Techno-Klassik mal umgedreht. Die meisten Versuche Klassik und Techno zusammenzubringen, mündeten oft darin, dass sich Technoartists in den Feuilletons des Bürgertums umschauten und nach kooperationswilligen Partnern suchten, um dann entweder mit ihren Mitteln klassische Musik zu interpretieren (Craig & Oswald) oder sie ihrerseits interpretieren zu lassen (Jeff Mills).
Die zehn Finnen vom Acid Symphonic Orchestra scheren sich darum wahrscheinlich einen Dreck. Warum nicht einfach die symbolischen Elemente beider Welten zusammenbringen um damit die Rahmen beider Kulturen zu dekonstruieren, einfach weil es sich anbietet? Gerade die 303 ist dafür perfekt geeignet. Schwer symbolisch überfrachtet (und das seit schon seit einem Vierteljahrhundert) wird um sie genauso ein Geschiss gemacht wie um die Stradivari-Geige. Klanglich eignet sie sich durch ihre ‘Eintönigkeit’ ebenso zum parallelen Nebeneinanderlaufen. Das haben Hardfloor zwar schon 1993 gemacht, aber ohne das bildliche Spektakel.
So hat das Acid-Orchester den Überraschungseffekt sicher, während es klanglich nichts Neues zu bieten hat. Vielmehr wird alles was die 303 kann, in eine Symphonie gepackt. Treffsicher, tight und groovig ist das allemal.
Noch sinnlicher wird die 303 bei Gina V. D’Orio eingesetzt. Zusammen mit dem Acid-Wizard Like A Tim, coverten sie unter dem Titel Bassgirl 60s-Girlgroup-Classics.
Aus der tiefsten niedersächsischen Provinz in der Pferdestadt Verden entstand der funkigste 303-Poptrack - und ich bin mir total sicher, dass dies eine TB ist - der auch heute noch beim Weggehen funktionieren würde. Wohl Anfang der 80er singen die Mädels und Jungs davon, wie eine Disco-Nacht in der Reiterstadt aussieht und dass dies abseits der subkulturellen Großstadtzentren John Travoltas ‘Saturday Night Fever’ noch das Nonplusultra war.
Feiertechnisch vielleicht unterlegen sind sie der blasierten Untergrundelite musikalisch um Jahre voraus. Nicht in Berlin, nicht in Frankfurt, sondern auf dem Land wird die 303 für das eingesetzt, das sie am besten kann. Funkig sein, auch ohne Resonanzfiltergedrehe, dazu ein hüftschwingender Fast-Electrobeat, der durch ein paar Westerngitarren-Parts genau das Quentchen an Provinzialität bekommt, um den eigenwilligen Hitcharakter zu unterstreichen.
Lipservice ist das neue Label der Chickenlips und springt erstmal in die frühesten 80er zurück. NoWave, Disco, Cowbell, Italo bunt zusammengewürfelt, groovig, macht Laune und reduziert sich auf das Nötigste, ohne minimal zu wirken. Bei ‘Robot Eyes’ wird im Vergleich zu ‘Robot Lips’ einfach ein wenig mehr Kraftwerk und eine ganz unauffällige 303 eingefügt, die keine Anstalten macht, nach Acid klingen zu wollen. Allerliebst mit der zuckersüßen Melodie.
Koteys Mix von ‘Feast Of Freeks’ ist der passende Kontrast dazu. Ein wenig Dub-Echo und eine dreckige verzerrte Bassgitarre untenrum, aufgedrehte Filter oben, aber keine NuRave-Peinlichkeiten, werden noch einige Tanzflächen rocken. Solider Start.
