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Interview: Jean-Michel

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Ein wenig skeptisch war ich schon, als ich im vergangenen Jahr in der April-Ausgabe der De:Bug ein Album namens “Tons Of Fun” eines gewissen Jean-Michel auf Platz 1 der Monatscharts entdeckte. Weder der Künstler noch das Label Onpa waren mir bis dahin ein Begriff. Thaddis euphorische Review dazu ließ zwar die Neugier weiter steigen, ohne allerdings die letzten Zweifel völlig zu beseitigen.

Als einige Tage danach eine Promo von “Tons Of Fun” beim Düsseldorfer Hochschulradio landete, für das ich zu dieser Zeit tätig war, lösten sich aber auch die in restlose Begeisterung auf. “Tons Of Fun” war wie eine Reise in eine Zeit, die man selbst nur aus Erzählungen kennt, in der Genregrenzen keine Rolle spielten, weil es die zugehörigen Genres noch gar nicht gab und die Musik von Autechre oder Aphex Twin wirklich wie das Versprechen einer besseren Zukunft klang. Dank stilsicherer Verweise auf Dubstep und einer erfrischenden Unbekümmertheit im Umgang mit Sounds kommt trotzdem keine Sekunde Nostalgie auf.

Kurze Zeit später hatte ich den Mann hinter Jean-Michel für ein Interview am Telefonhörer. Wegen eines Serverumzugs des Hochschulradios und eines längeren Auslandsaufenthalts meinerseits blieb das Interview leider lange verschollen. Allen ungeschriebenen Aktualitätsgeboten der Bloggerszene zum Trotz poste ich das Interview hier aber trotzdem in voller Länge.

Stell dich bitte zuerst einmal vor. Wer steckt hinter dem Projekt Jean-Michel?

Hinter Jean-Michel stecke zunächst nur ich, Thomas Bücker aus Münster. Ich bin 34 Jahre (Stand Juli 2009) und arbeite hauptberuflich als Grafikdesigner. Wie viele schon richtig vermuten leitet sich der Name Jean-Michel von Jean-Michel Jarre ab.

Als ich etwa 13 Jahre alt war, bin ich das erste Mal über Jean-Michel Jarre mit elektronischer Musik in Berührung gekommen. Meine allerersten Demobänder in der Schublade klingen auch tatsächlich wie Oxygen & Co. 1999 habe ich dann mein erstes Album auf dem mittlerweile aufgelösten Label Eleganz Records veröffentlicht und den Labelbetreibern hat mein „Spitzname“ so gut gefallen, dass wir dabei geblieben sind.

Jean-Michel ist aber eigentlich ein Hybridprojekt, neben dem Studio-Jean-Michel gibt es noch Jean-Michel live, eine Live-Umsetzung der Musik mit richtiger Gitarre, Bass und Schlagzeug. Musikalisch sind das durchaus zwei verschiedene Paar Schuhe, aber mir gefallen sie beide.

Münster ist nicht unbedingt als Hochburg elektronischer Musik bekannt. Hat dich die Tatsache, dass du abseits der großen Metropolen lebst, in deiner Herangehensweise an elektronische Musik beeinflusst?

Ich versuche mich generell nicht so sehr an Trends zu orientieren, sondern eine breite Palette an Stilen in meine Produktionen einfließen zu lassen. Vielleicht ist aber die Nicht-Beeinflussung auch schon wieder ein Einfluss, da bin ich mir nicht sicher. In Münster habe ich auf der „Beats beyond the Underground“-Partyreihe im Gleis 22 als einer der ersten Breakbeat und Drum & Bass aufgelegt. Derzeit versuche ich ein wenig Dubstep zu etablieren. Leider gestaltet sich das schwierig, was ich schade finde, wenn man bedenkt, dass Dubstep mittlerweile nicht nur in Berlin ganz gut ankommt, sondern auch in anderen Teilen NRWs wie z.B. Düsseldorf.

Um auf deine Einflüsse zu sprechen zu kommen: Ich höre viele Bezüge zum klassischen IDM, Aphex Twin, Autechre. Kannst du mit diesem Begriff etwas anfangen?

Es ist natürlich hilfreich, gewisse Begrifflichkeiten zu haben. Schubladen sind gut, trotzdem nehme ich mir selbst die Freiheit, mich aus verschiedenen Schubladen zu bedienen, deshalb haben viele Probleme, die Musik eindeutig abzulegen. Mir gefallen da so Phantasiebegriffe wie „Frickelbumms“ fast schon lieber als IDM oder Electronica.

