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Raw Series – Raw Series #01 [Raw Series, RWS01]

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Kleinvieh macht auch Mist. Denn wenn dann die Eichhörnchen im Herbst ihre Nüsse gesammelt haben, überstehen sie locker den Winter. Nicht zu einseitig die Ernährung? Wohl kaum, und wenn das in der Natur geht, dann auch in der Musik.

Das Konzept des Minimalismus wörtlich genommen und nach Detroit verfrachtet, macht man beim neuen Vinyl-Label Raw Series: “the concept: just a drum machine and a synth – pure analogue dj-tools!”, verrät der Promotext.

Als hätte man es nicht schon immer gewusst. “Enter the Wald”, statt “enter the void”. Zwischen der straighten 808 und dem Detroitchord zieht man sich in einen Strudel, der auch durch kein DMT ersetzt werden kann. Die B ist dann weniger straight und mehr Rumpelstilzchen im Beat. So muss ein Tool klingen … plus noch viel kalter Nebel dazu. Yeah!

Hören und Kaufen

Buchtipp: Anja Schwanhäußer - Kosmonauten des Underground

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[Anja Schwanhäußer: Kosmonauten des Underground. Ethnografie einer Berliner Szene. Frankfurt/New York: Campus 2010.]

In ihrer Ethnografie über den Berliner Techno-Underground, die auf Feldforschungen in den Jahren 2002-2005 basiert, beschreibt die Autorin eine Szene, die sie nach Bourdieu als neues Kleinbürgertum bezeichnet. Dieses kennzeichnet sich dadurch, dass es in der Stadt lebt und sich sowohl von der proletarischen als auch der Hochkultur abgrenzt. Statt dem Wunsch beruflich oder finanziell aufzusteigen und sich ins Private zurückzuziehen, steht eine hedonistische Lebensweise („Die Pflicht zum Genuss”) im Vordergrund und ein sich permanentes im Raum bewegen – so „führt die Fluchtlinie des neuen Kleinbürgertums nach unten und nach außen und wieder zurück“ (265). Das permanente Bewegen wird ebenso als Reiz empfunden, wie die auf Vergnügen ausgerichtete Lebensweise. Beide Verhaltensweisen bekräftigen in den Augen der Akteure die Einstellung, nicht zur Mehrheitsgesellschaft, zum Mainstream dazuzugehören.

Um in den Genuss zu kommen, dienen den Akteuren des Techno-Underground ungenutzte städtische Räume, die sie zu temporären Locations umgestalten um dort ihre Feste zu inszenieren. Und hier liegt auch die Besonderheit der Szene: Die Locations sind immer nur vorübergehender Natur. Sie werden erobert, genutzt und anschließend (mehr oder minder freiwillig) verlassen, um sich auf die Suche nach neuen Orten zu begeben. Dabei sind vor allem die atmosphärischen Qualitäten des Raums wichtig. Es handelt sich häufig um Gebäude aus DDR-Zeiten mit entsprechender Historie, in denen mit Licht und Musik gespielt wird. Auch kommt dem Moment eine besondere Bedeutung zu, da sich das neue Kleinbürgertum nicht festlegen will. Ihr Prinzip und „ihre Ordnung ist der [permanente] Wandel“ (261).

Allerdings ist der Begriff des Techno-Undeground für Außenstehende etwas verwirrend, handelt es sich doch nicht um die „etablierte“ Underground-Technoszene, die schon früh u.a. durch Gabriele Muri, Philipp Anz/Patrick Walder, Ronald Hitzler, Julia Werner und zuletzt Tobias Rapp erforscht wurde, sondern um Akteure, die sich vor allem der Hippie- und Punktradition verpflichtet fühlen. So entstammen viele der Hauptprotagonisten der Collectives aus der ehemaligen Hausbesetzer-Szene, die jetzt in Wagenburgen leben und verorten ihren Stil auch dementsprechend. Statt eines regressiven „Zurück zur Natur“ gilt bei den Punks „Zurück zum Beton“ wie es die Punkband S.Y.P.H. einst besang, während Rousseaus Ausspruch Leitmotiv für diejenigen ist, die sich der Hippiebewegung zuordnen. Dennoch ist beiden „Gruppen“ das Bestreben gleich, durch die Ästhetisierung des Alltags die „Trennung zwischen den Individuen zu überwinden“ (12).

