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In The Mix: Dale Kómeme! Chusma & Fauna - Live/Impro.

Einmal im Jahr packt mich die Lust auch mal ganz andere Musik zu hören als gut abgehangene elektronische Beats mit unterschiedlichem Funk-, Soul-, Jazz, Techno-, Dubstep- oder Wonky-Grad. Und gerade im Winter steigt die Sehnsucht nach tropischen Klängen. Im letzten Jahr traf es die furiose Banana Clipz EP und auch diesmal geht es – über das Neuköllner Label Chusma Records und das DJ-Kollektiv La Chusma – nach Südamerika, genauer: nach Argentinien.

Dale Kómeme! Chusma & Fauna - Live/Impro. Canibal Negro, Tío Chango, Mono Azul & Kid Watusi by Chusma Records

Fauna (Canibal Negro and Mono Azul) came direct from Argentina to improvise a party in the studio of La Chusma Records… Between friends, cold biers and more… the result was 100% Bomb!!! Here a taste of it! Canibal Negro, Tio Chango, Mono Azul & Kid Watusi on the decks…

Angenehm wenig Weltmusik, dafür umso mehr Worldtronic, wie sie auch das gleichnamige Mini-Festival am vergangenen Wochenende präsentierte, auf dem ich La Chusma entdeckt habe. Das junge Label Chusma Records wurde von den beiden DJs und Produzenten Steen Thorsson aka Tio Changó und Łukasz Tomaszewski aka Don Chicharrón gegründet. Beide arbeiten seit Jahren in der Berliner Club- und Kulturszene mit dem DJ Kollektiv La Chusma.

Das Label Chusma Records ist das Ergebnis ihrer Verwurzelung in der lebendigen Worldbeat-Clubszene, die rund um den Globus entstanden ist. Die Idee: Ein in Berlin ansässiges Label, welches sich dem Sound der „urban tropical music“ verschreibt und exotische Breaks und Beats der neuesten Stunde vorstellt. Gleichzeitig sollen rare und groovige Klassiker der 60er und 70er Jahre aus Latin America veröffentlicht werden. Abgerundet wird der zukünftige Katalog mit Veröffentlichungen eigener Remixe und Kompositionen der beide Labelgründer Tio Changó & Don Chicharrón!

Vintage-Mix: Frankie Knuckles 1981 aus dem Warehouse

warehouse 1981

Damals in Chicago, als alles begann. Nicht nur für Geschichtsinteressierte. Die 303 war noch in der Planungsphase und der Discowind fegte noch gehörig nach. Slowmotion-Exzess sozusagen.

Frankie Knuckles Live @ The Warehouse, Chicago - 28-08-1981 - Side A by R_co

via De:Bug

Feature: 20 Jahre Overdrive Records / Andy Düx

20 Jahre und kein bisschen leise

Dass Mainz mit Overdrive Records das älteste noch aktive Technolabel hierzulande beherbergt ist eine Sache. Dass dessen Betreiber Andy Düx seit 30 Jahren DJ ist, eine Andere. Doch würde es ihm im Traum nicht einfallen, dies groß zu verkünden. Ausgestattet mit einer guten Portion Understatement, Gelassenheit und Humor, wirkt er als DJ frischer denn je. Als Gastgeber zum Auftakt der 20 Jahre Overdrive Clubtour Mitte März im 50Grad feuerte er das Publikum ebenso an wie seine DJs und ließ sich auch nicht durch einen defekten Kopfhörer aus der Ruhe bringen, den er zwischen den Übergängen McGyver-mäßig reparierte.

Ein echter Raver und Mainzer halt. So gerät er immer wieder in lustige Situationen:

„Letztes Jahr war ich gerade mit meinem Set fertig, als ein Mädel auf mich zukam und fragte, ob ich vor 20 Jahren im Limburger Easy aufgelegt hätte. Ich schaute sie an und meinte, dass sie das mit ihren 18/19 Jahren kaum erlebt haben dürfte. Daraufhin sagte sie, dass es ganz witzig sei. Denn damals fuhr ihre Mutter auf mich ab und heute sie, als ihre Tochter … auch nicht schlecht, oder?“ (lacht).

