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TENORI-ON Launch Event am 8. April 2008

DISK/CTM lädt ein zum Launch-Event des neuen innovativen Musikinstruments von Yamaha, dem TENORI-ON am 8.April 2008 um 20 Uhr im Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Berlin.

Internationale Elektronik-Künstler spielen Live-Konzerte unter Verwendung des TENORI-ON und Toshio Iwai, gefeierter Medienkünstler und Entwickler des TENORI-ON, wird seine Erfindung persönlich vorstellen.

Tenori-On

Programm:

// 20:00 Norman Fairbanks
// 20:30 I Am Robot and Proud
// 21:05 Nathan Michel
// 21:40 Sutekh
// 22:15 Präsentation und Diskussion mit Toshio Iwai
// 23:15 To Rococo Rot
// 00:15 Pole
// 00:50 Stewart Walker

Also eine bunte Mischung aus respektablen Bands und alles für Null Euro!
Näheres über das TENORI-ON gibt es hier.
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pleasespam.us

Mein letzter Eintrag zur Transmediale 08 betrifft das Website-Projekt pleasespam.us von Jonah Brucker-Cohen, der seine Arbeit rund um “dekonstruierende Netzwerke” ansiedelt.

Please Spam Us

pleasespam.us ist ein kollaboratives Webprojekt, bei dem die User “spamwürdige” e-mail-Adressen vorschlagen sollen, welche dann auf der Mainpage gelistet werden, die wiederrum massiv Spambots anzieht.

Spam wird in Brucker-Cohens Projekt als kulturelles und soziales Tool eingesetzt um eine Debatte über e-mail als Kommunikationsmittel anzuregen. Die Funktion von e-mail als Massenmedium und die Art und Weise wie Spambots funktionieren und wie man sie behindern kann, soll in das Bewußtsein der User rücken.

Weitere Arbeiten von Jonah Brucker-Cohen finden sich auf seiner Website coin-operated.com
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Structural Poetics - Elesyn 15.625 / Orchid

Im vorletzten Filmprogramm der Transmediale 08 mit dem Titel CP09: Structural Poetics stachen für mich besonders zwei Arbeiten hervor: Elesyn 15.625 von Billy Roisz und Orchid von Nicolas Bernier.

Elesyn Screenshot

Als ‘elektrische Synästhesie’ bezeichnet Roisz ihr zehnminütiges Werk Elesyn 15.625 und tatsächlich hat hier jedes Audiobrummen, jedes Videofeedback, jeder Schaltungsknackser seine visuelle Entsprechung. Von schwarz-weißer geometrischer Strenge bis hin zu farbenfrohen, expressionistischen Moirés wird das komplette Sammelsurium elektromagnetischer (Stör)signale zu einer humorvollen Bildkomposition kompiliert.

Trotz des minimalistische Duktus, der bei vielen derartigen Arbeiten schnell anstrengend wirkt, kann der Zuschauer sich gegen Ende das Lachen nicht verkneifen. Immer wieder bricht in die schwarzen Zäsuren ein fiepsender Irrwitz ein, der fast organisch wirkt. Leider liefert das abgefilmte Video nur eine blassen Ahnung des tollen Gesamteindrucks.

Orchid von Nicolas Bernier besteht aus fotografische Stills die in klassischer Weise zum musikalischen Rhythmus synchronisiert werden. Bernier hat elektroakustische Musik an der Universität von Montreal studiert. Seine Kompositionen verorten sich zwischen organischen Klangquellen und digitalem Processing, ähnlich wie sein visuelles Material. 2006 hat er das Künstlerkollektiv Ekumen gegründet.


Nicolas Bernier - Treelogy III : Orchid
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The Co-Opting Strategies Salon: picidae.net

Die Internetaktivisten Christoph Wachter und Mathias Jud von picidae.net haben im Bilderberg-Salon der Transmediale 08 ihre Lösung für die omnipräsente Internetzensur vorgestellt.

Censor Banner

Die beiden haben - inspiriert von den Berliner Mauerspechten - ein System entwickelt, mit dem die Einwohner aus von Internetzensur betroffenen Gebieten, diese Zensur umgehen können. Sie führten mit einer Live-Anfrage nach dem chinesischen Wort für Massaker auf der Suchmaschine baidu.com vor, wie schnell nach einer unerlaubten Suchanfrage der Zugang durch das chinesische Backbone geblockt werden kann.

picidae.net verschlüsselt den eingebenen URL und wandelt die angefragte Seite in ein Bild um, das an den Browser zurückgesendet wird. Durch Imagemaps ist auch ein Surfen auf dieser Abbild-Seite möglich. Auch Formulare können ausgefüllt werden, um - z.B. von China aus - eine Suchanfrage auf Suchmaschinen außerhalb des von Zensur betroffenen Gebietes zu machen.

Aber nicht nur in Kuba, Iran, Tunesien und Saudi-Arabien, auch in Deutschland, Frankreich und der Schweiz gebe es unterdrückte Internetseiten, betonen die beiden.

