Entries Tagged as 'funk'

Madvillain began recording a new album

Das Hip-Hop-Album des Jahres 2004 war Madvillainy von Madvillain aka Madlib und MF Doom. Genrebashende Beats, knochenbrechende Grooves und eine gehörige Portion Weed. Eine wilde Melange aus Sun Ra, Weirdo Funk, Underground Hip-Hop, Blaxploitation, Marvel Comics und Jazz, die mich seinerzeit wieder mit Hip-Hop versöhnte. Eigentlich ‘eröffnete’ sich mir das eher en passant runtergeladene Album auf einer Überdosis THC, einem nach langer Zeit allein gerauchten Phillies Blunt. Plötzlich machten die Kakophonie und die schrägen, stolpernden Beats einen Sinn und die Vorliebe für diese Musik blieb.

madlib-adultswim-1.jpg

Umso mehr freute ich mich, als ich eben entdeckte, dass das Label Stones Throw ein neues Album von Madvillain ankündigt, an dem die beiden schon seit 2009 arbeiten. Ein erstes Ergebnis ist der Track ‘Papermill’:

Diesmal scheinen sich Madvillain den Jazzrock (Schweinerock) vorgenommen zu haben und MF Doom grätscht gewohnt asynchron mit enigmatischen Lyrics über den Track. Rumors has it, dass das ein alter Track von Manfred Krug(!!!) ist (’Morgen’), wobei ich mir nicht ganz sicher bin.. Große Vorfreude auf das Album, jedenfalls! Den Track kann man sich übrigens im Rahmen einer Promokampagne von adultswim namens 8 Singles 8 Weeks hier runterladen.

J Rocc hat auf East Village Radio auch nochmal ein paar Tracks des neuen Albums angespielt:

Stay tuned…

Compilation des Monats: Tokyo Dawn Records - The Heat

Die erste Compilation des Frankfurter Labels Tokyo Dawn, die mich restlos begeistert. Tokyo Dawn, die eigentlich aus der Demoszene kommen und vor 7 Jahren mal einen Track für einen Imagefilm von mir beisteuerten, scheinen nach ihrem Relaunch im Jahre 2009 das von Dego McFarlane und Marc Mac aka 4Hero begonnene Projekt eines 21st Century Soul konsequent weiterführen zu wollen. Das hier klingt nach Motown, nach Roots Manuva Dub, nach Urban Beats und ganz viel brennendem Chrom.

Jimetta Rose eröffnet die Compilation mit einem kleinen musikalischen Veuve Cliquot, dicht gefolgt von dem Tanzbodenfeger ‘Wake 2.0′ von Kris Mars, dessen treibender Funk-Lick-Groove auch von Timbaland, Common oder Kanye West stammen könnte.

Soulparlor knüpfen dann wieder an das Eröffnungsstück an, sind mir aber etwas zu ‘Jamiroquaiesk’ im Abgang. Auch der spirituelle Rosenaktivismus-Song von Georgia Anne Muldrow hat mich erstmal genervt, gewinnt aber nicht zuletzt dank dem exzellenten (Free)Jazz-Piano bei jedem neuen Hören an Qualität. Der heimliche Star dieser Compilation! Mos Def ist von der Dame so begeistert, dass er sie im Interview mit der New York Times gar mit Ella Fitzgerald und Nina Simone verglich.

Mit Black Consciousness geht es dann auch weiter: Wallis Bird lässt die Männer auf sanfte Art wissen, was eine Frau wirklich braucht. Etwas zu verspult ist mir dann der Jay Scarlett-Joint ‘Gentle Persuasion’. Der Passauer Swede:art versucht sich ebenfalls an Black Consciousness mit einer philosophisch angehauchten Linguistikkritik.

An zentraler Stelle befinden sich meine Lieblingstracks: Addiquit mit ‘Open Eyes’ und Exes4Eyes ‘Blow You’. Beide gehen unglaublich (neo)funky nach vorne und grooven den Hörer in eine Art sexy Trance, die mich schon fast in einen Fahrradunfall hineinbefördert hätte.

So geht es hochqualitativ weiter und eigentlich jeder Trank enthält mindestens eine nette Überraschung, wie die freshe Loop-Perkussion in Donn Ts ‘Kisses’ oder die Minnie Ripperton-Fender Rhodes in Ronnie Vindahls ‘Head Over Heels’.