Die Stärken von Schwanhäußers Ethnografie liegen einmal in der gelungenen Beschreibung der Akteure des Feldes. Dies ermöglicht dem Leser/der Leserin, sich in deren Situation hineinzuversetzen. Es lässt sich gut nachvollziehen, wie sie ihren Alltag strukturieren und aus welchen Motiven sie handeln. So werden einige der Hauptprotagonisten vorgestellt und ausführlich über ihren Lebensstil, ihre Kleidung, Drogenkonsum, Arbeit und „Partyverhalten“ berichtet.

Darüberhinaus gelingt Schwanhäußer im theoretischen Abschnitt des Buches eine eindrucksvolle Darstellung des Wandels der Stadt Berlin und der Gesellschaft im Allgemeinen. Es wird deutlich, wie stark sich inzwischen subkulturelle Werte in der Mehrheitsgesellschaft etabliert haben, bzw. wie nah beieinander Selbstverwirklichung und tendenziell antikapitalistische Einstellungen dem neoliberalen Paradigma des projektförmigen Daseins (in Anlehnung an Boltanski/Chiapello) sind.

Zudem legt Schwanhäußer dar, welche Bedeutung die Szene insgesamt für das Bild der Stadt und somit auch für Postadoleszente in ganz Europa hat, die bis heute in die Stadt strömen. So kann das Buch auch als eine Art Vorgänger von und Ergänzung zu Tobias Rapps „Lost and Sound“ (2009) angesehen werden. Wo es Rapp um die Beschreibung des explodierenden Rave-Tourismus durch „Easy-Jet-Raver“ in die etablierten Technoclubs geht, zeigt Schwanhäußer die Undergroundszene vor der massenhaften Internetnutzung auf, die – wenn auch unbeabsichtigt – einen Teil dazu beitrug, den Ruf einer Feiermetropole zu generieren.

Die eigentliche Musik wird, obwohl sie der Mittelpunkt und wohl auch Grund der Partys ist, in Schwanhäußers Dissertation, die diesem Buch zugrunde liegt, nur angestreift. So wäre es interessant zu wissen, was das Spezielle am Techno und seinen Varianten ausmacht, bzw. ob es nicht doch Analogien gibt, zwischen der Fluidität der Szene und dem Fluiden des DJ-Mixes, bei dem permanent Neues im Fluss des Übereinanderblendens mehrerer Stücke entsteht.

Die oft betonte Freiheit seitens der Akteure täuscht darüber hinweg, dass deren Lebenslagen häufig extrem prekär sind – nicht nur in finanzieller Hinsicht – und es sich hier eher um Selbstausbeutung denn -verwirklichung handelt. Viele der „normalen Raver“, die im Buch fast nicht beschrieben werden, da es sich größtenteils um die Macher hinter den Kulissen handelt, nehmen diesen Lebensweg als einen Fluchtweg vor anderen Problemen. Auch der massive Drogenkonsum, der aus eigenen Beobachtungen nicht nur aus Cannabis sondern auch aus Amphetaminen, Metamphetaminen und anderen Substanzen besteht, deutet darauf hin.

Resümierend betrachtet, gelingt Anja Schwanhäußer eine Ethnografie einer postmodernen Szene, die sich sehr positiv von anderen Werken über die Technoszene im weiteren Sinne abhebt und dies zusätzlich mit Urbanität (auch in ihrer historischen Entwicklung), theoretischen Raum- und Schichtkonzepten in Verbindung bringt und anschaulich die kausalen Zusammenhänge aufzeigt.

[Diese Rezension erschien zuerst in: Hegner, Victoria; Hemme, Dorothee (Hg.): Kulturen. Feldforschung@cyberspace.de, Heft 2/2011, Göttingen, S. 62-64]

Reinlesen und Kaufen

In The Mix: Greymatter - Promomix (TIEF London NYE)

Wer zufällig Silvester in London ist, der kann in den Corsica Studios mit Scuba, Joy Orbison, Will Saul, Greymatter und vielen anderen ins neue Jahr feiern. Für alle anderen gibt es einen facettenreichen Promomix zur Einstimmung ins Wochenende:

Tief 003 - Greymatter by Tieflondon

Tracklist:

Kevin McPhee - Your Side
Tornado Wallace - Insect Overlords
FaltyDL - Atlantis
KRL - Deep Down
Kevin McPhee - Sleep
Alex Jones - With The Hats
Mosca - Orange Jack
Storm Queen - It Goes On (Vox)
Darling Farah - Foregin
Aardvark - Just Washed That Pig (Extended Mix)
Mosca - Dom Perignon
The Crazy Brazilian - Hold
Paul Woolford & Psycatron - Stolen
Floating Points - ARP3

