Video des Tages: Mark van Hoen - Unknown Host
Weil Mark van Hoen einfach immer gut ist und Hauntology auch mal ohne Ghostsounds geht.
Weil Mark van Hoen einfach immer gut ist und Hauntology auch mal ohne Ghostsounds geht.

Was macht eigentlich Netaudio? Von dem großen Hype Mitte der Naughties blieb leider nur wenig übrig. Um viele der Hauptprotagonisten ist es ruhig geworden. Echt sehr schade. Kann es aber auch verstehen, dass viele Interessierte nicht die Muße haben, sich tonnenweise durch den ganzen Müll zu wühlen, um dann hin und wieder ein paar Perlen zu entdecken.
Grundsätzlich finde ich die Idee dennoch Klasse. Und um diese weiterzuverbreite dreht sich im neuen Slidecast (wieder ein neues Wort gelernt) von To4ka alles ums Thema Netaudio in Berlin. Wahrlich nicht neu. Und schade, dass in dem deutsch-russischen Format zwei der drei Artists von Ideology sind. Klar ist Ideology durchweg gut, nur zählen sie eh schon zu den sehr bekannten in der Szene. Wirklich eine Neuentdeckung ist aber adamned.age aka Hanne Adam, die sich neben den Labels Dub One! und Kosmonaut kurz vorstellt.
Auf Camomille erschien ihre LP Fragile [Download], die sehr ruhige Electronica, fast schon Chill-Out, produziert und dabei gerne ein Klavier dabei hat. Zwar fehlen auch hier die für Netlabel-Chill-Out typischen Digitalknackser nicht, doch sind diese so im Hintergrund, dass kein Gefühl von Kälte aufkommt. Spacefeeling dafür schon. EIn Album, das beim ersten Hören bereits alles sagt.
Passiert nicht mehr so oft. Und wem es nicht direkt gefällt: Tja, wir haben Frühling, heute nicht, da geht es, ansonsten im Herbst wieder auskramen, denn ein Album für chillige Tage am Baggersee/auf der Sonnenblumenwiese ist es nicht. Doch wer will schon bis zum Herbst warten, wenn der Winter gerade wegzog.
Fragile by adamned.age by Camomille
[via DE:BUG]
Die IDM-Veteranen The Black Dog sind wohl am bekanntesten für ihre genrebildende LP Bytes, die in den frühen Neunzigern zusammen mit Surfing On Sine Waves von Polygon Window aka AFX Twin für musikalischen Aufruhr in meinem noch jungen Herzen sorgte. Die - damals noch um Ken Downie bereicherten - späteren Plaid-Gründer Ed Handley and Andy Turner entwickelten eine tighte Mischung aus laffen Breakbeats, Detroit Techno, Ambient und klassischem Minimalismus, der bis heute unzählige Musiker beeinflusste.