Bis auf wenige etwas schwächere Tranks hinterlässt ‘The Heart’ ein ähnlich euphorisches Gefühl der Verliebtheit wie einst das Chapter 1 von ‘Two Pages’, was schön ist, denn anders als das damals geliebte Mädchen ist die Musik ewig und dazu auch noch käuflich. Ein absoluter Herzwärmer für den Herbst.

Buy & Listen

In The Mix: Spyker und Kühnrich - Kalter Ausschnitt Vol.I

Per netter e-mail kommt von Boris Spyker die Bitte seinen, mit DJ-Kollegen Herrn Kühnrich erstellten, Mix ‘Kalter Ausschnitt Vol.I’ zu bloggen. Die beiden vereint seit zwei Jahren die gemeinsam Leidenschaft für Beats, Grooves und Vinyl und wie mir scheint den Funk. Die Mix-Triologie ‘Kalter Aufschnitt’ soll, wenn ich das richtig verstanden habe, einen Überblick über einen typischen Abend mit den beiden DJs geben und ist in drei Teile geteilt:

Der vorliegende Teil mit Tracks von u.a. Metro Area, Chromeo, Morgan Geist, Young MC, Siriusmo und Erobique ist zum ‘Ankommen, Jacke ablegen und eingrooven’ gedacht. Die Teile II und III sind dann für ‘Treiben auf dem Tanzflur und Dahinwippen an der Bar (electrolastiger)’ und ‘Party On, Hits, Schwitzen’ angekündigt…

Kalter Ausschnitt Vol.I by spyker und kühnrich

Ich gerate schon bei Teil I ins Schwitzen, frage mich aber ob die Jungs mit Electro wirklich Electro meinen (oder eher Techhouse) und warum jemand der Soul und Funk auflegt den Anfang des Mixes despektierlich mit ‘Gayjohle’ bezeichnet.

Booking:
booking@indiwieduwillst.de

Blog:
audioecke.de

Diggin’ The Crates: Cymande

Wohl wenige Bands sind so prädestiniert für die Diggin’-Rubrik wie Cymande. Das Londoner Kollektiv mit karibischen Wurzeln veröffentlichte zwischen 1971 und 1974 drei Alben und verschwand danach für viele Jahre in den hinteren Schubläden staubiger Plattenläden. Obwohl Cymande nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums gemeinsam mit der Soul- und Gospellegende Al Green durch die USA tourten und dabei sogar zu einem Gig im legendären New Yorker Apollo Theater gelangten, blieb ihnen der große Mainstream-Erfolg versagt. Ihr hybrider Entwurf von Funk, der Elemente des Calypso, Jazz, Motown-Soul, Afrobeat und sogar Psychedelic Rock vereinigte, war wohl für eine gerade von James Browns ‘Sexmachine’-Phase in den Bann gezogene Öffentlichkeit einfach zu komplex.

cymande-04.jpg

Meine erste Begegnung mit Cymande geschah eher untypisch über den Umweg zweier Compilations aus dem Umfeld des Berlin-Karlsruher Innervisions-Labels, nämlich Henrik Schwarz’ DJ Kicks von 2006 und der letztjährigen, von Schwarz gemeinsam mit seinen Labelmates Dixon und Âme kompilierten Minimal-Musik-Zeitreise The Grandfather Paradox. Beide Compilations sind in ihrem etwas zu offensichtlichen und leicht prätentiösen Checkertum (Arthur Russell, Steve Reich) genau meine Tasse Tee und featuren in Form von ‘Anthracite’ und des gesanglastigen ‘For Baby Oh’ jeweils eine der unzähligen Nischen des schillernden Cymande-Universums.

In HipHop-Kreisen sind Cymande aber dank Rotation auf solch sakralen Plattentellern wie denen von Kool Herc und Grandmaster Flash schon länger keine Unbekannten. Spätestens seit De La Souls kongenialer Verwendung von Bra für Change In Speak auf ihrem 1989er-Debüt 3 Feet High And Rising ist ihnen der Platz im kollektiven Sample-Gedächtnis nicht mehr zu nehmen.

