Entries Tagged as 'Klassiker'

Frisch gediggt: Drums & Ammo Vol. 1

Und weil es gerade so schön schwül ist und Breaks und Beats im Sommer doppelt so gut treiben hier noch ein paar frisch gediggte Beats vom Produktionsteam Drums & Ammo aus Oakland, das aus den Beatschmieden Ammbush, 6Fingers, REL & Al Jieh besteht. Irgendwie schaffen die vier es einen gediegenen Texas-Western-Vibe in die trocken rockenden Beats zu cutten. Untergehende Sonne und Monument Valley Galore!

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Platte des Tages: Octave One - I believe (Sandwell District Remix) [2011, 430 West]

sdbelieve

Das Techno inzwischen eine reine Retroveranstaltung ist, haben Regis und Function schon lange begriffen und setzen genau da an, wo sie - zumindest bei Function - vor ein paar Jahren aufhörten: Im 90er Techno, dessen Spielregeln sie nicht nur beherrschen, sondern mitgestalteten. Und nachdem 2009 das Reanimationsjahr der alten Garde wurde (Adam Beyer, Luke Slater, Cari Lekebush), setzten 2010 Sandwell District und Chris Liebing nach. Dunkler, düster, roh … Berghaincharme eben. Dass es auch anders geht, zeigt ihr neuester Remix des zwei Jahrzehnte alten Octave One Klassikers I believe.

Beim ersten Hören fühlt man sich sofort in die Frühzeit von Techno zurückversetzt, als Detroit noch ein Mysterium und keine Flickr-Ansammlung von abandoned places war. Sehnsuchtsfläche und Sehnsuchtsvocal verirren sich im stillgelegten Teil einer alten Fabrik und lassen die einstrahlende Sonne voll entfalten. Riesig und schon der erste Anwärter auf den Remix des Jahres! Kein Aprilscherz.

Competition: 30 seconds of FAME

An alle Filmemacher und Videokünstler, Comic-Zeichner und Dadaisten, Werber und Hacktivisten, Mash-Up-Meister und Revolutionäre, Maler und Musiker: ARTE Creative sucht einen kreativen Trailer für die Internetplattform ARTE Creative. Ob gefilmt, geknetet, gezeichnet oder gehäkelt - der Stil spielt keine Rolle. Mehr Infos hier

Einzige Bedingung: Das Video soll irgendwie die Kreativplattform ARTE Creative anpreisen. Die Community wählt den Gewinner: Das Video, das in einem Monat die meisten “Gefällt Mir”-Klicks über Facebook gesammelt hat, gewinnt! Der Gewinnerfilm wird im darauffolgenden Monat auf dem TV-Sender ARTE gezeigt und weil man Fame nicht essen kann, gibt´s dazu auch noch einmal 1000 Euro!


Platte des Tages: Mainframe - MF1 [1993, Mainframe 001]

mf1

Wiener Abfahrt. Zuerst ein sehr unbekanntes Label, das mit den nächsten beiden VÖs Technogeschichte schreiben sollte, als nämlich Ilsa Gold zuerst mit ‘Up!’ und dann mit ‘Silke’ die Zipfelmützenfraktion bis zum äußersten schwitzen ließ.

‘Hyperkarma’ strahlt immer noch sehr viel Deepness im weltaltlichen Sinn aus, während das ‘Antibiotic Prod.’ auf der A-Seite den perfekt antiseptischen Wavesound durch den Körper jagt. Definitiv ein Zeitdokument, einer Musik die es davor oder danach nicht hätte geben können.

Zum Runterkommen dann später was ruhiges von der Female Netaudiofront.

Platte des Tages: Emmanuel Top - Acid Phase [1994, Attack Records 94-003]

acidphase

Mit Bruno Sanchioni, einer der Produzenten von Age of Love (jener Track der durch den Jam & Spoons Remix schon seit seiner VÖ absoluten Klassikerstatus genießt), als Mentor, kann wenig schieflaufen. Und so katapultierte sich Emmanuel Top schon mit dem Frühwerk ‘Turkish Bazar’ an die Spitze der 94er Technocharts. Doch auch wenn dieses Stück den Anfang seiner Karriere markierte, gab es im selben Jahr noch eine ravigere Variante seines Schaffens, die noch viel stärker abgeht.