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The Lud/d/ic Society Control Room: Google Inc.

Der Medienaktionist Hans Bernhard, Hacking Activist Paolo Cirio und Grischinka Teufl referierten im Bilderberg-Salon der Transmediale 08 - im Rahmen des Lud/d/ic Society Control Room über Google Inc. als globales konspiratives Phänomen.

Als Einstimmung in das Thema wurde der Kurzfilm Master Plan von Ozan Halici und Jürgen Mayer gezeigt, der auf dem Buch Die Google-Story von David A. Vise und Mark Malseed basiert.

Master Plan

Zunächst gingen Hans Bernhard und Paolo Cirico auf ihr Projekt GWEI - Google Will Eat Itself ein, das auch in meinem Interview mit Bernhard behandelt wurde.

GWEI Interview

Während des Projektes hat sich das nette, servicefreundliche Image von Google für die GWEI-Aktionisten als immer agressiver dargestellt. Redaktionen wie z.B. Wired zogen die Berichterstattung über das Projekt zurück, laut Bernhards Vermutung aus Angst des Verlages Condé Nast eine wichtige Einnahmequelle durch Google-Ads zu verlieren.

Grischinka Teufl fragte anschließen, was eigentlich der Preis für Googles frei erhältlichen Service sei. Seine These: Google benutzt seine User als human resource für Daten und Informationen. Der ausführliche Vortrag findet sich hier.

Bis heute hat GWEI 611 Google-Aktien gekauft, was 336.318,84 US$ entspricht. Es wird noch 202.345.119 Jahre dauern bis GWEI die Firma Google ganz erworben haben wird.

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D.A. Pennebaker - Daybreak Express

Im Filmprogramm A Decade Called ‘X’, das auf der Transmediale 08 von Marcel Schwierin kuratiert wurde, lief ein äußerst smarter Film von Donn Alan Pennebaker.

Zur Musik von Duke Ellington hat der Direct Cinema-Vertreter eine avantgardistische Montage von atemberaubenden Bildern erstellt, die vielleicht das erste Musikvideo der Welt darstellt.

Daybreak Express (1953)

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The Greying Of The Commons

Der Autor und Kulturtheoretiker Felix Stadler und der Soziologe und Medienforscher Volker Grassmuck moderierten die Session 03: Greying of The Commons: IP, The Law and The Street auf der Transmediale 08.

Transmediale Session 3

Als erste Teilnehmerin sprach Eva Lichtenberger, die für die österreichischen Die Grünen im Europäischen Parlament als Abgeordnete sitzt und Mitglied der Initative Open Mind - Open Source - Open Europe ist.

Als größtes Problem nannte Lichtenberger den Umstand, dass die EU versuche den Unterschied zwischen materiellen Gütern und nicht-materiellen Gütern wie Software, Musik und Video zu verwischen. Dies geschehe oft aus Unkenntnis seitens der darüber entscheidenden Politiker über die sozialen Praxen in der jüngeren Generation. Von der Gleichsetzung materieller und nicht-materieller Güter, sei der Schritt zu einer Kriminalisierung von Peer2Peer-Usern nicht mehr weit.
Die Kampagne: I Wouldn’t Steal, I Share soll hier aufklären.

Intellectual Property Rights stehen laut Lichtenberger, durchaus im Fokus des EU-Parlaments, u.a. auch als neues Machtinstrument der sog. entwickelten Welt gegenüber der sog. Dritten Welt.

Der für Binnenmarkt und Dienstleistung zuständige EU-Kommissar Charlie McCreevy sähe die Massenklagen gegen Downloader gar als neue Einkommensquelle. Lichtenberger machte dagegen den Vorschlag, private User aus dem Strafrecht auszuklammern. Die Legislative müsse dringend darauf hingewiesen werden, das Rechtsprechung nicht gegen die herrschende soziale Praxis erfolgen könne.

Als nächster Teilnehmer sprach Rasmus Fleischer vom schwedischen Piratenradio Piratbyran. Er berichtete zunächst über den merkwürdigen Umstand, dass ein Index-Archiv für frei erhältliche Files im Internet - wie PirateBay - von den schwedischen Behörden gesperrt werden soll, während ein kommerzieller Anbieter wie rapidshare illegalen digitalen Content zum Download gegen Geld anbietet und bis heute unangetastet blieb. Auch Google würde schließlich Piraten-Files indizieren und verlinken.

Die File Sharing Debatte bezeichnete Fleischer als

“strange theatre where nobody knows where’s the stage or who are the actors”

Weiter berichtete er von der geplanten ISP-Responsibility, also der Verantwortung der Internet Service Provider bestimmte Inhalte zu blocken oder zu filtern. Dies würde bedeuten, dass die ISPs gezwungen werden, Filesharern den Zugang zum Internet zu verweigern und in letzter Konsequenz eine Blacklist zu veröffentlichen, die an alle ISPs weitergegeben wird.