Doch provoziert er diese auch selbst. Wenn er etwa stolz die selbstgebastelten Fastnachtskostüme seiner Kids präsentiert und, mit aufgesetztem Pappmascheehelm und Hand auf der Brust, den Gladiator mimt oder mit seinem neuen Podcast (Overdrive Podcast 003), der mit einer musikalischen Hommage an den Rhein beginnt, bevor straighter Techno einsetzt. Und besucht man ihn in seinem Platten- und DVD-Laden ‘Overdrive Entertainment Store’, muss man keine Angst vor einem autoritären Geschmacks-Gralshüters haben, sondern bekommt seit 1992 neben feinstem Techno immer auch gute Unterhaltung geboten.

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Dabei hat alles eine Dekade früher mit dem Gewinn eines DJ-Wettbewerbs angefangen, bevor er diverse Residencies inne hatte und über das Produzieren ein Label gründete:

„Zusammen mit Udo Niebergall habe ich damals Musik gemacht und es war total hip ein eigenes Label zu haben. Und dadurch, dass ich Resident im Dorian Gray war, bot uns jemand an, sein Tonstudio in Darmstadt zu betreiben. 1991 gründeten wir das Label, um unsere eigenen Tracks zu veröffentlichen, bevor dann andere Produzenten auf uns zukamen.“

Inzwischen sind daraus 180 Veröffentlichungen geworden und Overdrive diente vielen Artists als Sprungbrett ­– wie Tom Wax, Norman Feller (aka Terry Lee Brown Jr.), Daniel Stein­­berg, Mark N.R.G.

Ausruhen will er sich deshalb nicht:

„Seit Anfang des Jahres ist Sophie Nixdorf mit im Boot und wir betreiben das Label gemeinsam. Vinyl wird es weiterhin geben, aber auch digitale Releases auf Whatpeopleplay. Als Tourspecial erscheint demnächst eine neue Compilation mit zwölf Stücken unserer Artists, von denen die besten sechs auf zwei Vinylsingles ausgekoppelt werden.“

Verändert hat sich auch vieles im Geschäft:

„Früher habe ich um 11 Uhr den Laden aufgemacht und da standen schon 20 Teenies davor, die Schulpause hatten. Heute reicht es auch, wenn um 14 Uhr geöffnet wird. Momentan sind die Geschäfte sehr stabil. Der Vinylmarkt geht nicht mehr weiter zurück. Und wenn es so bleibt, bin ich zufrieden.“

Business ist wichtig, das Umfeld aber auch. Besonders die Stadt:

„Ich finde Mainz klasse. Nicht zu groß, nicht zu klein. Wenn es so wäre wie in Berlin, wo man auf dem Weg zum Bäcker in zehn Minuten 35 DJs trifft, obwohl man nur in Ruhe frühstücken will, wäre mir das zu krass.“

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Wer so aktiv ist, braucht schon einen guten Ausgleich zum Nachtleben. In erster Linie ist dies ein fast schon ’spießiges’ Dasein mit Haus und Familie:

„Ich habe zwei Kinder und das ist für mich ein ganz anderer Bereich, die Familie tut mir sehr gut. Ich trenne das auch strikt. Sobald ich hier die Tür rausgehe, führe ich ein anderes Leben, sozusagen ein Doppelleben.“

Einzig die Fitness wird im Nachtleben eher einseitig bedient:

„Beim Feiern immer nur die Hand zu heben ist ja okay, aber man muss sich auch mehr bewegen, deswegen besuche ich inzwischen einen Fitnesskurs“ (grinst).

Overdrive (Laden & Label)
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Elisa Biscotti

JJ’s Ambient-Überblick 2011

Nachdem in den letzten Jahren so ziemlich jedes elektronische Mikrogenre irgendwo sein Comeback gefeiert hat und dabei neben nostalgischer Abkupferei auch viele neue Impulse gesetzt wurden, könnte 2011 das Jahr von Ambient sein. Klar, Ambient war eigentlich nie weg, man denke etwa an die Produktionen eines Brock van Wey. So viele gute Ambient-Alben wie in den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es aber schon lange nicht mehr.