‘Acid Phase’ ist sozusagen die geballte Energie von Speed kombiniert mit dem Glücksfluss von Ecstasy, während das andere einen trancigen Meditationsfluss darstellt, wenn der erste Rausch abebbt und die Deepness um sich greift. Und so wundert es auch nicht, dass ‘Acid Phase’ in fast jedem Set von Mark Spoon zu finden ist. Eine bessere Abfahrt im Gray gab es bis auf die hauseigenen Klassiker wohl kaum. Vom Tempo moderat - und mir damals fast zu langsam - lässt es sich auch heute noch gut einbauen.

Mit Sanchioni sollte Top später wieder zusammenarbeiten und mit ihrem Projekt B.B.E. (Seven Days and one Week) machten sie dann endgültig die Nummer eins der Charts in halb Europa klar. Doch auch dort gab es - zeitimmanent - als Ausgleich das wahnsinnig trancige Fusion.

Mix des Monats: Scorn - Dekode Unwritten Future

scorn

Ein Blick auf Wikipedia und einiges klärt sich auf. Mick Harris aka Scorn, ehemaliger Drummer von Napalm Death mixt auf seiner ‘Unwritten Future’ quer durch brachialsten Trümmer-Techno. Und das klingt, als ob mir jemand meinen persönlichen Lieblingsmix für den Aftermath oder einen bevorstehenden Nuklearkrieg zusammengestellt hätte.

Wenn man sich das Destillat aus Surgeons Sets vorstellten würde, käme dies heraus. Wo diese Affinität für englischen Techno herkommt, fragt man sich zugleich und findet in der Online-Enzyklopädie die Antwort, da Harris genauso wie Surgeon aus Birmingham stammt.

Persönlich interessanter ist dann die Brücke, die 20 Jahre zurückreicht, in die Zeit in der ich selbst hauptsächlich Death- und Trash-Metal hörte, Napalm Death zu meinen Lieblingsbands zählte und labelmäßig Earache statt Abfahrt angesagt waren.

Die Trackliste jedenfalls ist ein Traum, reich an postindustriellem Charme und passt auch gerade wieder besser, als dieses ewige Sehnsuchts-Ding aus Detroit. Denn es gibt auch andere Wege mit Deindustrailisierung umzugehen als die ewige Sehnsucht und Weltraumdiaspora. “Zurück zum Beton” statt “Zurück zur Natur”, Yeah!

Download & Tracklist:

Scorn – Still life
Uniform – A Swollen Vendetta (feat. Dälek)
Kangding Ray – Pruitt Igoe (Alva Noto remodel)
Datach’i – Bombing Brooklyn
Scorn – Gravel Bed (The Wee DJ’s remix)
FZV – a3kchz
Cane – Reeze
Polygon Window – Quoth
Camanecroszcope – On The Brink Of The Steep
Jeroen Liebregts – Keychain
Nine Inch Nail – At The Heart Of It All (Aphex Twin remix)
Orphx – Threshold (Substance remix)
Cloaks – Wired for singer
Project Arctic – The 88th Parallel
Scorn – The Palomar
Monolake – Shutdown
Surgeon – Shaper of the unknown
Gunjack – Collective Threat
Stormfield – Dysoriental (Bracket remix)
Scanone – Kik it (The Wee DJ’s remix)
Phoenecia – Odd Jobs (Skinpeel Version by Richard Devine)
Squaremeter – Winds, ruins
Makaton – Black Country
Speedy J – Pannik
Proem – Darker still
Richard Devine – Dock
Pan Sonic – Hades
Regis – Penetration
Duuster – Duuster En Donker (Funckarma Mix)
Doc Scott – Surgery
Squaremeter – Whores, smoke + shadows
British Murder Boys – Don’t give way to fear pt1
Anstam – Cree a1
Takaaki Itoh – Clean your shyness
Thomas Köner – Untitled
Planetary Assault Systems – Hold it (Deuce Remix)
Richard Devine – Helix Stair Helve
Polygon Window – Quixote
Exocet – Will en berg
Datachi’ – Blind
Milanese – Tony sombrero
Vex’d – Remains of the Day

via TheLastBea(s)t & Stepcamera & Darkfloor

Arcade Fire - City With No Children

Arcade Fire Releases

When you’re hiding underground / The rain can’t get you wet / But do you think your righteousness could pay the interest on your debt? / I have my doubts about it
Arcade Fire - City With No Children

