- HP Scanjet 3P, Adaptec SCSI card and a computer powered by Ubuntu v9.10 OS as the Vocals. (hey, the scanner is old)
- Atari 800XL with an EiCO Oscilloscope as the Organ
- Texas instrument Ti-99/4A with a Tektronix Oscilloscope as the Guitar
- Hard-drive powered by a PiC16F84A microcontroller as the bass drum and cymbal
Zu meinem großen Bedauern mußte ich am Freitag feststellen, dass Creative Commons die Sampling Plus-Lizenz eingestellt haben. Sampling Plus war eine Lizenz die wie geschaffen für das Remix- und Mashup-Zeitalter war, das ja jetzt auch im Suhrkamp-Verlag angekommen ist. Nur mit der, von der kalifornischen Avantgarde-Band Negativland mitentwickelten, Sampling Plus-Lizenz war es möglich die kreative Transformation eines Werkes für kommerzielle Zwecke zu erlauben und gleichzeitig 1:1-Kopien für kommerzielle Zwecke zu untersagen. Wie gesagt: Wie geschaffen für das Remix-Zeitalter.
Außerdem hatten Negativland den Passus “You may not use this work to advertise for or promote anything but the work you create from it” einfügen lassen, um die Nutzung für Werbung zu unterbinden. Dazu Mark Hosler in diesem YouTube-Video ab 5:17 min.:
Die Gründe für die Aufgabe von Sampling Plus werden hier dargelegt, sind aber keineswegs zufriedenstellend.
Es gibt nun keine Lizenz mehr die ganze Werke wie Videoclips, Songs oder Texte vor ungewollter kommerzieller Verwendung durch Dritte schützt UND es gleichzeitig erlaubt aus ihnen zu samplen, zu remixen oder ein Mashup zu erstellen und dies kommerziell zu verwerten. Dies wäre aber meiner Ansicht nach eine notwendige Bedingung um dem Begriff commons gerecht zu werden, der ursprünglich den Teil des Gemeindevermögens bezeichnete “an dem alle Gemeindemitglieder das Recht zur Nutzung haben.” Ich habe zum Beispiel kein Interesse daran, dass Dritte meinen Film ‘Culture Jamming” kopieren und kommerziell aufführen, aber würde einen Remix sehr begrüßen. Wenn endlich Begriffsklarheit zwischen Kopie, Plagiat, Remix und Mashup herrscht, dürfte die Sampling Plus-Lizenz auch weiter an Bedeutung gewinnen.
Creative Commons schreiben in der der Begründung es gebe eine ungenügende Nachfrage nach dieser Lizenz, was insofern komisch klingt, als dass sie diese Lizenz schon seit über einem Jahr in ihrer “Choose A License“-Rubrik NICHT mehr angeboten haben. So kam man vor allem auf den Seiten ccmixter.org und freesound.org mit dieser Lizenz in Berührung.
Freesound sei aber die “only major site using sampling+” gewesen und habe jetzt auf die “BY” und “BY-NC”-Lizenzen umgestellt. (Mehr zu den Lizenzen hier) Das ist natürlich kein gutes Beispiel, da auf Freesound größtenteils Samples angeboten werden und keine “eigenständigen Werke”. Dass die Nutzer dieser Seite mit einer speziellen Sampling Plus-Lizenz nicht viel anfangen konnten, kann kein Argument sein. Ein Film wie “A Remix Manifesto” ist ohne diese Lizenz nicht denkbar.
Ein weiterer Grund sei die “schwierige” Implementierung in einen simplen “machine-readable”-Code, was irgendwie fadenscheinig klingt, sollte doch die Lizenz die Technik bestimmen und nicht umgekehrt selbige von technischen Möglichkeiten eingeschränkt werden.
Ich hoffe wirklich, dass Creative Commons auf längere Sicht wieder eine Lizenz schaffen die wortgetreue Kopien für kommerzielle Zwecke untersagt UND gleichzeitig das Remixen für kommerzielle Zwecke erlaubt. Das ist die einzig sinnvolle Lizenz für das Remix-Zeitalter!!!
Wer will kann hier einen entsprechenden Kommentar hinterlassen…
Update (15.09.2011): Mike Linksvayer, der Vize-Präsident von Creative Commons, hat mir versichert, dass man die Sampling Plus-Lizenz trotzdem weiterhin verwenden kann und mir die Nutzung einer BY-NC Lizenz mit separater Erlaubnis für kommerzielle Remixe empfohlen.