Spannend ist dabei, dass viele Produzenten sich nicht mehr nur an den viel zu oft zitierten Vorlagen wie Brian Eno oder Wolfgang Voigts Gas abarbeiten, sondern gemäß der von Finn Johannsen ausgerufenen Devise “Vorwärts immer, rückwärts immer” die Vorlagen um neue Akzente bereichern.

Der offensichtlichste Kandidat ist natürlich Sven Weisemann mit seinem Desolate-Projekt. Dass The Invisible Insurrection vor allem Burial-Vergleiche ausgelöst hat, ist ein nachvollziehbarer Reflex: Die klapprigen 2-Step-Rhythmen, das Rauschen, die spukigen Vocalfetzen, die hypnagogische Grundstimmung - alles wie beim Londoner. Seine Eigenständigkeit bewahrt Desolate aber durch die dezenten Pianotupfer, die die Düsterheit aufbrechen und hier viel besser zur Geltung kommen als auf Weisemanns reinem Klavieralbum Xine, das mir auf Dauer doch etwas zu eintönig war.

Düster ist auch ein Stichwort, das auf Tim Heckers neues Album Ravedeath, 1972 zutrifft. Hecker ist schon seit Jahren in seinen Platten auf dem Chicagoer Postrocklabel Kranky auf der Suche nach dem perfekten Cinemascope-Drone. Dabei war er für mich gegenüber Fennesz immer unterlegen, weil zu gediegen, man könnte auch sagen zu brav. Auf Ravedeath, 1972 kündigt schon der Titel einen Wechsel an: Endlich wagt sich Hecker aus dem Ungefähren heraus und riskiert mehr Abwechslung, mehr Unmittelbarkeit, vielleicht auch mehr Verwirrung. Die Synths im Opener ‘The Piano Drop’ jammern wie beim 70er-Ambient-Pionier und Deleuze-Freund Richard Pinhas. Überall schwirren kleine Melodien durch die Luft und werden von Noisepassagen wieder zerstört. Statt in die Akustiktapeten-Falle zu treten wie es bei Ambient leider zu oft passiert, fordert das Album einen aufmerksamen Zuhörer und gewinnt damit auf ganzer Linie.

Weniger Wagnis, dafür umso mehr Perfektion des Bewährten gilt dagegen für die neue Ausgabe von Kompakts Pop-Ambient-Reihe. Wobei mit Blixa Bargelds Monolog zu Alva Notos sakralen Orgelklängen in ‘Bernsteinzimmer’ durchaus auch ein Wagnis dabei ist. Ansonsten zeigen sich altbekannte Protagonisten wie Marsen Jules, Bvdub, Thomas Fehlmann und Jürgen Paape von ihrer besten Seite.

Das kann man leider nicht ganz von der kürzlich auf Ghostly erschienen Compilation SMM Context sagen. Die Tracklist liest sich mit Namen wie Goldmund, Peter Broderick, Svarte Greiner oder Leyland Kirby sehr vielversprechend, leider wird man aber den Eindruck nicht los, dass es sich nur um eine Zusammenstellung uninspirierter B-Ware handelt. Aber eine kleine Enttäuschung muss drin sein, dass Ambient-Jahr ist schließlich noch jung.

