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Creative Commons stellen Sampling Plus-Lizenz ein

Zu meinem großen Bedauern mußte ich am Freitag feststellen, dass Creative Commons die Sampling Plus-Lizenz eingestellt haben. Sampling Plus war eine Lizenz die wie geschaffen für das Remix- und Mashup-Zeitalter war, das ja jetzt auch im Suhrkamp-Verlag angekommen ist. Nur mit der, von der kalifornischen Avantgarde-Band Negativland mitentwickelten, Sampling Plus-Lizenz war es möglich die kreative Transformation eines Werkes für kommerzielle Zwecke zu erlauben und gleichzeitig 1:1-Kopien für kommerzielle Zwecke zu untersagen. Wie gesagt: Wie geschaffen für das Remix-Zeitalter.

Außerdem hatten Negativland den Passus “You may not use this work to advertise for or promote anything but the work you create from it” einfügen lassen, um die Nutzung für Werbung zu unterbinden. Dazu Mark Hosler in diesem YouTube-Video ab 5:17 min.:

Die Gründe für die Aufgabe von Sampling Plus werden hier dargelegt, sind aber keineswegs zufriedenstellend.

Es gibt nun keine Lizenz mehr die ganze Werke wie Videoclips, Songs oder Texte vor ungewollter kommerzieller Verwendung durch Dritte schützt UND es gleichzeitig erlaubt aus ihnen zu samplen, zu remixen oder ein Mashup zu erstellen und dies kommerziell zu verwerten. Dies wäre aber meiner Ansicht nach eine notwendige Bedingung um dem Begriff commons gerecht zu werden, der ursprünglich den Teil des Gemeindevermögens bezeichnete “an dem alle Gemeindemitglieder das Recht zur Nutzung haben.” Ich habe zum Beispiel kein Interesse daran, dass Dritte meinen Film ‘Culture Jamming” kopieren und kommerziell aufführen, aber würde einen Remix sehr begrüßen. Wenn endlich Begriffsklarheit zwischen Kopie, Plagiat, Remix und Mashup herrscht, dürfte die Sampling Plus-Lizenz auch weiter an Bedeutung gewinnen.

Creative Commons schreiben in der der Begründung es gebe eine ungenügende Nachfrage nach dieser Lizenz, was insofern komisch klingt, als dass sie diese Lizenz schon seit über einem Jahr in ihrer “Choose A License“-Rubrik NICHT mehr angeboten haben. So kam man vor allem auf den Seiten ccmixter.org und freesound.org mit dieser Lizenz in Berührung.

Freesound sei aber die “only major site using sampling+” gewesen und habe jetzt auf die “BY” und “BY-NC”-Lizenzen umgestellt. (Mehr zu den Lizenzen hier) Das ist natürlich kein gutes Beispiel, da auf Freesound größtenteils Samples angeboten werden und keine “eigenständigen Werke”. Dass die Nutzer dieser Seite mit einer speziellen Sampling Plus-Lizenz nicht viel anfangen konnten, kann kein Argument sein. Ein Film wie “A Remix Manifesto” ist ohne diese Lizenz nicht denkbar.

Ein weiterer Grund sei die “schwierige” Implementierung in einen simplen “machine-readable”-Code, was irgendwie fadenscheinig klingt, sollte doch die Lizenz die Technik bestimmen und nicht umgekehrt selbige von technischen Möglichkeiten eingeschränkt werden.

Ich hoffe wirklich, dass Creative Commons auf längere Sicht wieder eine Lizenz schaffen die wortgetreue Kopien für kommerzielle Zwecke untersagt UND gleichzeitig das Remixen für kommerzielle Zwecke erlaubt. Das ist die einzig sinnvolle Lizenz für das Remix-Zeitalter!!!

Wer will kann hier einen entsprechenden Kommentar hinterlassen…

Update (15.09.2011): Mike Linksvayer, der Vize-Präsident von Creative Commons, hat mir versichert, dass man die Sampling Plus-Lizenz trotzdem weiterhin verwenden kann und mir die Nutzung einer BY-NC Lizenz mit separater Erlaubnis für kommerzielle Remixe empfohlen.

