Entries Tagged as 'New Media Art'

tweetscreen.bln - Web2.0 goes Public

Seit einiger Zeit bin ich ja schon bei dem Exhibitionistendienst twitter.com angemeldet, aber das was gestern abend passierte, habe ich bei aller Web2.0-Affinität nicht ahnen können.

Ich hatte gerade im skype-Chat mit mrBTH über das tolle Rockpop-Poser-Break in Orbitals Track Halcyon philosphiert und dann folgenden Satz getwittert:

Irgendwas zwischen Bon Jovi und Belinda Carlisle #realvinylz

Dies bezog sich auf das MashUp des Schmachtrockfetzens You Give Love A Bad Name und dessen Pop-Pendant Heaven Is A Place on Earth in Orbitals Hammertrack Halcyon.

subkid tweet

Ein Webprojekt namens tweetscreen.bln hat nun meinen Tweet an eine Berliner Häuserwand projiziert und damit eine wichtige - aber leider unvollständige Information - an die Bürger dieser Stadt übermittelt. Toll, wie der irrsinnige Hype um eine banale Applikation diese absurden Blüten treibt…

Political Videogames - Super Chick Sisters

In Anlehnung an meinen Vortrag beim Virtual Worlds Camp und angeregt durch das Colonel Sanders-Konterfei auf dem Ben Frost-Bild im letzte Post, möchte ich das Anti-Advergame Super Chick Sisters vorstellen:

Super Chick Sisters

Das, von den People For The Ethical Treatment Of Animals in Auftrag gegebene, Game soll einen großangelegte Anti-KFC-Boykott unterstützen, in der mehrere Prominente wie z.B. Pamela Anderson oder Sir Paul McCartney mitwirken und sogar ein Film gedreht wurde.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=UJ8iL3sx60M[/youtube]
Kentucky Fried Cruelty

Technisch gesehen ist Super Chick Sisters, ein Super Mario Bros-RipOff, welches versucht das Ansehen der Marke KFC zu beschmutzen, indem das Branding im Game mit Blut besudelt wird und der Spieler laufend über Aktivisten stolpert, die unbequeme Fakten über den Hähnchenbrater mitteilen. Gerettet werden muss aber nicht - wie bei Nintendo üblich - Princess Peach, sondern: Pamela Anderson

“People come for the game and stay for the shocking videos and information about KFC’s cruelty to chickens. It is always a challenge to promote a serious message to our tabloid-filled and entertainment-focused society. People don’t want serious news conferences - they want to be entertained. While we do it all - using both hard-hitting and softer approaches - PETA often wraps our serious messages within eye-catching, light-hearted stunts.”
Joel Bartlett, PETA Marketing Manager

Alison Mealy - UnrealArt

Die talentierte Programmiererin, Bloggerin und Videogamerin Alison Mealy untersucht in ihrem Projekt UnrealArt die Schnittstellen zwischen bewußtem ästhetischen Schaffen und unkontrollierbaren automatischen Prozessen und forciert den Clash zwischen Portraitmalerei und Egoshootern.

UnrealArt

UnrealArt ist ein Projekt an dem Mealy seit 2005 arbeitet. Sie benutzt die Engine des Egoshooters Unreal Tournament um eine Karte zu programmieren, die die AI-Bots als ‘good directions in which to walk’ interpretieren. Die Computer-AIs spielen dann gegen sich selbst. Die Karte stellt die rudimentären Kennzeichen eines menschlichen Gesichtes dar und die Bots benutzen diese als Referenzpunkte zum Umherschweifen. So ensteht eine mehr oder weniger verläßliche Version des Ausgangsbildes.

Kunstgeschichtlich gesehen ist dies typische Appropriation Art; die männliche Domäne der Computer Game Engine in Tateinheit mit dem Masochismus und der Gewalt des Gameplay wird konstruktiv umgedeutet um Portraits (also Fine Art) zu generieren. Prints der Werke von Alison Mealy können über Fabio Paris Art Gallery erworben werden.

New Media Art
Ars Electronica 2008: A New Cultural Economy

New Media Art [Taschen Verlag]

New Media Art bezeichnet eine Kunstrichtung, die sich auf neue Medien bezieht oder mit ihnen arbeitet. In der Tradition der Videokunst bearbeiten New Media Artists wie Vuk Cosic oder 01.org die Ende des 20. Jahrhunderts allgemein zugänglich werdenden neuen Medientechnologien.

Einen guten Überblick über die “medienaktionistische” Szene, die den institutionellen Gebrauch von “neuen Technologien” wie Kameraüberwachung, DNA-Synthese oder Web-Kommunikation kritisch beleuchtet, gibt das Buch New Media Art, das im Taschen Verlag erschienen ist.

New Media Art

Der slowenische Künstler Vuk Cosic ist ein Pionier der Online- oder NetArt. Cosic konfrontiert die High-End-Computergrafiken der Gegenwart mit der Geschichte der Rechner-Bildschirmdarstellung: Bis in die 1990er Jahre hinein waren grüne Buchstaben auf schwarzen Grund der Standard.

Als Mitglied des ASCII Art Ensemble entwickelte Cosic Arbeiten, die bewegte und stehende Bilder in Buchstaben-Wüsten verwandelten. Er überführte damit eine Hacker-Praxis in die Kunstszene, die aus der Zeit stammte, als Computer noch keine visuellen Interfaces boten, und verknüpften diese mit einer bis in die Antike zurückreichende Tradition von visueller Poesie.

Mit seinem Documenta-Website-Hack repräsentiert er auch die langjährige Anti-Artworld-Einstellung der New Media Art-Szene.

Die New Media-Prankster Eva und Franco Mattes aka 01.org sind mit ihrem Projekt Life Sharing aus den Jahren 2000-2003 vertreten, in dem sie in einem Akt des Datenexhibitionismus bzw. einem Update der Appropriation Art, das Konzept des “geistigen Eigentums” ad absurdum führten.

Laut 01.org könnten die durch private elektronische Datensammeldienste erstellbaren Profile weitaus umfänglicher sein, als die in der Vergangenheit durch staatliche Geheimdienste erstellten.

Viele weitere faszinierende New Media Art-Projekte, wie u.a. Hans Bernhards etoy-Prank oder Jonah-Brucker Cohens UMBRELLA.net, finden sich in dem Band New Media Art.

Video Art
Creative Code: Aesthetics and Computation