Ein Jahr später zog Masta Ace nach und bediente sich für Me And The Biz bei The Message und seinen ohrwurmtauglichen Bläsersätzen.
Die Fugees bescherten Cymande schließlich 1996 ganz warholesk einen so unverhofften wie kurzen Moment echten Mainstream-Fames, als sie den Titeltrack ihres Albums The Score auf dem bekifften Dove (’Cymande’ bedeutet im Calypso-Slang ‘Taube’) aufbauten. Jedoch lohnt sich auch abseits nerdiger Sample-Genealogie eine Reise in den Cymande-Kosmos.

Ihr drittes und letztes Album Promised Heights hätte sich mit seinem visionären SlowMo-Funk auch gut in der mehr als 20 Jahre später grassierenden Downtempo-Welle um Kruder & Dorfmeister gemacht. Darauf findet sich mit Brothers on the Slide auch der nicht nur dank der Nightmares On Wax-Dubversion heute wohl bekannteste Cymande-Song.

Ein simpler Gitarrenlick und provozierend lässiger Groove sorgen weit vor Drexciya und Rhythm & Sound für den perfekten Soundtrack zum transatlantischen Rhizom-Wachstum. Das ‘Promised Heights’ in den USA zuerst gar nicht veröffentlicht wurde, wundert angesichts der in Rassenfragen äußerst konservativen amerikanischen Musikindustrie kaum. Alle drei Cymande-LPs sind mehrfach re-released und u.a. bei hhv.de zu ziemlich günstigen Preisen zu ergattern.

Platte des Tages: Kenny Glasgow - Final Frontier [My Favorite Robot 018]

Erst durch die Finger geflutscht, weil eben Kenny Glasgow. Sein rührend-nostalgisch verhaftetes Album Taste for the Low Life war schon fein, doch so richtig überspringen wollte der Funke nicht. Warum auch? Chicago und Sehnsucht passt einfach nicht so recht. Vielleicht doch mal konservativ sein, Hedonismus ist dort viel besser aufgehoben und die Sehnsucht gehört nach Detroit, dachte sich Kenny möglicherweise selbst.

Noch ein wenig Militanz in den Titel und schon war sound- und titelmäßig die Brücke zu UR gebaut, wie Bleed im ersteren Fall so passend beschreibt: ”Final Frontier’ spricht zurecht das Epos einer dieser Underground-Resistance-Hymnen an und bewegt sich in 12 Minuten von seinem melodischen Anfang über immer breiter in ihr Glück verstrickte Momente und baut sich auf, ohne das es über die weitesten Strecken wirklich eine Bassdrum bräuchte, und man hat immer das Gefühl, erst ganz am Anfang einer Enthüllung zu stehen’.

Bis auf die ‘Enthüllung’ unterschreibe ich alles. Weil diese Melodie wie eine schamanenhafte Formel wirkt, saugt sich das Gehirn viel tiefer hinein und das Kopfkino lässt an geheimnisvolle Maya-Tempel im Dschungel Südamerikas denken. Eher Offenbarung statt Enthüllung. Alles grün, supergrün, diamantgrün. Sasses housigere und My Favorite Robots Version ergänzen das Original. Gerade MFR setzen auf Strings und Bassline statt Melodie. James Teej hingegen geht mir mit seiner Beliebigkeit ein wenig ab. Doch gegen das Original (leider nicht auf youtube) haben alle drei keine Chance. Zu perfekt ist es.

Einziger Wehrmutstropfen: das Cover. Selten so ein hässliches Cover gesehen. Das verdirbt sämtliche Fantasien und verschandelt jeden Plattenladen.

Anhören und Kaufen

Portformat - The Repeat Factor Remixes

Zum am 3. Dezember 2009 auf dem Label Tokyo Dawn Records erschienenen Album ‘The Repeat Factor’ von Portformat erscheint Ende nächsten Monats ein Remix-Album von u.a. Swede:art, Comfort Fit, Alien Entertainment und Soulparlor.

Portformat Cover

Die Remixe sind in Produktionsstil und -technik sehr vielfältig und ein klein wenig durchwachsen, so dass mein Herz nur für circa sechs Tracks richtig heftig schlägt. Die von mir hochgeschätzten Vokalisten Dudley Perkins und Georgia Anne Muldrow können hier mal nicht recht überzeugen, zumindest gefallen mir beide Mothership-Remixe (Opolopo / Comfort Fit) nicht so gut. Eher für den open-minded Dancehall-Floor, zu sehr nach vorne gemischt und offensichtlich shuffelnd.