Es mag übertrieben erscheinen, den sowieso schon zum Bersten überladenen Diskurs um James Blake und sein Debütalbum noch weiter aufzublähen, aber so ist nun mal die Natur von Hypes: Sie polarisieren, erzeugen Reibungen und Diskussionspotential und sind deswegen einfach unverzichtbar, so sehr das oft nervt. Deshalb ein dickes “Danke!” an BTH für seinen Beitrag, der gerade weil er genauso einseitig, überspitzt und falsch ist wie alle Lobeshymnen, so dringend notwendig gewesen ist.
Jetzt aber zu James Blake: Seine drei EPs im vergangenen Jahr auf Hessle Audio und R&S haben mir durchweg gut gefallen. Wahrscheinlich weil sie gar nicht so bahnbrechend innovativ waren, wie von vielen behauptet wurde. ‘The Bells Sketch’, ‘CMYK’ und ‘Klavierwerke’ sind eine im besten Sinne eigenwillige, aber keinesfalls revolutionäre Collage von Elementen, die Blake mit vielen anderen Vertretern im Postfuturegaragestep-Universum teilt: Den Tritt auf die Bremse mit Mount Kimbie, die hochgepitchten Stimmfragmente mit ebenjenen und Burial, das italomäßige Regenbogenschillern bei Hyetal und den Night Slugs.
Dann kam im Herbst dieses Cover von Feists Limit To Your Love. Eigentlich ein großer Popsong, reduziert auf die pure Essenz der Verbindung von Stimme und Klavier. Aber irgendwie hatte das auch etwas sehr kalkuliertes in seinem unbedingten Willen zur großen Geste, die Selbstinszenierung als “der Dubstep-Produzent, in dem auch ein hochsensibles- und talentiertes Popcrooner-Seelchen schlummert” schien zu offensichtlich. Auf seinem Album nimmt sich James Blake zum Glück wieder etwas zurück. Songs wie ‘Lindesfarne II’ oder ‘To Care Like You’ sind tatsächlich eine pop-kompatible Erweiterung seiner bisherigen Beatscience. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieses Feld weiterentwickeln wird, genug schlechte Epigonen scharren sicher schon mit den Soundcloud-Hufen. Vieles ist aber auch einfach belangloses Füllmaterial, da hat BTH mit seinem Macchiato-Lounge-Vorwurf Recht.
Ganz sicher aber haben wir es hier nicht mit dem avantgardistischsten Stück Musik seit Beginn des Jahrtausends zu tun, und die These von der Auflösung bisher für unvereinbar gehaltener Genregrenzen dank totaler digitaler Verfügbarkeit von Musik ist auch schon ziemlich abgedroschen, nachdem Tobias Rapp sie vor drei Jahren in Bezug auf Hot Chip das erste Mal aufgestellt hat.
Hinter irrational ausufernden Hypes wie um James Blake steckt vielmehr ein verdrängter Wunsch: Dass nämlich das neue, große Ding immer noch irgendwo da draußen schlummert und sich uns schon offenbaren wird, wenn wir nur fest daran glauben. ’57 Rock’n'Roll und Soul, ’67 Pop, ’77 Punk, ’87 Rave und Techno. Und ‘97 der damals noch beschwerliche und nicht so wirelessflutschige Gang ins Archiv, wie Anton treffend analysiert hat. Und 2007? 2011? Die letzten wirklich großen Poperzählungen sind nun schon älter, als die aktuellen Protagonisten selbst und das scheint für viele immer noch ein größeres Problem, als sie zugeben können. Die Hoffnungen richten sich wie so oft auf das UK und sein Bassmusik-Kontinuum, das zu Beginn des Jahrtausend ja mit Dubstep das letzte im mikrogenrepolitischen Sinn “neue” Genre hervorgebracht hat. Logisch, dass James Blake eine besonders breite Projektionsfläche für diesen Wunsch abgibt. Erfüllen kann aber auch er ihn nicht.
