Entries Tagged as 'Breakbeat'

Millie & Andrea - Spectral Source [Daphne 004]

Kennt noch jemand das Happy Hardcore Label Slammin’ Vinyl? pEtEr von den blogrebellen hat mich ja schon als mit einer ‘Liebe zu derben Piano- und Breakbeat-Tracks aus den Neunzigern’ ausgestattet geoutet und tatsächlich zaubert dieser allgemein verpönte Sound noch heute ein breites Lächeln auf mein Gesicht.

Millie und Andrea scheinen diese Liebe auf der B-Seite des neuen Releases auf Daphne Records zu teilen. Der Bombscare-Break hat hier Pate gestanden und sicherlich werden sich an dem Track die Geister scheiden.

Die A-Seite ist dichtester 909-Funk mit schön groovenden Chords, wie sie BTH vermutlich auch mögen wird. Ein Floor-Schieber!

School of Stylez [Vol.2 - Dub, Grime, Dubstep] - Teil 3

Dubstep Releases

(Fortsetzung von Teil 2)

Wie hat man sich eine Ethnie Dubstep vorzustellen?

„Das sind Leute, die machen Drum n’ Bass oder Breakbeats, oder Leute, die HipHop oder Techno machen. Die versuchen jetzt alle, diese gebrochenen, minimalen Beats zu machen. Ich glaube, dadurch, dass Dubstep und Grime Fusionen aus verschiedenen Musikrichtungen sind, kommen die Leute aus allen möglichen Ecken. Und das ist schön dabei.“

Der Grime aus Deutschland rückt mit seiner fein programmierten Elektronik in Richtung Dubstep. Ich spreche hier vor allem von DJ Maxximus und seinem Berliner Label MG77.

„Hier gibt’s auch so einige Leute, die machen coole Sachen. Die Freak Camp Posse z.B. das ist eine Gruppe hier in Berlin, Dubstep DJs. Eine Partyreihe im WMF hieß Grime Time. In Maria am Ostbahnhof sind ab und zu Sachen – Bass the World findet statt im Josef, im kleinen Club von Maria. Und natürlich seit letztem Jahr alle drei Monate Dubstep-Party im Techno-Club Berghain.“

Er erzählt mir von seinen Plänen, mit anderen Berliner Künstlern eine CD oder sogar ein Doppelalbum herauszubringen. Genug Material hätte er bereits für die Compilation. Es müsste sich nur noch ein Vertrieb finden, der mutig genug ist, diese neue Musik unter die Leute zu bringen.

Lässt sich eine Theorie des Grime formulieren?

„Zum Glück gibt’s immer noch nicht diese Formel, wie man einen Song baut, was wir sehr oft in elektronischer Musik erlebt haben. Denn wenn es diese Formel gibt, dann weißt Du: erst gibt’s das Intro, dann den Break, danach geht’s los, dann nochmal Intro, und dann geht’s volle Kanne los … und das ist bei dieser Musik immer noch nicht so, es ist immer noch sehr experimentierfreudig, immer noch sehr frisch.“

Apropos frisch: was ist eigentlich die Wortbedeutung von Grime?

„Grime ist, wenn Deine Waschmaschine ausläuft, und nach sieben Jahren bewegst Du Deine Waschmaschine aus der Ecke. Das, was Du in der Ecke findest, das ist Grime (lacht).“

Wir hören Phokus aus Hamburg mit seinem Klassiker ‘Dem All Shot’ – zu deutsch: Wir haben alle abgeschossen.

„Die spielen natürlich wieder mit dieser Provokationstechnik, was ja auch Punkrock damals gemacht hat, so zu schocken, deswegen benutzen die auch ziemlich aggressive Texte.“

Zu uns gesellt sich DJane Spoke, um neue Platten zu hören. Sie berichtet von ihrem aktuellen Projekt mit einem Kollegen namens Wasserstoff. Sie arbeiten an einem Sound, den sie TechDub nennen, eine langsame Form von klassischem Techno, gemischt mit Dub und 2step-Einflüssen: „Auf der Party im RAW haben die Leute geschrieen vor Vergnügen! Am Ostersonntag im Rosi’s werde ich unseren neuen zweiten Track zum ersten mal spielen.“

