‘Glass Museum’ hätten sich Tortoise allerdings sparen können, er zerstört die Atmosphäre die die dekonstruktivistischen Songruinen vorher und nachher schaffen. Irgendwie klingt der Part wie ein letzter Aufschrei des Muckertums gegen die körperlose Gravität des Postrock. Insofern markiert Millions Now Living Will Never Die immer noch den Beginn einer Epoche die von Anfang an keine werden wollte.
Millions Now Living Will Never Die klingt wie eine Rundfunksendung aus dem All, bei der die Gitarrensounds an den scharfen Kanten von unzähligen Satelitten vorbeigeschrammt sind und dadurch zu einem nicht-essentialistischen, seiner Zeichenhaftigkeit beraubtem, reinen Sound geworden sind. Kein Blut, kein Schweiß, keine Tränen. Man kann eben nach Jimi Hendrix kein Gitarrenvirtuose mehr sein. Zumindest nicht im Diskurskontinuum von Tortoise. Tags:chicagoDiggin' The Cratesmillions now livingpostrockTNTtortoise
Heute bin ich withoutfields alpha-Follower. Ich hoffe, dass pEtEr es mir nachsieht, zumal dieser Blog immer noch auf seinem Server läuft und der Anlass es mehr als rechtfertigt:
Der Mixtape Saturday mit einem taufrischen, einem abgeguckten und einem wiederentdeckten Mix:
Der Berliner DJ und zweifacher deutscher ITF Champion Marc Hype ist mit seiner musikalischen Vision von Funkbreaks und Old School Hip Hop seit jeher umtriebig und hat im Berlin Mitte Institut zusammen mit Mondee und DeJoe eine HipHop-Special-Sendung samt 40-minütigem Interview über u.a. die Gemeinsamkeiten zwischen HipHop, House und Techno aufgenommen.
DJ UMB aus Birmingham hat Anfang November einen chinazentrierten Dubstep-Mix mit folgender ‘Entschuldigung’ kompiliert:
I just noticed that I had collated a batch of Dubstep tracks with a Far Eastern flava, Chinese and some Japanese and so I thought, why not, a Dubstep mix with Chinese inflexions… via generationbass.com
Und da ich mich gerade soviel mit MashUp, Collage, Zitat und der angrenzenden Rechtsdebatte befasse, habe ich mit grosser Verzückung noch den mit sanfter Hand und Präzision zusammengeklebten Welcome To My World-Mix von Colatron von meiner Festplatte zu soundcloud befördert. Sehr Burial-lastig, sehr britisch irgendwie (vielleicht auch nur wegen Bloc Party und Lady Diana) und vor 6 Wochen schon mal auf KFMW gewesen. Reminder.