Dein Sound klingt sehr organisch. Setzt du noch auf analoge Geräte oder produziertst du ausschließlich digital?

Ich habe vor einigen Jahren mein gesamtes analoges Equipment auf Ebay verscherbelt. Komponieren und arrangieren geschieht nur noch am Rechner, weil man einfach alle Parameter besser kontrollieren kann. Im Zuge der Digitalisierung kann man sich immer mehr Technik leisten, was den Blick auf Details frei macht. Früher mit einem Atari ST und MIDI-Recording war das nicht möglich. Trotzdem habe ich natürlich eine Vorliebe für analoge, warme Sounds und nutze deshalb auch Fieldrecordings.

Immer wieder trifft man bei dir auf eine gewisse Ironie, sowohl bei Titeln wie „Aufstand der Knöpfchendreher“ als auch in der Verwendung bestimmter Sounds…

…das ist gut, dass du darauf hinweist. Schon allein der Album-Titel „Tons Of Fun“ deutet das ja an. Trotzdem ist mir wichtig, dass es eine zweite Ebene gibt. Ich habe ein Video gedreht, in dem sich Hochglanzfimenlogos um sich selbst drehen. Was genau die Message sein soll, weiß ich auch nicht, aber es ist vielleicht nicht alles nur ein Riesenspaß.

Freust du dich über die so massive Rückkehr von Breakbeats in den letzten Jahren nach der langen Dominanz des 4/4-Taktes?

Auf jeden Fall! Trotzdem bin ich kein 4/4-Gegner. Positiv überrascht hat mich, dass Minimal so populär geworden ist, für mich war das Mitte/Ende der 90er ja immer noch Nischenmusik. Mich interessieren aber oft die Sachen die ein wenig am Rande passieren. Total geflasht hat mich im letzten Jahr (2008) der Holländer 2562 mit seinem Album „Aerial“. Das war für mich ein Meilenstein in Sachen Produktion und Klarheit. Das “Tons Of…” nicht genauso klingt ist eigentlich schade… (lacht).

Früher haben mich Jan Jelinek und sein Farben-Projekt begeistert. Beim Versuch, auch mal so einen Track zu machen, bin ich aber gescheitert. Oft entsteht so aber etwas Neues. Man sollte einfach den Mut haben, dass dann trotzdem so stehen zu lassen.

Fehlt dir diese Experimentierfreudigkeit in der gegenwärtigen Clublandschaft?

Ich würde mir wünschen dass wieder mehr aus unterschiedlichen Spektren der elektronischen Musik geschöpft wird, dafür gibt es viel zu viel gute Musik. Derzeit habe ich ein Faible für wonky HipHop, fette, überkomprimierte Beats. Ich war kurz davor mir ein Ticket nach Los Angeles zu besorgen, um mir mal die Szene um Flying Lotus anzuschauen, nachdem ich ein Video von Mary Anne Hobbs darüber gesehen habe.

Wie steht es um dein Live-Projekt? Könnte davon in Zukunft auch etwas auf Tonträger gebannt werden?

Durch die Instrumentierung bekommt die Musik live einen ziemlich großen Indie-Touch. Mir gefällt das, denn in diesem Postrock-Umfeld fühle ich mich rein geschmacklich auch sehr wohl. Meine Bandmitglieder drängen darauf, auch mal etwas davon aufzunehmen. Ich finde an einem Konzert aber gerade das Tolle, dass es ein einmaliges, nicht konservierbares Erlebnis ist. Ausschließen möchte ich aber nichts.

Anmerkung: Ein wenig schade ist es, das vielen Bookern offenbar noch immer der Mut fehlt, einer Formation wie Jean-Michel einen Platz bei einem Clubabend einzuräumen. So verwundert es wenig, dass sich die meisten Live-Auftritte bisher eher im Konzertkontext abspielten. Neben einem Gig beim Dortmunder Juicy-Beats-Festival im Sommer spielten Jean-Michel im letzten Herbst auch als Support der Düsseldorfer Krautelektroniker Kreidler. Was man bei Jean-Michel live ungefähr erwarten kann, lässt sich in diesem Video bestaunen:

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Mixtape Sunday: Gravious, Distantstarr & Anthony ‘Shake’ Shakir

Sobald auch nur die Erahnung eines Aufkeimens eines eventuell bald anberaumten Frühlings durch meine Servietten Gardinen rauscht (oder wie auch immer das passende Verb für eine mit Tatkraft versehene Ahnung sei) ist wieder Funk & Soul-Zeit.

