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John Maus - We must become the Pitiless Censors of Ourselves [2011, Upset the Rhythm]

Seit Ewigkeiten wieder eine Spex gekauft. Textlicher Inhalt deckt nicht ganz mein Interesse ab, aber die CD ist wieder ein echtes Schmankerl. Erinnert mich auch an die letzte Spex-CD, die ich hörte. Damals schon John Maus ‘Rights for Gays’.

Düsterer 80er-Synthpop der stark an Joy Division (die ich jedesmal aufs Neue googeln muss, weil ich mir nie ihren Bandnamen merken kann) erinnert, ohne jedoch ihre Rockigkeit zu übernehmen. Wollte ich 2007 schon kaufen und habs nicht gemacht. Mit der neuen Spex-Comp nun die zweite Chance und diesmal ist noch bis zum 4. April Zeit, bis das Album erscheint.

Die erste Single gibts jedenfall schon: ‘Quantum League’. Ebenso düster und verhallt. Der typische Prototrack für die skurille Auswahl der 20JFG-Jungs. Und diesmal wird aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Ärgerlich für mich, zur Freude aller anderen im Rhein-Main-Gebiet: John Maus spielt am Freitag in Frankfurt.

Weltuntergangswoche

Was mir bei der ganzen Techno-Geschichtsschreibung immer schon aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass es immer besondere Anlässe gegeben haben soll (die sogenannte Stunde Null oder Blueprints) die als Momentum an Innovationen gelten, die es aber so nicht gegeben hat oder die auch nur auf anderes aufbauen. Beispielsweise wird dann nach dem ersten Technotrack überhaupt gesucht (wahlweise Number of Names - Shari Vari oder Model 500 - No U.F.O.). Obwohl es - wie wir inzwischen wissen - Techno schon im akademischen Umfeld der 60er Jahre gegeben hat, also ohne die Einflüsse von Kraftwerk und Co.

Doch das soll hier nicht weiter verfolgt werden, sollte dies nur ein kurzes Intro sein, um zu zeigen, dass Musikentwicklung nicht linear oder gar Black-Box-like verläuft, sondern es immer wieder abseitige oder vergessene Wege gibt, die nach n Jahren wieder auftauchen, und manchmal braucht es auch eine Dekade um persönliche missing links zu finden, die einiges mehr erklären als das kanonisierende Durchschnittswissen bereithält.

Beim Techno gab es lange zwei Versionen, die auch heute noch im Umlauf sind. Entweder ist es die Geschichte dreier junger Männer in Detroit, die sich mit Hilfe europäischem Synthie-Pops und amerikanischen Funks, plus einer Prise Alvin Tofflers Schriften ihr Techno-Universum schufen.

Zweite Variante: DAF schufen eine ziemlich harte elektronische Musik, die in Belgien zu EBM umgemünzt wurde, darüber den Weg nach Deutschland zurückfand und schließlich durch einen damaligen Frankfurter Plattenverkäufer das Label Techno verpasst bekam und sich im Umfeld des Technoclubs/Dorian Grays zum heutigen Techno entwickelte.

Allerdings fragte ich mich seit Ewigkeiten wie so mancher Produzent auf seine abgedrehten Sounds kam. Zwar halbwegs vertraut mit Kraftwerk, Jarre, dem ganzen Synthpop, Wave und auch EBM (belgischer als auch deutscher Spielart) brauchte es bis zur Lesung Jürgen Teipels (“Verschwende deine Jugend”) und dem ersten Hören von Der Plan und artverwandtem, bis mir einige Lichter aufgingen.

Seit dem Abend und einigen Startschwierigkeiten ist die unkommerziellere Variante der Neuen Deutschen Welle (NDW) von einer Unbekannten zur zweiten Lieblingsmusik nach “Techno” aufgestiegen. Dank Frank Apunkt Schneider, der neben einem fantastischen, kritischen Buch zur NDW (”Als die Welt noch unterging“), auch fast eine Komplettdiskographie aller NDW-Platten aufschrieb, ist es auch als arg Zuspätgekommener möglich an den Raritäten teilzuhaben, bzw. sie ersteinmal entdecken zu können. Diese Woche wird es dann ein kleines NDW-Spezial geben.