Christoph Schlingensief ist tot und ich überlege seit Tagen wie ich einen persönlichen Nachruf formulieren kann. Christoph Schlingensief hat mich und mein Verständnis von Politik, Kunst und Diskurs entscheidend geprägt und war sowohl in intellektueller als auch in künstlerischer Hinsicht ein Vorbild für mich. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass er mit sympathisch gewesen wäre, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, ihn persönlich kennenzulernen. Ich habe ihn zweimal ‘in Echt’ gesehen, einmal in einem Restaurant auf der Oderberger Strasse in Berlin, in eins seiner bekannten intensiven Gespräche vertieft, und einmal auf dem Weg zum Bürgerhaus Stollwerck in Köln, an einem Popkomm-Wochendende. Bei diesem zweiten Treffen hat ihm meine Freundin Leonie aus Versehen eine Flasche Jägermeister in die Hacken gekickt, was dieser mit einem mißmutigen Blick quittierte. Näher bin ich leider nie an dieses große künstlerische Vorbild gekommen.
Entschiedende geprägt hat mich seine Theorie der aktiven moralischen Verrohung, die er in einer Talk 2000-Sendung mit Helmut Berger und Beate Uhse ungefähr so beschrieb: ‘Ich bin davon überzeugt, dass man in seinem Leben immer weiter Schranken einreißen kann, eine kleine Schranke nach der anderen und dass man es am Ende völlig OK findet, wenn man etwas unmoralisches tut.’
Das ist meiner Ansicht nach der Kern von Schlingensiefs Philosophie: Wir sind immer wieder zur kritischen Introspektion gezwungen und diese Introspektion hat Christoph Schlingensief fortwährend und in aller Öffentlichkeit an sich vollzogen. Das was ihn schmerzte sollte jeder wissen und er duldete es nicht, dass man sich in einen gediegenen Winkel des Oberstübchens davor zurückzog.
Mit grosser Faszination erinnere ich mich auch noch an die Interviews mit Alexander Kluge, bei dem das grenzenlose, rhizomatische Denken von Schlingensief besonders deutlich zu Tage trat:
Das Umherschweifen der Schizophrenen gibt gewiß ein besseres Vorbild ab als der auf der Couch hingestreckte Neurotiker. Gilles Deleuze / Felix Guattari
Christoph Schlingensief war eine ununterbrochene Diskursmaschine, ein Schizophrener im besten Sinne, der Sprache und Bedeutung in sich eingesaugt, prozessiert und wieder ausgespuckt und damit gezeigt hat, was jeder redliche Intellektuelle jeden Tag an sich vollziehen muss. Möglicherweise ist etwas von dem Unrat, den er dabei aufgesaugt hat, in seinem Organismus hängengeblieben.
Provokateur wurde er oft genannt, was im Wortsinn das gezieltes Hervorrufen eines Verhaltens oder einer Reaktion bei anderen Personen bedeutet. Ich wüßte nicht was daran schlimm sein sollte, außer das bürgerliche Mißverständnis, ein Provokateur würde einem nur die Petersilie verhageln wollen. Vielleicht wäre es treffender Schlingensief als Drastiker zu bezeichnen, in dem Sinn den Dietmar Dath in ‘Die salzweißen Augen’ expliziert und von Norman Mailer zitiert hat:
Kunst hilft uns am meisten da, wo sie unser Empfinden dafür, was möglich ist, verändert, wenn wir erfahren, was wir nicht einmal ahnten, wenn wir das Gefühl haben, daß wir mit einem Satz auf die Wahrheit treffen. Das ist, nach der Logik der Kunst, jeden Schmerz wert. Norman Mailer
Christoph Schlingensief hat die Dinge so gezeigt wie sie sind oder auch in einem überraschenden und schmerzhaften Licht. Es ist auch keine Provokation, wenn man Bilder zeigt, die die mediale Repräsentationsmaschine nicht zeigen kann oder will.