Knock Knock im Resound-Remix geht dafür richtig ab. 90s Techno-Lead Synths haben natürlich immer einen Platz in meinem Herzen und geben dem dubbigen Schieber einen freshen Touch! Auch Negghead haben sich an Knock Knock versucht und machen Barry White alle Ehre. Hierzu möchte man mit einem Pontiac Firebird über den Broadway cruisen.

Bei U$ feat. Suzi Analogue shreddert Dandario den Soultune etwas zu sehr durch die Roots Manuva/Dabrye-Mühle, so dass der Track nur noch auf Crack richtig Spaß macht und auch Jedeye nimmt bei U Gotta Find zu sehr das Tempo raus. Das wobbelt ganz amtlich, ist aber auch nicht auf der aktuellen Dupstep-Höhe…

Andreas Saag zieht dagegen das Tempo an und peitscht einen unerwarteten Floorfiller mit Hüftschwung-Torkelgroove aus dem Original heraus. Nervt mich aber auch ein wenig.

Die deutschen Soulparlor machen aus Fairy Child einen 4Hero-artigen NuSoul-Track, von denen es ja nie wirklich genug geben kann. Sehr schön.

Portformat feat. Shuanise - Fairy Child (Soulparlor Remix) by soulparlor

Eigentlich müßte der Alien Entertainment Brightstar Dub von Life Water viel, viel länger sein, ist aber auch so der beste Remix der Platte. Mysteriös schlingernder Groove, pfundige Bassline und funky Drumprogramming.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Life Water feat. Thesaurus Rex (Alien Entertainment Brightstar Dub)
[via tokyodawn.net]

Swede:art macht mit dem It’s on-Remix einen guten Job, gefolgt von schönen dicken Rockdrums und Discobassline von Ronni Vindahl, der eine ganz andere Interpretation von Fairy Child und das einzige uneingeschränkt tanzbare Stück der Compilation abliefert.

Résumée: Sechs von vierzehn Tracks absolute Hammer, für Kenner des Originals auch noch ein paar interessante Bearbeitungen und ein paar nervige Tracks. Wobei die härteren Dancehall/Ragga/FreakFunk-Bearbeitungen vielleicht auch eine ganz eigene Klientel ansprechen.

Releasepage mit Prelistening - Available April 29th 2010

Mixtape Sunday: Gravious, Distantstarr & Anthony ‘Shake’ Shakir

Sobald auch nur die Erahnung eines Aufkeimens eines eventuell bald anberaumten Frühlings durch meine Servietten Gardinen rauscht (oder wie auch immer das passende Verb für eine mit Tatkraft versehene Ahnung sei) ist wieder Funk & Soul-Zeit.

Um nicht wieder DJ Shadow & Cut Chemist oder die olle Marlena Shaw-Single ‘California Soul’ herauskramen zu müssen checkte ich meinen e-mail Account. Und dort wartete schon der 001:Funk Mix von Distantstarr auf mich. Distantstarrs Album wird bald auf Tokyo Dawn Records erscheinen, ein Preview-Track von ihm befindet sich im Mix…

Distantstarr - 001:Funk Mix by Tokyo Dawn Records on Mixcloud


Gravious
, Produzent meines Dubstep-Tracks des letzten Jahrzehnts und straight outta Glasgow, ist nicht nur von Old School Jungle, Drum ‘n Bass und Electronica beeinflusst, sondern auch von dem ‘Jupiter Jazz’- Detroit Techno-Entwurf eines Mike Banks oder Carl Craig.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Gravious - LWE Podcast 43
[via&download]

Und wenn ich schon mal Detroit Techno und Jazz in einen Sack packe will ich mich auch mit einem Anthony ‘Shake’ Shakir-Set nicht lumpen lassen, schon gar nicht nach dessen Aufritt als Grand Seigneur des Techno auf der letztjährigen Hardwax XX-Party. Shake ist einer der Detroit-Legenden dessen Eintrag ins Geschichtsbuch noch nicht geschrieben werden kann, da da hoffentlich noch einiges kommt. Ein Zwischenstand:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Anthony ‘Shake’ Shakir - LWE Podcast 42
[via&download]