Techno ist neben der Musik vor allem auch eine Art des Feierns. Spaß, Hedonismus und Unvernunft treibt uns viele Wochenenden in die Clubs. Dabei geht es mitunter ganz schön humorlos zu, wenn dann im Endeffekt viele mit Sonnenbrille am Rumposen sind. “Im Techno nehmen sich manche auch immer sehr ernst und man kann das auch ein bisschen von der spaßigen Seite sehen”, erzählt uns ein gut gelaunter Harry Axt, der in einem Grand-Petrol-Video auch gerne mal einen Ein-Mann-Balkon-Rave inszeniert und dessen Name so unverfroren bodenständig klingt, als müsste er aussehen wie das deutsche Pendant zu Albert “Al” Borland aus der Serie “Hör mal, wer da hämmert”.
Hämmern tut es natürlich schon bei ihm, aber längst nicht so grobschlächtig, wie es der Name vermuten lässt. Das rote Karohemd, dass zwar wieder gut zu einem grundkonservativen Lebensstil passen würde, wird eben nicht durch einen wohlgenährten Bauch ausladend nach vorne zur Schau gestellt, sondern durch eine viel zu kleine Lederjacke aufs Korn genommen, die man sich gerne als Karnevalskostüm wünscht. Die knallenge Lackhose tut ihr übriges.
Aber Harry Axt ist ja auch Daniel Steinberg, der dem tranfunzeligen Minimal dieser Tage einen ordentlichen Schuss Chicago, Cut-Up und locker-hüftschwingende Housegrooves hinzufügt. Das funktioniert und hat Humor. Ob als DS auf Overdrive, als Daniel Steinberg auf Frontroom und Style Rockets oder eben als Harry Axt auf Grand Petrol und Kiddaz.fm. Da wundert es nicht, dass seine frühen Einflüsse neben den ersten Acidhouse-Platten, Phuture und Strictly Rhythm auch die gängige Dancemusic der frühen 90er war, wie Black Box, Technotronic oder Bizarre Inc.
Jedenfalls sind die beiden Alter Egos des 32-Jährigen derzeit auf vielen Tanzflächen anzutreffen und auch als DJ will sich der Berliner nicht nur auf einen Namen festlegen: “Ich lege meist unterschiedlich auf. Als Daniel Steinberg spiele ich eher einen nicht so harten, mehr techhousigeren Sound und bei Harry Axt wird es dann schon härter und technoider.” Beim Produzieren verlässt er sich ebenfalls auf diese Dichotomie, die es ihm ermöglicht zwei Seiten auszuleben. “Harry Axt ist dann immer ein bisschen doller, technoider und wirkt düsterer. Bei Daniel Steinberg fluffig, housig. Mit Samples … so Friede, Freude … (lacht).”
Auf seinem Debutalbum Planet Axt, das er jetzt als Harry Axt veröffentlicht, fügt Daniel glücklicherweise beide Seiten zusammen und nimmt uns mit auf seinen Planeten, auf dem schon sehnsüchtig die ravenden Weltraumgeschöpfe mit den Äxten in ihren Händen rumwedeln. Mit düsteren Basslines unterlegte Tracks, die die Melancholie mit Vocalfetzen auf ein funkiges Level anheben, und drohnigen Tunneln, durch die einzelne Klaviertöne hindurchschwirren, baut sich Daniel sein Universum zusammen. Das darf dann auch elektronische Big Band im Slowmotion-Tempo sein oder voll auf die Zwölf gehen. Schließlich geht es um Techno und dabei vor allem um den Spaß.
Jetzt wo es nicht mehr lange dauern kann, bis die ersten Frühlingssonnenstrahlen uns ihre Herz- und Hormondrüsen weit öffenden Versprechungen induzieren, denke ich die Leserschaft ist bereit für den offiziellen Winter/Spring 2009-Übergangsmix von Will Clarke.
Kosmische Slow Motion Disco, Tripped Out Krautrock und ein wenig Spaced Out Italo Disco alles begleitet von laffen, euphorisierenden Synthies.