Um nicht wieder DJ Shadow & Cut Chemist oder die olle Marlena Shaw-Single ‘California Soul’ herauskramen zu müssen checkte ich meinen e-mail Account. Und dort wartete schon der 001:Funk Mix von Distantstarr auf mich. Distantstarrs Album wird bald auf Tokyo Dawn Records erscheinen, ein Preview-Track von ihm befindet sich im Mix…

Distantstarr - 001:Funk Mix by Tokyo Dawn Records on Mixcloud


Gravious
, Produzent meines Dubstep-Tracks des letzten Jahrzehnts und straight outta Glasgow, ist nicht nur von Old School Jungle, Drum ‘n Bass und Electronica beeinflusst, sondern auch von dem ‘Jupiter Jazz’- Detroit Techno-Entwurf eines Mike Banks oder Carl Craig.


Gravious - LWE Podcast 43
[via&download]

Und wenn ich schon mal Detroit Techno und Jazz in einen Sack packe will ich mich auch mit einem Anthony ‘Shake’ Shakir-Set nicht lumpen lassen, schon gar nicht nach dessen Aufritt als Grand Seigneur des Techno auf der letztjährigen Hardwax XX-Party. Shake ist einer der Detroit-Legenden dessen Eintrag ins Geschichtsbuch noch nicht geschrieben werden kann, da da hoffentlich noch einiges kommt. Ein Zwischenstand:


Anthony ‘Shake’ Shakir - LWE Podcast 42
[via&download]

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In The Mix: Shed - Fact Mix 116

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Bis zu seinem 2008er Debut ‘Shedding the Past’ wurde Rene Pawlowitz fast nicht wahrgenommen. Danach umso mehr, doch ruhte er sich darauf nicht aus, sondern schob in 2009 die Platten seiner Label Wax und Equalized hinterher und produzierte sich damit auf die Ebene, in der nur noch ganz wenig Luft nach oben ist.

Für das Fact Magazin spielte er jüngst einen grandiosen Mix ein. Neben Post-Garage und Dubstep-Tunes finden sich - klar - die Hardwax-Detroit-Schule, aber auch englische Glanzproduktionen der frühen 90er wieder, wie Links ‘The Augur‘, ein extrem gutes Stück (yes!!! Anm. SubKid), das nie ein Riesen-Hit war den jeder Konsens-DJ kennt.

Schade, dass man diese Fusion aus verschiedenen Stilen nicht in Clubs zu hören bekommt. Das würde vieles auflockern und wieder mehr Abwechslung auf der Tanzfläche bringen.

Download, Tracklist

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Mixtape Saturday: Robert Defcon @Fritz Radio

Der meistgelesene Post auf realvinylz.de ist eine Partyankündigung von brdBA$$$ formerly known as Berlin Basss vom Mai 2008. Weißgott warum 4809 Leute immer wieder eine alte Partyankündigung klicken, aber der dieswöchige Mixtape Saturday trägt diesem Umstand mit einem Mix von Robert Defcon aka Splatterdandy aka eine Hälfte von A.M.T. Rechnung.

Wem die basslastige Hyperaktivität der mit brdBA$$$ assoziierten Künstler, die geballte Ladung Laser absondernder Analog-Synths, Dubstep infiltrierter HipHop und zerlegte Breakbeats gefallen, der kann sich hier die Compilation BASSS Brains feat. Roots Manuva, Terry Lynn, Puppetmastaz, Yo! Majesty, Robot Koch, Lexie Lee, A.M.T, Marsimoto, Jahcoozi etc. bestellen…


Robert Defcon - Fritz Radio Mix 02.12.09
[via&download]

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Mixtape Saturday: Marc Hype, DJ UMB & Colatron

Der Mixtape Saturday mit einem taufrischen, einem abgeguckten und einem wiederentdeckten Mix:

Der Berliner DJ und zweifacher deutscher ITF Champion Marc Hype ist mit seiner musikalischen Vision von Funkbreaks und Old School Hip Hop seit jeher umtriebig und hat im Berlin Mitte Institut zusammen mit Mondee und DeJoe eine HipHop-Special-Sendung samt 40-minütigem Interview über u.a. die Gemeinsamkeiten zwischen HipHop, House und Techno aufgenommen.