Heute Abend: Autumn Blips mit Pulselooper in der Panke

November 18th, 9pm
admission: free
@ PANKE (pankeberlin.com)
Gerichtstr. 23
13347 Berlin
S/U Wedding

Live Acts:

Pulselooper
pulselooper.net
Location: Sao Paolo
Style: dark, melodic Techno with a hint of breakbeat
Instruments: 2x Nintendo Gameboy

BIKECORE
soundcloud.com/bikecore
Location: Tel Aviv / Berlin
Style: Pop-Punk-Trash-Glitter
Instruments: Nintendo Gameboy, Commodore 64, toys

Midi Man
myspace.com/midimanliveact
Location: Berlin
Style: uptempo midimal Tekkno (with at least two K)
Instruments: Nintendo Gameboy, NES, home-made analogue synths

irrlicht project
soundcloud.com/irrlicht-project
Location: classified
Style: Black Magic
Instruments: Atari ST, ZX Spectrum 48k (1-bit!)

Party: Jahtari Label Night, Samstag, 26. Februar 2011, Panke

Schon lange gilt der Wedding als einer der Berliner Stadtteile mit großem Potential, trotz guter Startvoraussetzungen was billige Altbauten und Erreichbarkeit angeht, hinkt er aber in punkto Bar-, Galerien- und Clubdichte den altbekannten Hipster-Vierteln noch meilenweit hinterher. Seit einiger Zeit gedeihen aber auch in der Gegend zwischen Gesundbrunnen und Leopoldplatz zarte subkulturelle Pflänzchen. Das Brunnen 70 an der Grenze zu Mitte hat sich mittlerweile fest in der Clublandschaft etabliert und im Stattbad Wedding verhallt neben dem Kunstgezwitscher auch die ein oder andere Bassdrum zwischen den gekachelten Wänden.

Ganz in der Nähe eröffnet jetzt eine weitere Location, die ganz unkompliziert nach dem vor der Haustür vorbeilaufenden Flüsschen Panke benannt ist. Nicht nur geographisch, sondern auch musikalisch platziert sich die Panke weitab ausgelatschter Pfade.

Bei der Party des Leipziger Labels Jahtari erwartet die Gäste Digital Dub, Dubstep, Garage und eine ordentliche Dosis glitchige und wonkige Beats. Einen Vorgeschmack liefert der von DJ Synflood eingespielte Panke Podcast, der mit Tracks von u.a. Madlib, Tokimonsta und Daedalus vor allem der kalifornischen Beatbastler-Schule huldigt.

DJ SYNFLOOD - Panke Podcast 2 by synflood

Wer: JAHTARI RIDDIM FORCE (Disrupt, Dressla), CLAUSE FOUR (UK), TAPES (UK); Supporting DJs: DJ Synflood (reboot.fm, Berlin), Genys (Lowvibe, Lithuania)
Wann: Samstag, 26. Februar 2011, 22:00 Uhr
Wo: Gerichtstr 23, Wedding, 13347 Berlin
Wieviel: 5€ bis 0:00 Uhr, danach 8€

Gadget des Monats: Pokketmixer

Wer kennt das nicht? Auf jeder Party sind genügend iPods, iPhones und Laptops vorhanden, aber trotzdem muss die iTunes-Playlist gnadenlos abgenudelt werden oder ein wilder Glitch-Cut-Up ohne ästhetisches Fundament spielt sich am Schreibtisch des Gastgebers ab. Ein tolles Gadget für WG-Partys und portable Jams hat jetzt eine Firma aus Berlin im Angebot: Das 145 Gramm leichte mobile Mini-Mischpult Pokketmixer kommt ohne Strom aus, weil es nur auf Kopfhörersignale ausgelegt ist.

Pokketmixer Gold

Der Pokketmixer kann zum Beispiel an Ghettoblaster, Anlage oder Autoradio angeschlossen werden. Laut Hersteller, der wöchentlich seinen Stand auf dem Mauerpark-Flohmarkt hat, ist es das erste Mischpult, dass ganz ohne Strom auskommt, was ein wenig auf Kosten des Equalizers geht. Als portabler Zweitmixer ist das Teil aber genial! Das Gerät gibt es ab 69 Euro 89,95 Euro. Der Pokketmixer ist in verschiedenen Farben zu haben.

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[via Schrilli]