Everything is a Remix - Part One

Everything is a Remix from Kirby Ferguson on Vimeo.

Platte des Tages: Soulchef - Remember When [Kitchen Dip]

soulchef

Ich sollte mehr Machtdose hören. Denn was Roland da an unter Creative Commons lizensierter Musik vorstellt, hat es häufig mehr verdient gehört zu werden, als Platten die einem Musikmagazine nahebringen wollen. Gestern habe ich dadurch das Netlabel Kitchen Dip Recordings entdeckt. Und dort auch gleich ein wundervolles HipHop-Album von Soulchef.

‘Remember When’ heißt es und erinnert sogleich an Souls of Mischief. An Abende während der Realschulzeit, die zugleich auch die Golden Era of HipHop war, als wir uns ‘Menace to Society’, ‘Boys in da Hood’, ‘Who’s the Man?’ und andere Ghetto-Filme reinzogen, als Mainz und Wiesbaden noch ihre eigenen Plattenläden für diese Musik hatten und Becks noch keinem multinationalem Großkonzern angehörte.

Download for Free

Collage culturel auf ARTE Creative

Für alle die es noch nicht wussten: ARTE plant einen neue Kreativplattform die Mitte diesen Monats Online gehen soll. Head Honcho ist der bestimmt vielen realvinylz-Lesern bekannte Blogger und Autor Alain Bieber von rebel:art, der seit Jahren fest in der Street Art-, Culture Jamming- und Netart-Szene verankert ist. Eine Selbstbeschreibung lautet wie folgt:

ARTE Creative ist ein internationales, redaktionell betreutes und interaktives Netzwerk für Künstler, Kreative, Kulturproduzenten und alle, die sich gerne überraschen und inspirieren lassen. ARTE Creative präsentiert qualitativ herausragende Arbeiten aus den Bereichen Kunst, Popkultur, Design und Architektur: Alle kreativen Felder von Fotografie, Malerei, Street Art, New Media, Netzkunst, Videokunst über Musik, Werbung, Gaming bis hin zu Grafik-, Produkt- und Webdesign, Typografie werden abgedeckt.

JUST wird in seiner Web-Doku “On the run with” Street Artists mit der Kamera begleiten, der Künstlerische Leiter der transmediale, Stephan Kovats, wird zur transmediale einen Festival-Channel moderieren und ich werde das Remix/Creative Commons/Mash-Up Format Collage culturel beisteuern:

Remixen ist die prägende Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. Collage culturel begibt sich auf die Suche nach der perfekten Verbindung der Stile, dem perfektem Beat und der perfekten Collage. Die Form ist der Inhalt: Collage culturel remixt sich permanent selbst. Die User erstellen einen wilden Mash-Up von Bild und Sound. Los geht’s mit dem Bootleg DJ Shir Khan, dem kalifornische Collagekünstler Thomas Chapman und den Berliner Modedesignerinnen c.neeon.

Der Künstler jeder Folge hinterlässt gegen Ende der Episode einen Musikschnipsel, ein Graffiti-Tag, einen Entwurf oder eine Skizze. Das Material das die Künstler zur Verfügung stellen steht zum Download auf ARTE Creative bereit. Die User können daraus einen eigenen Track unter Creative Commons-Lizenz produzieren und über eine Dropbox wieder ins Internet hochladen. Der beste Remix wird zum Titeltrack der nächsten Episode. Die beste Grafikbearbeitung kommt in den Vorspann und das Screendesign der Doku. Die User generieren den Inhalt von Folge zu Folge dynamisch neu.

Ich würde mich freuen auch einige realvinylz-Leser mit an Bord zu haben, ob als Remixer oder als Protagonisten. Wer in irgendeiner Weise mit Collage, Mash-Up oder Remix zu tun hat kann mir eine e-mail mit kurzem Profil schicken und wir werden in Kontakt treten.