Was mir an dem Song ‘City With No Children’, den ich auf Anhieb gerne mochte, nach einiger Zeit auffiel war diese Songzeile. Darf man so etwas singen? Also nicht nach den ungeschriebenen Gesetzen einer Indie-Geschmackspolizei, sondern in dem Sinne: Wird man als Band noch ernst genommen, wenn man die Warenförmigkeit des musikalischen Outputs damit begründet man müsse ja auch seine Schulden bezahlen? Die größten Momente im Indepent-Rock sind ja immer dann, wenn Probleme thematisiert werden die sich im elektronischen Sektor selten auftun.

Den eingangs zitierten Satz habe ich in den letzten Jahren öfter gehört, wenn es um die Vereinbarkeit von Lebensentwurf und Job, Theorie und Praxis ging. Die dialektische Antwort lautet meist: In einer Gesellschaft, die so ist wie sie ist, hat man nur die Wahl zu schweigen oder zu den Bedingungen zu sprechen die das System vorgibt. Natürlich, wenn niemand mehr singen würde, wäre offensichtlich, dass an diesem System etwas fundamental nicht in Ordnung ist. In der Realität gäbe es allerdings nur noch unreflektierte Deppenmusik. Aber warum meinen Arcade Fire sich erklären zu müssen, in einem Song, der von enttäuschter Liebe, entfremdetem Leben und dem Wunsch handelt es ‘Richtig’ zu machen?

Righteousness bezahlt keine Schulden, außer den symbolischen, aber sie lässt einen besser schlafen. Müssen sich Arcade Fire rechtfertigen? Hat jemand einen Vorwurf gegen sie erhoben? Oder wollten sie sich von vorneherein gegen den überragenden Erfolg des Albums absichern? (Was zumindest ein interessantes Konzept wäre.)
Der ‘Underground’, das New Yorker Pendant der San Franciscoer ‘counterculture’, entwickelt gegen die spezifischen künstlerischen Ideen des Modernismus, wird in dem Song ja noch an anderer Stelle symbolisch aufgeladen:

Dreamed I drove home to Houston / On a highway that was underground / There was no light that we could see / As we listened to the sound of the engine failing

Win Butler spricht ja hier nicht von einem Tunnel, sondern einem richtigen Underground-Highway. Was bedeutet das? Das Symbol der (nicht nur) amerikanischen (speedlimitierten) Freiheit ist unter der Erde, näher an der mythischen Hölle, dem Erdkern, geschützt vor den Augen des Superioren. Ist es der Traum der Bands im Underground zu den eigenen Bedingungen erfolgreich zu werden? Und kann dies nur ein Traum bleiben? Muss man zwangsläufig den ’sound of the engine failing’ hören? Ich denke Arcade Fire haben die Frage zu schnell für sich beantwortet. Oder ein Thema aufgeworfen das vorher keines war.

In keinem anderen Song des Albums klingt die Band so sehr nach ‘reheated New York Punk’ wie in ‘City With No Children’. Mir gefällt das, ich bin ja auch von elektronischer Musik und Hip-Hop sozialisiert. Und vielleicht gefällt mir der Song ja deshalb so gut, weil Arcade Fire im Gegensatz zu e.g. den Strokes zumindest ein Bewusstsein dessen habe, was immer und immer wieder geschieht: Die Privilegien der Bürgerlichkeit strecken ihre Fühler nach dem Bohemien aus. Lieber Gott, lass mich kein bürgerliches Wesen werden. Am Ende entdeckt man dann:

I used to think I was not like them but I’m beginning to have my doubts / My doubts about it