Platte des Tages: The Souljazz Orchestra - Rising Sun [Strut Records 058]

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Jazz ist bekanntermaßen nicht nur immer noch der Teacher, sondern auch mein persönlicher Soundtrack des langsam aber sicher beginnenden Frühlings. Dafür verantwortlich ist das kanadische Souljazz Orchestra mit seinem passend betitelten dritten Longplayer Rising Sun. Die Namensähnlichkeit mit dem Londoner Label und Plattenladen ist rein zufällig, doch musikalisch trennt das Sextett aus Ottawa weit weniger als ein schnödes Leerzeichen von den Briten. Denn so wie letztere sich für ihre Compilations immer wieder tief in die Wurzeln vorzugsweise afrikanischer und karibischer Soundkultur eingraben, schöpft auch das Souljazz Orchestra aus dem reichen Fundus von Ethnojazz und Afrobeat.

Pate gestanden haben für Rising Sun natürlich in erster Linie Mulatu Astatke und Fela Kuti, doch bleibt die Interpretation des Orchestras so zeitgemäß wie eigenständig. Selten hört man Jazz so frei von Daddeligkeit und Klischees und so durchgehend rhythmisch und deep. Hier ist alles gleichzeitig wie aus einem Guss und dabei so voller betörender kurzweiliger Momente vor denen man einfach huldigend niederknien muss, wie die Sonnenanbeter auf dem Cover.

So wie bei ‘Negus Negust’, in dem lateinamerikanisch anmutende Bläsersätze kongenial mit dem glasklaren Vibraphon harmonieren oder dem kinematographischen Kleinod ‘Lotus Flower’, das mit dem Cadillac direkt vor der Hotelbar parkt. In ‘Serenity’ tappst schließlich ein schüchternes Pianointro in die Szenerie, bevor es in einen samtenen Umhang aus Saxklängen gehüllt wird. Ein wenig freier und weniger groove-orientiert gestaltet sich das letzte Drittel der Platte, das mit ‘Rejoice’ eine Coverversion des Sun Ra-Kompagnons Pharaoh Sanders enthält.

Die Art und Weise, in der die sechs Musiker jedem Element den nötigen Raum zur Entfaltung geben, erinnert nicht nur an den klassischen Minimalismus eines Steve Reich, sondern an jazz-geschulte Detroiter House- und Techno-Legenden wie Theo Parrish oder Carl Craig. Hier schließt sich dann wieder der Kreis ins heute. Und genau da ist Rising Sun ab jetzt Pflichtprogramm.

One Response to “Platte des Tages: The Souljazz Orchestra - Rising Sun [Strut Records 058]”

  1. Ich habe das Album vor kurzem entdeckt, und es gehört für mich ganz klar zum besten, was in diesem Jahr erschienen ist. So lässig, wie hier unterschiedliche Einflüsse in einen eigenständigen Sound eingewoben werden, hat man das lange nicht gehört.

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