Gerade erschien ihre neue LP ‘Music For Real Airports’ , eine Hommage an Brian Enos Opus Magnum ‘Music For Airports, auf Soma/Rough Trade und zur Feier des Releases gibt es eine Fact Session mit ausschließlich eigenen Produktionen und Remixen:
[Mix nicht mehr auffindbar]
Einer meiner ersten Bezahl-Downloads war das Album A Certain Distance von Lusine. Die Schmach noch nie von dem in Seattle wohnenden Texaner Jeff McIlwain gehört zu haben mal beiseite gelassen, habe ich bei diesem Album ein seltsames Phänomen beobachten dürfen: Es war beim ersten und zweiten Hören sehr eingängig, was für mich immer schon verdächtig ist, da solche Alben ja auch schnell wieder langweilig werden können. Wie oft habe ich mich durch beispielsweise Fear Of A Black Planet von Public Enemy kämpfen müssen, bis ich es verstanden habe und es zu einem der besten Alben Ever wurde.
Solchermaßen verdächtigt lauerte A Certain Distance dann auf meinem Mobile Phone, um dann im ICE und in der S-Bahn nach und nach seine volle Wirkung zu entfalten. Man merkt Lusine an, dass sein ewig morphendes Musikprojekt, dass ihn schon über Downbeat, Ambient, Dancemusic und Pop geführt hat und nun zurecht bei Ghostly International gelandet ist, ein Reifungsprozess war.
Ihm ginge es mittlerweile mehr um Komposition als um innovative Sounds, sagte McIlwain unlängst in der De:Bug und das ist auch das Geheimnis der grossen Halbwertszeit seiner Tracks. Erst klingen sie gewohnt und eingängig und dann zünden sie ein zweites Mal in den für ausgefeilte Kompositorik zuständigen Gehirnwindungen. Bei meinem derzeitigen Lieblingstrack ‘Crowded Room’ rotiert z.B. plötzlich die Discokugel, als bei 1:20 ein abgefahrener Lead Synth die verhaltene Houseorgel und die Vocoder-Stimmen ablöst.
/ I A / MIX 03 Lusine by INVERTED AUDIO
Anscheinend hat Lusine - von mir unbemerkt - wohl Ende Juni im Berghain aufgelegt, anlässlich der Ghostly International Party, aber dank Soundcloud ist dieser Mix für die digital Ewigkeit konserviert worden, auch wenn er laut Kommentar im Bergheim aufgenommen wurde, mit dessen Namen (und Türpersonal) wohl nicht nur Richie Hawtin Schwierigkeiten hat. In dem Mix findet sich auch eine Version des Albumhits Two Dots mit der kongenial arrangierten Stimme der Sängerin Vilja Larjosto.
Lusine ist war anscheinend auch in zwei Film Scores involviert und zwar Snow Angels von David Gordon Green und Linewatch von Kevin Bray.
Als ich im Juni anlässlich der Ghostly Swim-Compilation so ins jugendliche Schwärmen geriet, dass ich gleich jeden einzelnen Song rezensiert habe, hatte ich den Track Light Powered von Randolph Chabot Jr. aka Deastro noch für einen Zufallshit und “im Prinzip Querschnitt, Essenz und nackte Wahrheit der 80iger-Jahre in Einem” gehalten.
Was sich jedoch auf dem im November veröffentlichten Album Keepers findet, erweckt gerade jetzt eine so nie gekannte TheCureeske melancholische (Achtung Oxymoron!) Euphorie in mir, auch wenn der New-Wave-Electronica-Rock der Band natürlich alle 80ies/Early90ies-Konnotationen zwischen New Order, Happy Mondays, Sonic Youth, Tortoise, Trans Am und Soup Dragons (puh, was für ein Referenzquark) gleich mitbedient, ohne auch nur im geringsten epigonenhaft zu klingen.
Randolph Chabot Jr., der Vocals und den obligatorischen ‘Laptop Stuff’ liefert, wird von Jeff Supina an den Drums, Mark Smak an der Gitarre und Brian Connelly am Bass und den Keyboards unterstützt und nennt seine Musik selbst deutsch / japanisch / italienischen Pop!!!
Mal abgesehen, dass derartige Homerecording-Diamanten noch niemals aus einem der angesprochenen Länder gekommen sind, sind/ist Deastro für mich die einzige Möglichkeit heutzutage mit einer Dose Schultheiss in der Hand, zwischen Tränen und Glückseligkeit, die Clubwand mit dem Rücken zum Publikum anzutanzen, um dann unvermittelt in einem Euphorieschwall mit erhobener Faust und/oder luftgitarrespielend durch die Crowd zu hüpfen…
Ein Prelistening seiner sehr hörenswerten neuen 12″ “Parallelogram” findet sich hier.
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Das von Köln aus betriebene Webradio Electrofunker hat sein Programmschema umgekrempelt:
Montags ist es nun soulful und housig gefolgt von einem Latin und Afrotribal angehauchten Dienstag. Der Mittwoch steht im Zeichen von Disco, Funk und Oldschool und der Donnerstag bringt neue Einflüsse aus Electronica, Drum n’ Bass und Breakbeat.
Das Wochenende steht ganz im Zeichen von neuen Techsoundz, Minimal, Electro und Techno, wobei der Sonntag loungig orientiert bleibt. Der Betrieb wurde von 12/12-Stunden-Betrieb auf 24 Stunden umgestellt und die Mixstunden 20-22 Uhr werden von Zeit zu Zeit durch Live-Events ersetzt werden können.
Einfach mal reinhören.
Just what is it that you want to do? We wanna be free / We wanna be free to do what we wanna do /
And we wanna get loaded / And we wanna have a good time / That’s what we’re gonna do / No way baby lets go / We’re gonna have a good time - We’re gonna have a party
The Wild Angels
Primal Scream sind mir als allererstes in der Provinzdisco meiner Jugend - dem Doch Du in Bocholt - begegnet:
Andrew Weatherall aka Sabres Of Paradise aka Two Lone Swordsmen bearbeitete den Primal Scream Song I’m Losing More Than I’ll Ever Have mit einem Heavy Bass Groove, dem zentralen Sample aus Peter Fondas B-Movie The Wild Angels und einem Drumloop, den er aus dem Soul II Soul-Bootleg von Edie Brickell’s What I Am geklaut hatte.
Das Ergebnis war der Dub-Breakbeat-Rave-Indiepop-Hit Loaded, der die Tanzflächen der Provinz-Oberprimaner auf einen Groove einschwörte.
Soul II Soul hatten den Beat ihrerseits natürlich nicht selbstgebastelt, sondern aus dem Song The Jam von Graham Central Station ab Minute 5:11 gesamplet und phatt editiert. So bleibt offen, woher Weatherall den Beat nun wirklich hatte…
Primal Scream, die Formation um den postmodernen Rockposer Bobby Gillespie, brachten auf dem - von Weatherall produzierten - Album Screamadelica zusammen, was nicht zusammen gehörte: Rock und Psychedelic aus den 60er und 70er, Heavy Dub Bässe, unglaublich langsame Breakbeats, Heroin, Pet Sounds, David Bowie und die Ecstasy-Euphorie der frühen Madchester-Tage. Das Ergebnis: Peace, Love and Happiness

Screamadelica markierte einen Wendepunkt in der Geschichte moderner Tanzmusiken, indem es der piefigen Indierock-Sackgasse eine offene Schnittstelle, an die faszinierenden Soundwelten von Reggae, Dub, Electronica, Hip Hop und Urban Soul, lieferte und damit musikalische Optionen schuf, die bis heute auf den Dancefloors dieser Welt nachhallen.
Primal Scream haben übrigens gerade ihr neuntes Album Beautiful Future rausgebracht, mit “Poserrock und Angebermucke der sympathischen Sorte” (Spex 9/10 2008).