Entries Tagged as 'cutup'

V.A. - Klamauk 004

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Vier mal Mainzer Microfunk auf der neuen Klamauk. Ganz Zirkuszelt mit CutUp-Trompete als Elefantenverschnitt und einer gehörigen Portion Funk, in der sich die Roncalli-Polka freudig ereignet, ist Michael Fluhrs Ape Shave. Weniger Zirkuszelt- als mehr Flussdelta-Erinnerungen kommen bei Cellule Eat auf: Knappe Streicher und ein rauherer Beat erfreuen hier den Tanztee.

Mehr Schlachtbuffet dann bei ARK. Der Pariser Zappelphillip bleibt hier erstaunlich ruhig, lässt aber seinen Bewegungstrieb im Unterbewussten – nämlich der Green-Velvet-mäßig rumorenden Bassline – freien Lauf. Klingt dadurch unheimlich erwachsen und straight. Besonders die Bassdrum ist schön schmutzig.

Bei Paradroid kommt wie immer eine ganze Spielhalle zum Einsatz. Ein flirrendes 8-Bit-Gewitter, das in seiner Retromanie den klassischen Brighton-Sound aufnimmt und für Paradroid ungewohnt melodiös klingt. Sehr schöne EP, nicht nur wegen der handbemalten Cover.

Hören und Kaufen

V.A. - Redefinition 2 [Unoiki, UI004]

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Von manchen Klischees kommt man jahrelang nicht weg, weil sie sich häufig bewahrheiten. So auch hier wieder: Experimentelle Elektronika passt einfach besser zum Winter. Zum einen das Knistern, Klirren, Fiepsen, das Abstrakte, zum anderen die Wärme, die diese Musik trotz digitaler Kälte erzeugt. Hier sind ganz klar die Stärken des Sounds aber auch des Labels Unoiki. Redefinition heißt das Konzept, bei dem die ansässigen Künstler sich selbst remixen.

Schon das Slowmotion-Schlachtfilm-Intro bei dem düstere Fanfaren auf Lithium erscheinen, zieht einen in die Welt von IDM, Glitch, Clicks n’ Cuts und experimentellem Techno/House. Weiter geht es von froschigem CutUp über klonkigem House hin zu Storlons Click-Armada im Berk-Remix. Favorit ist Cleymoores Remix von Sul.a, der die Verträumtheit positiver Melancholie, begleitet von abstrakten Sounds, wie kein anderer versteht. Killer.

Urbanoise, der Keinzweiter bearbeitete, schafft den Spagat von Experimentell zu Dubstep auf eine Art, die man bei den bekannten Detroitsteppern nicht findet. Und J-Labs “Doubt” findet in The Marx Trukker das richtige kulturelle Kapital, um den Track wintertauglich mit Warp-Erinnerungen zu machen. Großartig, genauso wie das Packaging und Artwork.

Hören und Kaufen

Lavajaz - Debut [Spontan Musik, SMV018]

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Lavajaz aka Tobias Lorsbach aka Keinzweiter veröffentlicht zwei Jahre nach seiner ‘Globus Cassus’-LP erneut ein Album. Und das Alter lässt seine Ambivalenzen auch nicht weniger werden. Statt Sci-Fi- und Singularitätsattitüde nun der Überfall auf das Binger Jazzfestival. Kein Problem als Altrheinbewohner mit eigenem Boot.

Lavajaz - Supra by spontanMusik

Und so klingt das Album dann auch, als ob er das Festival samplete, die Aufnahmen durch einen Hecksler jagte und anschließend in akribisch-mainzer Microfunk-Manier wieder zusammengeklebt hätte. Bis auf zwei tanzbare Tracks, ist das “Debut” bewusst ruhig gehalten und lässt den Jazz für sich sprechen. Manchmal schon stark mit elektronischen Sounds versetzt, sind es bei den anderen Tracks fast ausschließlich Originalsamples, die neu arrangiert wurden und das Ganze organischer einfärben.