Ich mache mich auf den Heimweg und höre die Abendglocken läuten. Funk, Dub, Disco, Electro, HipHop, House, Techno, Breakbeat, 2step, R’ n’ B, Grime, Dubstep … Diese Begriffe aus 40 Jahren Musikgeschichte umkreisen meinen Kopf wie kleine zwitschernde Vögelchen:

Ob Dean für seine deutsche Grime-Compilation einen Vertrieb finden wird? - Werden die Dubstep-Parties im Berghain auch weiterhin gut besucht sein? - Gibt es eigentlich schon Dub-Jazz? - Habe ich nicht zuhause noch eine CD mit Balkan-Dub? - Und was hat Dean beim Abschied doch gleich gesagt?

„Ich bin sicher, das wird jetzt mehr und mehr, weil, ich merke auch, hier in Deutschland sind mehr und mehr Leute, die das produzieren.“

Radio Electrofunker - Neues Programmschema

Das von Köln aus betriebene Webradio Electrofunker hat sein Programmschema umgekrempelt:

Montags ist es nun soulful und housig gefolgt von einem Latin und Afrotribal angehauchten Dienstag. Der Mittwoch steht im Zeichen von Disco, Funk und Oldschool und der Donnerstag bringt neue Einflüsse aus Electronica, Drum n’ Bass und Breakbeat.

Das Wochenende steht ganz im Zeichen von neuen Techsoundz, Minimal, Electro und Techno, wobei der Sonntag loungig orientiert bleibt. Der Betrieb wurde von 12/12-Stunden-Betrieb auf 24 Stunden umgestellt und die Mixstunden 20-22 Uhr werden von Zeit zu Zeit durch Live-Events ersetzt werden können.

Einfach mal reinhören.

Diggin’ The Crates: Primal Scream - Screamadelica

Just what is it that you want to do? We wanna be free / We wanna be free to do what we wanna do /
And we wanna get loaded / And we wanna have a good time / That’s what we’re gonna do / No way baby lets go / We’re gonna have a good time - We’re gonna have a party
The Wild Angels

Primal Scream sind mir als allererstes in der Provinzdisco meiner Jugend - dem Doch Du in Bocholt - begegnet:

Andrew Weatherall aka Sabres Of Paradise aka Two Lone Swordsmen bearbeitete den Primal Scream Song I’m Losing More Than I’ll Ever Have mit einem Heavy Bass Groove, dem zentralen Sample aus Peter Fondas B-Movie The Wild Angels und einem Drumloop, den er aus dem Soul II Soul-Bootleg von Edie Brickell’s What I Am geklaut hatte.

Das Ergebnis war der Dub-Breakbeat-Rave-Indiepop-Hit Loaded, der die Tanzflächen der Provinz-Oberprimaner auf einen Groove einschwörte.

Soul II Soul hatten den Beat ihrerseits natürlich nicht selbstgebastelt, sondern aus dem Song The Jam von Graham Central Station ab Minute 5:11 gesamplet und phatt editiert. So bleibt offen, woher Weatherall den Beat nun wirklich hatte…

Primal Scream, die Formation um den postmodernen Rockposer Bobby Gillespie, brachten auf dem - von Weatherall produzierten - Album Screamadelica zusammen, was nicht zusammen gehörte: Rock und Psychedelic aus den 60er und 70er, Heavy Dub Bässe, unglaublich langsame Breakbeats, Heroin, Pet Sounds, David Bowie und die Ecstasy-Euphorie der frühen Madchester-Tage. Das Ergebnis: Peace, Love and Happiness

Screamadelica Cover

Screamadelica markierte einen Wendepunkt in der Geschichte moderner Tanzmusiken, indem es der piefigen Indierock-Sackgasse eine offene Schnittstelle, an die faszinierenden Soundwelten von Reggae, Dub, Electronica, Hip Hop und Urban Soul, lieferte und damit musikalische Optionen schuf, die bis heute auf den Dancefloors dieser Welt nachhallen.

Primal Scream haben übrigens gerade ihr neuntes Album Beautiful Future rausgebracht, mit “Poserrock und Angebermucke der sympathischen Sorte” (Spex 9/10 2008).