Charts 2011/02

fünf

Schon lange nicht mehr gemacht und die Reihenfolge hat nichts zu sagen ;)

01. Len Faki - Kraft und Licht [Ostgut]
02. The Advent & Industrialyzer - Complex Data [H-Productions]
03. Jerome Sydenham - Amp [Drumcode]
04. Fiedel - Doors to Manual [Ostgut]
05. Soulchef - Remember when [Kitchen Dip]
06. Camouflage - Love is a Shield
07. Sandwell District - Grey Cut Out [Sandwell District]
08. James Ruskin & Mark Broom - Erotic Misery
09. Cold - Strobe Light Network [Elektrolux]
10. The Analog Roland Orchestra - Timespaceroom [Polymorph]
11. Modern Amusement - Cold as Ice [No19 Music]
12. Simon Li - Hong Kong, Akufen Remix [Humming Bird]
13. Cosmic Cowboys - Masters of Nothing, Suedmilch Remix [Pour le Mérite]
14. Rino Cerrone & Mark Antonio - Junction Hands [Drumcode]
15. Joell Mull - Arriving [Truesoul]

Skacid

Skacid ist wahrscheinlich das kurzlebigste Genre der Welt und bezeichnet einen kleinen Ausflug von Ska in die House-Music zwischen 1988-1989. Wie der beknackte Name schon sagt, ist es eine Mischung aus Ska und Acid. Geschaffen wurde der Name in dem Track Mental Ska von Longsy D, als Bezeichnung für den neuen HipHop-Reggae-Style. TR-909-Percussions, oft ein toastender MC, eine Sequenzer-Horn-Sektion und manchmal TB-303-Basslines.

Der Breakbeat wird durch einen hochgepitchten Reggae-Riddim ersetzt, beispielweise haben Double Trouble & The Rebel MC auf Just Keep Rockin’, das Intro von Mr. Big Stuff von Jean Knight benutzt.

Rebel MC steuert ausserdem einen wertvollen weiteren Teil meiner Reihe fulminante Auftritte von DJs/Produzenten in Chartshows bei:

Rebel MC - Street Tuff “Live”
Street Tuff [Vinyl]
Rebel Music [Vinyl]

Die vermutlich einzige Skacid-Compilation ist Ska Beats 1 (sic!) auf Beechwood Music. Der aktuellste mir bekannte Skacid-Track ist Brom aka Wolfgang Voigt mit Jazz/Ska auf Kreisel 99.

L.D.JAM INC. - Uptown Dub

Tracks des Tages: Bandulu & Mr. Barth

Heute keine Platte des Tages, sondern einfach drei Tracks, die ich während des Omen-Abschieds hörte und fortan zwölf Jahre brauchte, bis ich gestern dank eines Facebook-Zufalls drauf gekommen bin.

Nachdem sich Väth seinerzeit gut einen abgeschreddert hat, kam ein Break und das Frankfurter Geknüppel mit den Terror-HiHats verwandelte sich in eine jamaikanische Fußballwiese (ohne die dazugehörige Homophobie) mit friedlichster Sonnenuntergangstimmung: Bandulu, die das Reggeatechno-Pendant zum Dubtechno des Basic-Channel-Umfeldes darstellen und nebenbei auch noch besser, tanzbarer und vor allem melodischer produziert und gleich zweimal hintereinander vertreten sind.

[Bandulu - Running Time, 1995]

Eine sommergefilterte Melodie, ausgelassene Grundstimmung in einer rough produzierten Hülle mit der nötigen Schmutzigkeit fängt nach knapp zwei Minuten an zu springen, wie das kleine Kind, das zum ersten Male eine Hüpfburg entdeckt. Fröhlich ausgelassen und der perfekte Übergang zum nächsten Stück.

[Bandulu - Isn't it Time, 1997]

Richtig gediegen und bekifft geht es wieder weiter mit Bandulu. Reggae mit Gesang, aber kein Roots, sachte auf einem Technobett getragen und ordentlich Echo zum Wegschweben.

[Mr. James Barth - Pay Me in Love, 1998]

Auf Mr. Barth aka Cari Lekebush kam ich dank T, bei dem wir Neujahr verbrachten und er es entsprechend der etwas müderen Stimmung zufällig auflegte. Im Originalset war der Track das erneute Zwischenstück zum Aufbruch. Noch verhallt-verhalten in den Vocals, stampfte der Bass wieder mehr vorwärts und bald darauf wurde weitergekloppt.

In dieser Kombination dürfte es wenig Besseres geben, zumal das während der Ausbildungszeit über Monate meine Feierabendmucke war.

Zum Set bei KFMW.