P.S: Ab dem Start der Website wird meine Doku ‘Culture Jamming‘ auch endlich online verfügbar sein.

{Contains samples of the video “Nikeground – Rethinking Space” of Institute For New Culture Technologies}

Platte des Tages: Mosaik - Leandi [Soft Phase 008]

softphase008.jpg

‘So, here it is. Leandi is my spring and summer of 2009. More specifically it’s my most sincere release in a very long time. It’s the result of looking at the creation process in a different light, without engaging in reasoning and just letting the music come as it may. Normally I would venture into more ambient landscapes and experimental sounds, but I wanted this release to be simple and open. Heavily inspired by childhood, fatherhood, watching my son grow up, play, communicate and learn the ways of the world’, so der Schwede Radix aka Mosaik über seine EP Leandi.

Gerade dieses kindhafte, spielerisch-leichte erinnert stark an die melodischen Werke auf Warp Records in den 90ern. Das klingt wie Plaid in ihren fröhlichen Momenten, ohne deren Komplexität in den Klangschichtungen und Hallräumen, aber auch das endlos-träumerische, das stellenweise auf µ-Ziqs 97er Album Lunatic Harness zu hören ist, ist besonders im Titeltrack spürbar, wo sich dann doch kurz vor Schluss wieder alles verdreht und man sich nichts sehnlicher wünscht, als das es noch ein paar Stunden so weiter geht.

Einziger Wermutstropfen ist, dass zwischendurch ein leichtes New-Age-Feeling aufkommt. Das kann noch schneller als bei Trance zum völligen Abturn führen.

Disclaimer: Bin gerade unterwegs und auf die Boxen des Laptops angewiesen. Ob die EP auf einer richtigen Anlage besser oder schlechter klingt, bleibt abzuwarten.

Release under CreativeCommons via Soft Phase [Direct Download]

Klassik ist das neue Chillout: Bosques de mi Mente

Ralf Hildenbeutels und Sven Weisemanns Alben waren an sich schon eine Offenbarung. Der Spanier Bosques de mi Mente toppt das Level der beiden jedoch um ein vielfaches. Solch verschrobene Klassik, die auch gerne mit Minimal-Musik oder Tape-Musik vermischt wird, kam mir bisher höchstens bei Aphex Twins ‘Avril 14th‘ unter.

Auf Lo-Fi, seinem 2008er Werk (erschienen unter CreativeCommons auf Clinical Archives) wechseln sich die Stücke in spielender Leichtigkeit ab. Manchmal dürfen es auch ein wenig Schlagzeug und Umweltgeräusche sein, die dann wieder durch eine ungemeine Sanftheit abgewechselt werden.

Höhepunkte sind sicherlich die beiden Tracks zu den geposteten Videos. In Ersterem wird die Melodie, die stundenlang so weitergehen könnte von metallisch-ziependen Geräuschen getragen, die den enormen Reiz ausmachen, während im Zweiten ein Meeresrauschen die Gleitfunktion übernimmt und mit den schönsten Walgesängen seit ‘Remember Exxon Valdez‘ unterlegt wird.

Insgesamt ist LoFi ein Ausnahmealbum, das man jedem CreativeCommons-Skeptiker empfehlen kann, um die Qualität von “verschenkter Musik” unter Beweis zu stellen.

[Direkt-Download]

ne:o - Illoj [aaahh.004]

neoilloj.jpg

Die kryptische Titelbezeichnung will so garnicht zur Musik passen die die Fünf spielen. Und wenn ich jetzt sage, dass sie spielerischen, locker-unterhaltenden Pop-Rock machen, dann klingt das zuerst wie eine Beleidigung, obwohl doch das Gegenteil beabsichtigt ist.

ne:o klingen frisch und sind für mich das Highlight des Netaudio-Festivals im Oktober in der Maria gewesen. Dabei ist es umso schöner, dass sie ihre Musik unter CC verschenken. Sonst tun dies meist nur Musiker aus dem (voll-)elektronischen Bereich.

Labelseite, Direkt-Download