HipHop-Special mit Marc Hype, Mondee, Dejoe 23.11.2009 by berlinmitteinstitut

DJ UMB aus Birmingham hat Anfang November einen chinazentrierten Dubstep-Mix mit folgender ‘Entschuldigung’ kompiliert:

I just noticed that I had collated a batch of Dubstep tracks with a Far Eastern flava, Chinese and some Japanese and so I thought, why not, a Dubstep mix with Chinese inflexions…
via generationbass.com

Playlist is on soundcloud.com

CHINA CALLING - CHINESE DUBOCRACY - MIXED BY DJ UMB (November 2009) by djumb

Und da ich mich gerade soviel mit MashUp, Collage, Zitat und der angrenzenden Rechtsdebatte befasse, habe ich mit grosser Verzückung noch den mit sanfter Hand und Präzision zusammengeklebten Welcome To My World-Mix von Colatron von meiner Festplatte zu soundcloud befördert. Sehr Burial-lastig, sehr britisch irgendwie (vielleicht auch nur wegen Bloc Party und Lady Diana) und vor 6 Wochen schon mal auf KFMW gewesen. Reminder.

Colatron - Welcome To My World by subkid
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Mix des Tages: audite - Hypnotic Winter

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Auch wenn heute ganz Deutschland am Rad dreht mit der Einheitsjubiläumsfeierei, so sind die Temperaturen und das Wetter herbstlich-depressiv. Da hilft nur ein Mix der diese Stimmung aufgreift und der ganzen Kälte eine warme Melancholie entgegenhält. audites ‘Hypnotic Winter’ ist so einer von diesen und während seine sonstigen Sets eher typischer DnB oder Dubstep sind, gelingt ihm hier etwas abseits und innovativ der neue Sound im souligen Gewand und mit langsameren Breakbeats. Ein filmmusikalisch gewordener Traum der Dubstep und DnB versöhnt, die Tradition des Hardcore-Kontinuum beibehält und auch dieses Gefühl - nachdem sich auch Burial immer sehnt - des tiefen Empfindens aufzugreifen. Schön und voller Überraschungen.


audite - Hypnotic Winter
[via digitalgewitter.de]

Direkter Download

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Platten des Tages: Martyn - Great Lengths / Kettel - Myam James Part II

Wer meinen twitter-Account verfolgt, der hat es ja schon vernommen: Ich bin jetzt Bezahl-Downloader bei boomkat.com. Und weil der Sinn der Aktion ja ist, endlich wieder eine subjektiv höhere Wertschätzung für die erworbene Musik zu entwickeln - Robert Kurz und Wertkritik ick hör dir aufstöhnen - bin ich natürlich auch ganz und gar begeistert von meinen beiden Neuerwerbungen.

Martyn - Elden St.

Der vielfach abgefeierte Autoren-Dubstep-Produzent Martyn hat mit Great Lengths sein Opus Magnum vorgelegt, dass höchstens noch mit Burials beiden Alben in einem Atemzug genannt werden kann.

Neuerdings stelle ich mir beim Hören von repetitiver elektronischer Musik immer vor wie ich diese mit meiner Freundin oder meinem ehemaligen Mitbewohner, beide mit klassicher Musik sozialisiert, einer davon ausschliesslich, höre, und beide erst mal die metrische Strenge als einfallslose Partitur vor ihrem geistigen Auge sehen. Es ist natürlich so, dass diese Musik nicht ausschweifend, melodisch ausgefeilt und raffiniert komponiert sein will, sondern musikalische Ideen auf einem strengen Rhythmusraster ausprobiert. Mit der richtigen Portion Euphorie kann dies dann Leben retten, ohne essentialistisch zu werden. Man stelle sich einfach mal das einfache Volk aus der Zeit von Händel und Vivaldi mit Laptops und Ableton ausgerüstet vor…

Martyn importiert auf Great Lengths immer genau ein Stilmittel-Setup pro Track, seien es Chicago-typische Handclaps und mittige Snares, sowie Casio FZ-1 artige Mikrosamples in Elden St., Dave Clark Synth-Stabs in Vancouver oder Tribaldrums in Is This Insanity?. Das abgefeierte Natural Selection ist m.E. noch der schwächste Track auf den Album, während ich bei Right?Star! den 2Step-Orgasmus bekommen habe.

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Mit Kettels - in einem merkwürdigen Cover daherkommenden - Follow-Up Myam James Part II könnten Freundin und Mitbewohner wahrscheinlich ungleich mehr anfangen, entwickelt Reimer Eising seine Tracks doch offensichtlich am Klavier und lässt es dann auch schonmal alleine oder mit Spinett- oder Violinbegleitung erklingen. Ansonsten lupenreine IDM mit Euphoriegarantie.
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