Ein für mich zentrales Projekt in den neunziger Jahren war die Talkshow-Theorie. Seine These: Die Talkshows suggerieren einen ständigen gesellschaftlichen Diskurs, sie repräsentieren die Illusion das über die Dinge geredet wird. Sie sind im strengen Debordschen Sinne ein Spektakel oder, mit Baudrillard gesprochen, ein Simulakra dritter Ordnung, sie maskieren die Abwesenheit einer tieferliegenden Realität. Die Talkshow-Simulation verwischt die darunterliegende Realität nicht, sondern verdeckt das Vorhandensein einer Bezugsrealität. Nicht in Wahrheit wird über die Dinge geredet, sondern nur in der medialen Repräsentation. Es ist Schlingensiefs Verdienst dies in vivo bewiesen zu haben.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein ‘reifes Alterswerk’ von Schlingensief gewollt hätte, aber sicher habe ich ihm noch viele gesunde Lebensjahrzehnte gewünscht. Vielleicht wäre sein Geist, wie sein ewig jung scheinender Körper, aber auch nur langsam gealtert und sein Denken hätte die nötige Biegsamkeit und Flexibilität behalten, die alles Relevante in seinem Werk ausgezeichnet hat.
Christoph Schlingensief hinterlässt eine große Lücke, aber wir sind alle aufgerufen diese Lücke zu füllen so gut es geht, um sein Andenken zu bewahren. Ich trauere um einen großen Künstler und einen herben Verlust für die kulturelle Landschaft dieses Landes. Christoph, wir werden dich vermissen.
Zwei neue Aktionen der beiden Alpha-Prankster 01.org und ubermorgen.com flatterten mir in der letzten Woche ins Haus:
ubermorgen.com - Oil Painting: The Supreme Discipline Of Art
Die Meisterdisziplin der Kunst, das Ölgemälde ist zurück. Vor 13 Tagen ist ein Bohrturm einer BP Öl- und Gasplattform in Flammen aufgegangen, gesunken und hat 11 Menschen getötet. Das auslaufende Öl führte zu einem ökologischen Disaster von historischem Ausmaß. Die Küsten von Louisiana, Alabama und Mississippi sind bereits vom Öl ‘gezeichnet’. Das Ölgemälde ist zu einer generativen Biokunst geworden, der die Weltöffentlichkeit via Massenmedien zuschauen kann. Ein Ölgemälde von 80.000 Quadratmeilen Ausmaß gemalt mit 32 Millionen Litern Öl - ein einzigartiges Kunstwerk.
Die Künstlergruppe ubermorgen.com, die ich bereits in meinem Film Culture Jamming portraitierte, nutzte die ‘Readymades’ der Luftbildaufnahmen der Katastrophe und manipulierte sie digital um die Entfremdung von Farbe und Form zu kommentieren. Mit einer Kompressor- und einer Consumer Video Editing Software wurden Miniloops erstellt, die die Verkünstlichung der Natur und die Vernatürlichung der Kunst visualisieren.
I saw the NASA earth observatory images and I was blown awa. Finally traditional painting made its comeback as a high-tech innvovative art form and not as the starving grandparent of photography, video, digital art and performance. As a former painter I am thrilled and as a digital artist I want to work this material until it bleeds. lizvlx von ubermorgen.com
Natürlich wure die reflexhafte Kritik an der Gleichsetzung von Naturkatastrophe und Massenmedienspektakel mit der jahrhundertealten Tradition des Ölgemäldes schon kurz nach der Veröffentlichung laut: Die europäische Techno-Avantgarde attackiere die Traditionen des Kunstgeschäfts. Mal wieder!
ubermorgen.com dürfte das nach ungleich radikaleren Erfahrungen in der Vergangenheit wie z.B. dem legendären Prank voteauction kaum beunruhigen.
Auch vom italienischen Künstlerduo 01.org gibt es Neuigkeiten:
ARTIST COMMITS SUICIDE ONLINE AS A WORK OF ART
Tausende von Nutzern der neuen Hypewebsite chatroulette.com konnten am 30. April eine männliche Person beobachten, die, scheinbar leblos, an einem Strick an der Decke baumelte. Der Mann war der, mittlerweile in Brooklyn lebende, Künstler Franco Mattes und die Szene natürlich ein Hoax. 01.org haben diese Performance voraufgezeichnet und online gestellt. In dem Video ‘No Fun’ kann man nun alle möglichen Reaktionen von Gelächter, Unbeweglichkeit und mit ihren Mobiltelefonen fotografierenden Kids beobachten. Nur einer von vielen tausend Menschen kam auf die Idee die Polizei zu rufen.