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Throbbing Gristle - Walkabout
Malcolm McLaren - Legba
Nova - Terranova
Harold Grosskopf - Emphasis
Severed Heads - We Have Come To Bless This House
Conrad Schnitzler - Ballet Statique
JSR - Astronomicum
Bill Nelson - Connie Buys A Kodak
Bu Bu Sex - Echoes & Trance
Psychic TV - The Orchids
David Earle Johnson & Jan Hammer - Juice Harp
JSR - Mirage
Oppenheimer Analysis - New Mexico
Love International - Airport Of Love
Blancmange - Sad Day
Wenn es um die Vorausahnung von musikalischen Trends geht, habe ich mich meist süffisant grinsend zurückgelehnt und dem geharrt, was da wohl kommen werde. Entgegen dieser Gewohnheit wage ich in diesem Post einen hellseherischen Ausblick auf den musikalischen Trend im Frühling/Sommer 2009. Sollten die Vorhersagen nicht eintreffen, werde ich diesen Post selbstreden und stillschweigend löschen und alles gesagte abstreiten, aber es sollte mich doch sehr wundern, wenn wir nicht kurz vor einem Italo Disco-Relaunch stehen.
Kurz zur Begriffsbestimmung: Italo Disco ist ein Subgenre der elektronischen Musik der 80er Jahre und insofern auch ein Subphänomen des 80er-Jahre-Revivals. Zum Einsatz kamen zeitgemäße Instrumente wie Synthesizer, Keyboards und Drumcomputer - in einer vielleicht am ehesten als laff oder lasch zu bezeichenden Spielart. Aus der Dialektik produktionsökonomischer Notwendigkeit (die Disco-Produktionen der 70er Jahre waren durch die vielen Studiomusiker extrem teuer) und der Experimentier- und Feierwut der Musiker, entstand der hedonistische, leichte, sphärische Sound mit eingängigen, leicht tanzbaren und nicht ins Extreme gehenden Beats. In den besten Momenten erreichte Italo Disco den Glanz eines Post-Parliament-Funks (mehr Vodka-Red Bull als Ecstasy).
Durch verschwenderischen Einsatz von Popsternchen mit Samantha Fox-Stimme kam zusätzlich eine fast Punk zu nennende materialästhetische Komponente: die von vorne herein mit einer Halbwertszeit von wenigen Wochen kokettierende 12″-Single und die oft von mindertalentierten Comiczeichnern entworfenen Cover, eine Art naiver Generation-Golf-Neo-Impressionismus bzw. Surrealismus.
Der Ur-Sound findet sich auf der laut.fm-Station Italo Disco, eine Flasche Lambrusco sollte bereitstehen:
Was nun Italo Disco 2.0 angeht, dieser Sound formiert sich gerade - in einer zeitgemäßen ’stripped-to-the-bones’ Variante - im Netz in Form von Mixen und myspace-Releases, wie z.B. der unlängst gepostete mysteriöse Mark E auf Jiscomusic, der grossartige Matt Moroder (der Name ist Programm) mit seinen euphorisierenden Dubs und Edits längst vergessener Hits, das Label Glossy Edits und meinetwegen auch die Endorphinmachine Erobique.
Schublade auf, Style rein, viel Spaß beim Feiern!
Matt Moroders miKrodiZko Live
7. Februar 2009 18:00 @ Betalounge
Sternstr. 67, 2057 Hamburg
18:00h - 19:30h: Mark E (Jisco / Running Back / UK)
19:30h - 22:00h
miKrodiZko (HH)
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Viola Wills - Dare to Dream
Gillespie - Oblique
Mark E vs Dargon -
Omar S -
Y2thaz -
Hamilton Bohannon - South African Man
Jesse Rose - Nice and Slow
Mark E vs Dragon - Target
Thelma Houston - You Used To Hold Me
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New Funk Pheory - Always
Kenneth Bager - Fragments From A Space Cadet 2
Bill Withers - You Got The Stuff
John Nick - Grip Of A Python
Hiro Ohta - Kakera
JJ Cale - Ride me High (Joakim Edit)
New World Aquarium - Theme from NY
Mark E -
Love Birds - Modern Stalking EP
No Pheory - Devils Dance
Aroy Dee - Kiss
Voom Voom - Best Friend (Charles Webster Dub)