Fleischer schloß seinen Beitrag mit der Frage ob man wirklich in das Spektakel der Debatte um Copyright Issues einsteigen solle, oder ob es nicht eher darauf ankäme, genauere Gesetze zu schaffen, die die verschiedenen Kontexte kultureller Produktion berücksichtigen.

Der Chef des Musiklabels Hausmusik, Wolfgang Petters, dessen Label aufgrund der Einbußen durch illegale Downloads dichtmachen mußte, sprach von einem Verkauf von 600 Millionen physikalischen Tonträgern im Jahre 2007 und somit einem Rückgang von 40% seit 2003. Der digitale Download sei aber keine Lösung oder Ersatz für physikalische Tonträger. Die neue Generation habe noch nie Geld für Musik ausgegeben und private Musikpiraterie würde deshalb irgendwann zwangsläufig legal werden müssen. Die geschäftliche Nutzung werde aber zu bezahlen sein.

Für die Musiker ist das laut Petters jedoch keine Katastrophe, da diese nur eine Homepage, einen Merchandiser, ein Mailoderlisting, einen Downloadanbieter und einen Konzertveranstalter bräuchten, um sogar mehr Geld zu verdienen als vorher. Der Erlös durch den Verkauf von Tonträgern sei früher eh von Vertrieb, Label usw. aufgefressen worden.

Als Beispiel nannte Petters Madonna, die durch den Verkauf von 1,7 Mio Einheiten ihrer letzten Platte ca. 2 Mio US$ verdient haben dürfte. Dem gegenüber stünden 200 Mio US$ durch den Erlös aus dem Verkauf von Konzertkarten.

Wieder sprach er von einer Legalisierung des privaten Gebrauchs und einer kostenpflichtigen kommerziellen Nutzung, wozu durchaus auch werbefinanzierte Seiten wie myspace gehören sollten.

Abschließend erwähnte er noch den Download-Anbieter Qtrax, der mit 25 Mio. Tracks zum freien Download wirbt und sich durch Werbebanner finanziert. Qtrax behauptete Veträge mit allen Rechteinhabern geschlossen zu haben, was aber bereits heftig dementiert wurde.

Der Regisseur Alan Toner, der die Filme Steal This Film I und II produziert hat, sprach als nächster Teilnehmer.

Steal This Film 2 - Part I

Toner berichtete aus dem fiktiven Tagebuch eines p2p-Users. Dabei bestand auch er auf einem großen Unterschied zwischen Direct Download-Anbietern wie rapidshare und megaupload und p2p-Netzwerken.

Den Umstand, dass es 32.000 Stunden Videomaterial im Netzwerk gebe, bezeichnete er als philosophisches Problem, da kein Mensch dies alles sichten, geschweige denn verarbeiten könne. Abschließend erwähnte er noch die - seiner Ansicht nach - bereits erfolgte Demokratisierung der Produktion, Distribution und Aufführung von Film, exemplarisch am Berliner Projekt pirate cinema.

Steal This Film II

Volker Grassmuck, der als Respondent fungierte, führte, als Lösung für das debattierte Problem, das Modell der Content Flatrate ins Feld. Da die Industrie habe lernen müssen, dass Datenkrytographie von Massenkonsumwaren sinnlos ist (die Softwareindustrie in den 80iger und die Musikindustrie in den 00er Jahren), sei dies das einzig realistische Modell. Viele Internet-User seien bereit eine monatliche Gebühr für eine Content-Flatrate zu bezahlen.

Als kleinen Erfolg wertete er das neue Copyright-Gesetz in Deutschland vom 1ten Januar 2008, das DRM geschützte Werke aus der Teilhabe an der Gebühr ausschließt, die allgemein auf den Verkauf von leeren Datenträgern wie CD und DVD erhoben wird. Dies zwänge die Content-Provider sich zwischen DRM oder den Einnahmen aus Mediumverkäufen zu entscheiden.

Tim Renner, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Universal Music Group, habe erst kürzlich gesagt, das eine Flatrate das Modell sei, das dem Internet und seinem Spirit am ehesten gerecht werde. Argumente für eine Flatrate fänden sich auch auf der Site songwriter.ca.

Die Lösung von Nokia, die mit der neuen M-Serie eine Flatrate für Universal Content anbieten (wofür sie 5$ pro Monat und Kunden an Universal bezahlen), nannte Grassmuck als Negativbeispiel, da der Erlös einer Flatrate gerecht aufgeschlüsselt werden müsse.

Als ich nach dem Transmediale-Tag nach Hause fuhr, beobachtet ich drei ca. 14jährige Jugendliche beim gemeinsamen Hören ihrer mp3-Bibliothek. Das Mädchen entschuldigte sich bei ihren Freunden mit folgenden Worten:

“Die Lieder sind alle ein bisschen alt, weil ich nichts mehr aus dem Internet runterlade. Ich hatte Angst, dass die mich erwischen und da habe ich alle Programme von meinem Computer gelöscht.”

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