Wie schon in ihren früheren Aktionen sehen sich Eva und Franco Mattes mehr als Zuschauer denn als Aktivisten oder Provokateure:
Since we live online than we should get used to die online. Franco Mattes von 01.org
‘No Fun’ wirft ein paar beunruhigende Fragen über die Hyperrealität der zeitgenössischen Mediensphäre auf. Unsere täglichen Jagd nach Medienaufmerksamkeit (oft getarnt als Suche nach authentischer Kommunikation) wird zu einer narzißtischen Endlosschleife in der man den anderen am Ende nicht mehr wahrnehmen kann (oder will)…
In beiden Fällen ein schönes Update von Netart in der zweiten Dekade des neuen Jahrhunderts, aber irgendwie wirken die Pranks auch seltsam zahnlos und verpuffen an der opaken Oberfläche des Cyberspace. youtube hat das ‘No Fun’-Video jedenfalls schon verbannt, was 01.org wiederum mit diesem Kranz feiern:
Meine erste Konferenz auf der diesjährigen transmediale: Atemporality - A Cultural Speed Control. Der Referent ist Bruce Sterling, exilierter Texaner und SciFi-Autor, der mit William Gibson maßgeblich an der Erschaffung der Genres Cyberpunk und Steampunk beteiligt war. Laut Programmheft ist die Fragestellung wie wir in Zeiten von politischen Planungsintervallen die die Dauer von Wahlperioden haben die Zukunft weiterhin als Ressource nutzen können.
Wenn Fortschritt mehr sein soll als das Re-Design bereits vorhandener Fahrzeugpaletten, benötigen wir eine ästhetische und mediale Analyse unserer Gegenwart.
‘Was ist Atemporalität?’ war die Kernfrage die Bruce Sterling in den Raum stellte. Es sei die Frage nach der Natur des historischen Wissens, wie wir über Geschichte denken. (Geschichte ist bekanntlich keine Wissenschaft auch wenn es die gleichnamigen Wissenschaften gibt, sondern Geschichte ist ein Frage des Standpunktes der Erzählers, was uns gerade bei den grossen Menschheitserzählungen oft nicht ausreichend bewusst ist.)
Bruce Sterling erklärte, er wolle zunächst Atemporalität als modernes Phänomen gegen beispielsweise die Postmoderne in Stellung bringen und in der Folge dann Strategien für Künstler entwickeln damit umzugehen. Als amüsantes Beispiel stellte er ein Zitat Richard Feynmans in den Kontext des Web2.0:
‘Write down the problem. Think REALLY hard. Write down the solution.’
In unseren Zeiten, so Bruce Sterling, sehe es folgendermaßen aus:
1. Write the problem in a search engine. Look if somebody has solved it before.
2. Write about the problem in a Blog.
3. Publish the problem via twitter.
4. Open Source the problem.
5. Start a Social Network about the problem.
6. Make a video of the Problem - youtube it.
7. Create a Design Fiction that claims the problem is solved.
8. Create some gadget about my problem.
Der intellektuelle Prozess an sich, der Ansatz einer Problemlösung, sei in diesen ‘kollaborativen’ Techniken verlorengegangen. Vielmehr sei jede Erkenntnis ‘just meaning, value, database mining or social relevancy’. Wer schreibt Geschichte heutzutage, wer ist die relevante Figur hinter gesellschaftlichen Erzählungen? ‘Network culture offers a long tail of intellectual rumors about history’
Allerdings sei kein Anlass für eine moralische Panik gegeben, man müsse nicht Punk werden, sich umbringen und Steine werfen, so Sterling. Vielmehr sei ein ‘calm, serene and pragmatic scepticism’ gegenüber historischen Erzählungen angebracht.
Wie immer bei transmediale-Keynotes habe ich hier kurz den Faden verloren und ich bin mir nicht sicher ob dies an meinen mangelnden Englischkenntnissen im wissenschaftlichen Bereich lag oder an der Sprunghaftigkeit in Sterlings Denken. Jedenfalls schlug Sterling nun vor als künstlerische Strategie etwas zu kreieren das erst in etwa zwanzig Jahren Sinn machen wird. Es war ein Aufruf an Künstler eine Vergangenheit oder Zukunft einfach anzuwenden und zu leben.
‘Why dont you just dress up as an astronaut? Make yourself a public declaration of a future that doesn’t exist? Become multitemporal rather than multicultural!’