Tipanic vs Ravissa - Tomorrow [BH002]

Das Wiener Label Big-N-Hairy, selbsterklärt zuständig für Breakbeat von Nu-Skool und New Wave (?) über Bouncing Shit zu Trashy Electro, veröffentlicht am 1. Oktober seine zweite Katalognummer: Tomorrow von Florian Richling aka Tipanic und Nicole Hensei aka Ravissa.

Normalerweise habe ich garnichts gegen den forcierten Crossover von Rockbeats und -gitarren mit einer ordentlichen Rave-Nummer, aber der Tipanic Edit erschreckt mich doch schon in den ersten Takten mit einem gefühlten Sample aus Nick Kamens Ekel-Schmusepop-Nummer I Promised Myself.

Ich mag mich verhören, aber Klangfarbe und Akkordfolge sind doch extrem ähnlich. Ansonsten stompt der Track eigentlich recht ordentlich rotzig voran, der Gesang erinnert an Karl Hyde von Underworld, die ich jedoch immer schon - bis auf das grossartige Born Slippy - für etwas überschätzt gehalten habe.

Trotzdem dürfte der Edit auf Clash-orientierten Tanzflächen durchaus funktional sein, höre ihn nachher nochmal auf ein paar Wodka Cranberry.

Ravissa Bild

Der Ravissa Edit ist elektronischer und mehr in Richtung Tech House orientiert. Die Klampfe fehlt glücklicherweise und der stark breakorientierte Track macht Spass und hat das Potential eine eingeschlafene Party wieder auf den rechten Kurs zu bringen.

Die Tracks sind ordentlich produziert, nur fehlt noch die entscheidende Prise Magie, die aus einem DJ-Tool einen Spätsommerhit macht. Bin gespannt wie sich Label und Künstler weiter entwickeln werden.

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In The Mix: Polarity - Syntax Release Party

Dubstep Releases

Der 1979 in Eisleben geborene Robert Agthe (m.W. nicht verwandt mit Arend Agthe, dem Regisseur der Gruppe Arnold Hau) aka Polarity hat vor einer Wochen sein Album Syntax herausgebracht.

Der Gründer von producer-network.de - der Internetplattform für Produzenten elektronischer Musik - hat bereits auf den hauseigenen Compilations Dubstep Sessions Volume 1&2 kräftig mitgewirkt und auf der Release-Party eine grossartigen Mix aus Drum n’ Bass, Nu-Skool Breakz, Dubstep und House losgelassen.

Polarity klein

Fragt sich nur, warum ich solche Partys immer verpassen und dann bei scheckkartenpunk von diesem grossartigen Mix erfahren muss.

Die Mischung aus allem was Bass hat macht einen Riesenspass und zeigt Einerseits wie wichtig es ist, dass die Subszenen der von Beats und Bass getriebenen Musik ihre Ohren nach allen Seiten offen halten und Zweitens wieviel Potential in der Rhythmussprache von Bass-Driven-Music steckt.

Ich betrachte dieses Potential trotz der mittlerweile mehr als 15 Jahre währenden Geschichte von Jungle / Breakbeat / Big Beat / Wat-weiss-ich-Step / Neurofunk usw. als immer noch vorhanden und ausbaubar in dem Sinne, dass die heute produzierte Musik eines fernen Tages genauso grundlegend klingen könnte wie Stockhausens Synthesizer-Experimente für uns heute.

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Radio Electrofunker - Open Bass Radio

Der Kölner DJ Sondermann, der schon im Dezember des letzten Jahres mit seinem Set Back 2 Life auf realvinylz.de debütierte, hat - zusammen mit einigen anderen - das Webradio Electrofunker aus der Taufe gehoben.

Electrofunker

Streng genommen eine harte Konkurrenz für realvinylz.fm ist Electrofunker jedoch ein richtiges Programmradio und als Forum für suburbane Musik und Underground DJs gedacht. Die Shows bei Radio Electrofunker können direkt im Forum bewertet werden und die DJs bekommen ihr Feedback.

Die Genre-Slots Neurolookz, Metrotribal, Love2Funk, Danceworxx, Houseworxx, Electroluvr, Beatboxer, Breakz n Cuts, Needlehopper, Classic Cutz, Mixtapes, Nightflight und Landfunk Family machen Lust zum Einschalten und mich ein wenig eifersüchtig auf die tolle Formatierung des Sendeplans.

Tune In, Turn On, Drop Out!