Höhepunkte sicherlich ‘The weird Wire’, die – und wieder – Orgel bei ‘Flyin’ und das an französisches Cut-Up erinnernde ‘Missing’. Mein Album des Monats und trotz des Alters mancher Tracks um vieles frischer als die Konkurrenz.

Spontan Musik

Ingern - Irregularity Motions [Spontan Musik 013]

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Zwischen den 8-Bit-Eulen die permanent durch die Gegend flirren findet sich in diesem düsternen japanischen Cut-Up-Wald auch die ein oder andere Lichtung die mit mood-endem Moos bedeckt für ein wenig Wärme auf dem ansonsten durchweg permafrostigen Boden sorgen. Diese Art der Ästhetik die sich von den anderen Spontan-VÖs abhebt, erinnert noch am ehesten an Paradrois Werke.

Die Bassdrums auf dem Debut-Album des 23-jährigen Japaners Ingern sind dabei nicht kickend, sondern sanft im Hintergrund verfangen, was ihn für das heimelige Hören prädestiniert - mit Ausnahme von ‘9:35 pm’, das im richtigen (verspulten) Moment durchaus tanzflächenkompatibel ist. Highlights sind sicherlich das sanfttragende ‘miba’ und das gehirnjoggende ’schwarzer Tag’. Ein mehr als gelungenes Mini-Album für Freunde des Mainzer Frickel-Sounds.

Zum Anhören

Coldcut vs TV Sheriff - Revolution ‘08

A drum+bass powered all-out AV assault on an American media machine now in psychotic overdrive for the Presidential election. A 10000-frame crash edit comedy celebration of the blatant corruption, warmongering, florid insanity and plain good old smelly bullshit that characterises the cultural landscape of the world’s most confused country. 21st century satire is alive and well.

So großmäulig kündigen Coldcut das Wahlkampfvideo-CutUp an, das sie zusammen mit TV Sheriff gemixt haben. Nachdem sie bereits ihre Seele - in Form der Instrumental-Version von “Walk A Mile In My Shoes” - als Werbesong an den Handyprovider O2 verkauft haben, wollen sie nun erneut die Weltrevolution vorantreiben.

Burroughs beschrieb 1970 in seinem Buch Die elektronische Revolution, wie man einen Politiker mit Hilfe von Tonbandaufnahmen in den Wahnsinn treiben kann:

Wir haben also Tonbandgeräte. Und damit werden wir jetzt einen einfache Wortvirus herstellen.

Nehmen wir mal an, wir haben es auf einen politischen Gegner abgesehen. Auf Tonbandgerät Eins nehmen wir seine Reden und seine Privatgespräche auf und schneiden zusätzlich noch Stottern,Versprecher und mißglückte Formulierungen rein - und zwar die schlimmsten, die wir auftreiben können.

Auf T-2 nehmen wir ein Sex-Tape auf, indem wir sein Schlafzimmer abhören. Wir können das noch potenzieren, indem wir ihm Tonmaterial von einem Sexpartner unterjubeln, der für ihn normalerweise nicht zulässig wäre - z.B. seine minderjährige Tochter.

Auf T-3 nehmen wir empörte und haßerfüllte Stimmen auf. Jetzt zerlegen wir diese drei Aufnahmen in kleinste Bestandteile und setzen diese dann in willkürlicher Reihenfolge wieder zusammen. Und das spielen wir jetzt unserem Politiker und seinen Wählern vor.

Bei Coldcut kommt dabei ein mittelorigineller Drum n’ Bass-Track mit amerikakritischem (Uh!) Inhalt und eine Mini-Website mit ein paar schicken Bannern heraus.

The Revolution Will Be Televised? Eine Nummer kleiner geht auch, in Europa Obama-Anhänger sein ist keine Weltrevolution und Amerika als the world’s most confused country zu bezeichnen ist chauvinistisch und kontra-revolutionär…