Der nächste Vortragende war der Medienarchäologe Siegfrid Zielinski, der u.a. die Holy Trinity of Time auf einem altmodischen Overhead-Projektor vorstellte, was allgemeinen Applaus ob dieser ausgestorbenen Kulturtechnik auslöste. Jedenfalls sei die Heilige Dreifaltigkeit eben PAST, PRESENT und FUTURE. Nun kam Zielinski auf das Buch Negative Theologie der Zeit von Michael Theunissen zu sprechen, in dem zwei Pathologien des Zeitbewusstseins erwähnt werden. Einerseits die Melancholie als ein ‘to be too much in time’ (STUCK) und anderseits die Paranoia als ein ‘to be too little in time’ (ESCAPE).
Es folgten Ausführungen über die Zeit in der griechischen Mythologie, namentlich Kronos (die biologische (Lebens-)zeit), Kairos (die imaginäre Zeit ohne Ausdehnung, ‘Der Gott des günstigen Augenblicks’) und Aion (die Ewigkeit).
An dieser Stelle las ich einen Tweet von @gregorsedlag:
Zielinski kann ich ja schon auf deutsch nicht folgen, auf Englisch wird es Realsatire. Erfolgreich als Polylux-Retromedienaktivist. #tm10
Dem ist Nichts hinzuzufügen, ausser das sich Zielinski mit den Worten verabschiedete: ‘We move from the past into the future and are presence in both of them’.
Während der Keynote von Siegfried Zielinski stoppte das Google Street Car an der chinesischen Botschaft und mein Tweet darüber wurde von tweetscreen an eine Wand im HKW geworfen…
SubKid RT @anjakrieger: OMG! The Google Car stopped by The Chinese Embassy! #fffffat #tm10
Den nächste Redner fasse ich per Tweet zusammen, keine Zeit, möge das Netzwerk was daraus machen:
Alexander Rose, Long Now Foundation, presents examples of projects from around the world & history involving extremely long term thinking #tm10
Nachdem pEtEr & NieLow die großartige Idee hatten, zum dreijährigen Jubiläum von blog.rebellen.info, ihre Freunde und Bekannten um Gastbeiträge zu bitten, habe ich natürlich sofort zugesagt und nutzte die Gelegenheit meine musikalische Top 10 der Jahre 2000-2009 kundzutun. Für die Wenigen, die die blogrebellen nicht lesen (Shame On You!), hier nochmal ein Re-Post auf realvinylz. Die Einzeltracks repräsentieren manchmal - aber nicht immer - das dahinterstehende Album und meistens stehen sie stellvertretend für eine musikalischen Quantensprung (also die kleinste mögliche Einheit einer Veränderung ;-)).
Den Beginn macht Madlib aka Quasimoto, die hochgepitchte Stimme des Underground HipHop, wie man diesen Sound, der mittlerweile via Stones Throw zum musikalischen Allgemeingut geworden ist, damals nannte. Astro Black vom Album The Unseen groovt wie Hölle und soll laut ‘Samples Used By Quasimoto’ ein Sample von Joe Cockers ‘Woman To Woman’ enthalten:
Wurde von Quasimoto auf Astro Black auch noch nur mit (allerdings fast brodelndem) Wasser gekocht, hat Guillermo Scott Herren aka Prefuse 73 den gängigen Produktionsskillz mal gehörig in den Arsch getreten. Sein Ich-Lass-Mal-Einfach-Die-Plattennadel-Irgendwo-Fallen-Sound sollte ab 2001 genrebashend sein. Wenn meine Musiklehrerin mit ihrer ‘DieStimmeAlsInstrument’-These heute diese Platte hören würde, wäre sie wahrscheinlich noch mehr in ihrem Glauben erschüttert als nach meinem Bomb The Bass-Referat Anno 1990. Point To B - Ein Glitch-Hop Klassiker.
Nicht nur HipHop, auch der landläufige Singer/Songwriter-Track musste sich spätestens 2002 von Dntel zeigen lassen wo der Bartel den Most holen geht. Dntel drehte ein wunderschönes Liebeslied durch den Bitcrusher, mischte weisses Rauschen und Statik dazu und kreierte mein Scrambled Pop-Anthem des Jahrzehnts: ( This Is) The Dream Of Evan And Chan
Zurück zu Stones Throw, deren J Dilla und Madlib aka Jaylib aus ganz banalen Gründen den Pokal 2003 abräumen: The Official und das dazugehörige Album Champion Sound rocken wie Hölle. [Read more →]