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Forderungen für eine zeitgemässe Netzpolitik 2.0

Der Blogger und Aktivist Markus Beckedahl von netzpolitik.org hat eine Liste mit Forderungen für eine zeitgemässe Netzpolitik veröffentlicht und für De:Bug in eine 2.0-Version gepackt.

Die Forderungen von Beckedahl sind angesichts der drohenden kommerziellen und staatlichen Umorganisation des Netzes von eminenter Wichtigkeit und mit etwas Glück könnten sie in die Geschichte des Internets eingehen.

Ich möchte zur weiteren Veranschaulichung und Dramatisierung der Thematik einen kleinen Animationsfilm zum Thema drehen und wer sich als Designer, Visueller Kommunikator oder Animateur an der künstlerischen Umsetzung beteiligen möchte, der möge doch einen kurzen Kommentar hinterlassen…

1. Staatswissen ist Bürgerwissen!

Öffentlich geförderte Informationen müssen den Bürgern unter offenen Lizenzen bereitgestellt werden.

2. Fernsehen und Radio sind tot!

Die Inhalte des Öffentlich-Rechtlichen Systems müssen im Netz frei zugänglich sein. Es muss den Bürgern überlassen sein, wann und wo sie diese konsumieren wollen. Die Archive müssen geöffnet und die Inhalte unter offenen Standards publiziert werden. Die Bürger haben ein Recht auf Remix!

3. Öffentlich-Rechtlich ins Digitale Zeitalter überführen!

Digitale Strukturen und Communities, die Informationen des öffentlichen Interesses produzieren, müssen gefördert werden. Was früher nur freie Radios und Offene Kanäle waren, sind heute Wikipedia, freie Funknetze und Stadtwikis!

4. Open Source fördern!

Freie Software und Freies Wissen sind nicht nur ein förderungswürdiger Wirtschaftsfaktor. Open Source Communities sind essenziell für die Kulturproduktion des 21. Jahrhunderts und schaffen unbestreitbare gesellschaftliche Mehrwerte.

5. Freie und anonyme Kommunikationswege erhalten

Wie beim privaten Gespräch zuhause im Schlafzimmer, im Park oder im Cafe benötigen wir auch in der digitalen Gesellschaft freie und anonyme Kommunikationswege. Es muss weiter Kernbereiche geben, in denen der Staat nichts verloren hat.

6. Demokratie öffnen heißt Transparenz wagen!

Staatliche Informationen gehören unter offene Lizenzen. Informationsfreiheit muss praktiziert werden, geredet wurde schon genug. Partizipationsmöglichkeiten müssen auf allen Ebenen erweitert werden – eDemocracy erschöpft sich nicht in Aktionsplänen zur Verwaltungsmodernisierung! Offene Schnittstellen sind notwendig für die demokratische Teilhabe.

7. Staatliche Infrastrukturen befreien!

Die digitalen Infrastrukturen des Staates müssen frei, offen und demokratisch kontrollierbar sein. Nur offene Standards und die Verwendung freier Software garantieren einen diskriminierungsfreien und nachhaltigen Zugriff auf Vorgänge und Abläufe in Politik und Verwaltung.

8. Internet ist Grundversorgung

Kommunen müssen jedem Bürger einen Basiszugang zum Internet ermöglichen. Nicht am Internet partizipieren zu können bedeutet heute den Ausschluss aus weiten Teilen der gesellschaftlichen Partizipation, das Abschneiden von Bildungs- und Informationsmöglichkeiten.

9. Urheberrecht reformieren!

Das Urheberrecht muss den gesellschaftlichen Realitäten angepasst werden - nicht die gesellschaftlichen Realitäten dem Urheberrecht. Es müssen Wege gefunden werden neue Technologien nicht zu verdammen sondern sie zu umarmen und die Leistung der Kreativen dabei angemessen zu honorieren.

10. Gleiche Chancen für Alle!

Die Netzneutralität muss festgeschrieben werden: es darf keine Klassengesellschaft im Netz entstehen. Um Innovation zu ermöglichen braucht es die diskriminierungsfreie Gleichbehandlung aller Daten im Internet.

11. Medienkompetenz für Politiker / Internetpolitiker nachhaltig ausdrucken

Wir brauchen Politiker, für die das Internet kein Fremdkörper ist. Wir brauchen medienkompetente Politiker, die es sich nicht erst ausdrucken lassen müssen. Wir brauchen Politiker, die sich selbst im Netz bewegen und darin kommunizieren. Nur so wird es eine Gesetze geben, die eine freie, offene und nachhaltige Digitale Gesellschaft ermöglichen.

Mercedes Bunz - Die Geschichte des Internet
Netzkritik. Materialien zur Internet- Debatte
Electronic Government - Vom User zum Bürger. Zur kritischen Theorie des Internets

Norbert Bolz - Das Wissen der Religion

Sehen Sie, in den nächsten 20 Jahren soll sich die Weltbevölkerung erneut verdoppeln. Für eine Welt, die auf egalitäre Ideen gegründet ist, ist das Problem der Überbevölkerung aber unlösbar. Wenn wir garantieren, dass jeder am Leben erhalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen. Gegen die Überbevölkerung gibt es nur eine Bremse, nämlich dass sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch ernähren können.
(Friedrich A. von Hayek in Wirtschaftswoche 6.3.1981)

Der neoliberale Vordenker Friedrich August von Hayek hat in einem seiner denkwürdigen Interviews in der Wirtschaftswoche oftmals allzu frank und frei das ideologische Grundgerüst seiner Eliteformation enthüllt. Jetzt sollte man doch meinen das dergestaltige sozialdarwinistische Denkweisen heutzutage keine glühenden Anhänger mehr fänden, aber anscheinend können sich auch “Männer der Linken” (sic!) einer gewissen herrschaftlichen Attitüde nicht erwehren und zu second hand dealer of ideas im Hayek’schen Sinne werden:

Der vom Magazin FOCUS zum König der Trendforscher gekürte Medientheoretiker Prof. Dr. Norbert Bolz zum Beispiel, ist sich nicht zu blöde, seine private religiöse Erweckung in den Dienst der neoliberalen Stimmungsmache zu stellen. In seinem neuen Buch Das Wissen der Religion schafft er den grandiosen rhetorischen doppelten Rittberger, eines der grundlegenden Ideale des Christentums zu diskreditieren.

Focus: Haben Sie ein Beispiel für die teuflische Rhetorik der Gutmenschen?
Bolz: “Soziale Gerechtigkeit” ist die Maske des Neids, “Teamfähigkeit” ist die Maske des Hasses auf die Ehrgeizigen und Erfolgreichen, “Dialog der Kulturen” ist die Maske der geistigen Kapitulation. Überhaupt: Das was man Political Correctness nennt, ist die aktuelle Rhetorik des Antichristen.
(Focus 17/2008)

Ja, so wird es wohl sein. Auf in den Kampf gegen die Schreckensherrschaft der Erwerbslosen und Niedriglohnbeschäftigten die den neoliberalen Gedanken in ihr engstirniges und neiderfülltes Korsett zwingen wollen!

Buchtip: Kritik des Neoliberalismus