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Silvester 2008 in Berlin

Silvester 2008 werden die grossen Clubs in Berlin wie Berghain, 103, Watergate, Tresor oder gar Weekend werden mal wieder bersten vor EasyJet-Ravern und ich freue mich, dieses Jahr mal in der neuen Kulturhauptstadt Linz zu feiern. Als kleinen Service möchte ich aber ein paar Partys erwähnen, die sicherlich rocken werden.

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Sehr viel Spaß hatte ich im vergangenen Jahr im Ballhaus Ost in der Pappelallee 15 (nähe U Eberswalder Strasse) auf der Möbelrücken-Party von Delikat-Berlin. Moderate Preise, cooler Sound und entspannte Leute.

Line-Up:

MÖBELRÜCKEN Floors (Ballsaal & Loge)
******************************************
__Cinthie (Picknick / Tape Club)
__Andre Crom (Liebe Detail / Sender / Off)
__Fresh Meat (103 / Berlin Mitte Institut)
__Hüftschwinger aka Pitt & Bone (Delikat / Ballhaus Ost)
__A3000 (Grenzstation / Delikat)
__Handmade (Chicago / Delikat)
__M.Mueller (Edelkonsum / Stilbruch)
__Nano (Doppelschall / Get Deep)
__Flamea (Dreid / Delikat)
__Smooth (Dreid / Stilbruch)
__Disko DNA (Dreid)

RemmiDemmi Secret Floor
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__Trade (Rock / Indie)
__Phasenprüfer (80er / Disco)
__Mensch gegen Maschiene

Eintritt (ab 22 Uhr): 5 € < 0.00 Uhr > 10 € mit Passwort! ? (Ich bin DELIKAT)

+++

In der Brunnenstraße 10 in Berlin-Mitte (nähe Rosenthaler Platz) gibt es Silvester @ ZMF Feuerwerk und Sekt um Mitternacht, danach Feuerwerk auf 2 Tanzflächen. In ein Labyrinth von Räumen und Durchbrüchen.

Line-Up:

Tanzen 1:
Minimal | Techno | “Electro”
___Jan Mir
___Jackie Treehorn
___Sam Buca
___Lars Wickinger (Traum, Liebe Detail, Lebensfreude)
___DIN 3000
___Gunne
___Trick&Kubic
___Vincent Vega (Lebensfreude)
___VJ Picture Show

Tanzen 2:
Cosmic Hitdisco Italian Style
___Fausto Copy (Mailand)
___Bernard Reneaux (Paris)
___Diskodirk (Bonn / Bad Godesberg)
___Heiko Lenker (Karl-Marx Stadt)

+++

Cookies Silvester

Buisness as Usual im Cookies Berlin (Friedrichstraße / Unter den Linden) ab 00:30, wird sicher voll und geil.

+++

Grosse Neujahrsparty im Foto-Shop!!!

Wann?: ab 22h bis die Sonne scheint
Wieviel?: 5€

Big Bar + Super Line-Up + Feuerwerk + Silvesterparty!

___Des Wahnsinns Fette Beute (Crazy Dance Music)
___Cem Orlow (House) + Live Sax
___Nachtschalter + Humana (Dub + Brain)
___Palace Resistance (Antialias + Aussenborder) (Electro)
___very special guests (Dubstep)

+++

VCF Home

Silvester im VCF (zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt im S-Bahn-Bogen (Rochstr./Ecke Dircksenstr.)

Zu Ehren der Neujahrsnacht gibt es viel Sternenstaub, Schnickschnack und Schabernack.

Brücke:
- Larsson (Hi Freaks, B-pitch, Get Physical)
- Lektor (Liebe zur Musik, Pentagonik)
- Argon & Clementine (Süss&Sauer)
- Cotumo (Pentagonik, Pulsar Rec.)
- Fred KreeGer (3 für 10, Pentagonik)
- The Marx Trukker* LIVE
- Gregor Heyden (Pentagonik, Klangsucht)

Space-Lounge:
- Alexis Sorbas (Pentagonik)
- Mathias Liefeldt (liefeldt and class)
- Mattias Numberger (3fuer10, tanzmichmal)
- Cem Orlow (mad)
- Maade und der Koch
- Red Jones (TheMolePeople)
- Sonka

Alle verkleideten, extraterrestisch Wesen und Milchstraßenbewohner feiern 3 Euro günstiger mit den übrigen kleinen Sternen-Kindern und können durch den separaten Eingang ohne langes Warten an Bord. Es gibt auch eine offene Freundliste für diesen separaten Eingang (kleiner Eintrittspreis) ….
Bitte kurze Nachricht an uns….

Flug-Ticket: 10 Euro

Ermäßigt: 7,- Euro (für Aliens und Freunde)

Es ist doch nur Musik [h1 - Fernsehen aus Hannover]

Der letzte Post liegt nun schon 2 Wochen zurück, was unter anderem daran liegt, das ich in geheimer Mission nach Hannover musste, was mir - in einer einsamen Nacht in einem drittklassigen Hotel - das Vergnügen verschaffte, eine Folge der Sendung Es Ist Doch Nur Musik auf dem Hannoveraner Regionalsender h1 zu sehen.

Dort besprachen sich, in herrlicher Post-VIVA-Lo-Fi-Optik, zwei Männer - mutmaßlich Musikjournalisten - mit erstaunlicher Sachkenntnis und einer Menge Witz.

Es ist doch nur Musik logo

Es handelte sich um Matthias Wieland und Bernd “Tiga” Schwope, zwei aus dem wohl insgesamt zehnköpfigen Team der Sendung. Obwohl die Sendung vom Moderator mehrmals als Aufzeichnung entlarvt wurde, wurden eingespielte Videos mittendrin unterbrochen, was dieser mit den Worten kommentierte, da sei das falsche Video ausgekramt worden und das richtige könne man jetzt nicht finden. Dieses und die merkwürdig-amateurhaften Kamerapositionen und Schnitte kreierten eine leicht surreale Atmosphäre, zu der die ausgewählte Musik wunderbar beitrug.

Zwar kamen auch die beiden geschmäcklerischen Herren nicht um die neuen Alben von Mia. und Klee herum, aber immerhin nutzte Herr Wieland eine Mia.-Rezension der Zeitschrift Intro um deren musikalisch unterbelichtete Rezensentin elegant vorzuführen, hatte die doch einen Walzer-Part in Mia.s neuer Single Mein Freund als Tango bezeichnet.

Auch die Tatsache, dass Bernd Schwope Nu Jazz und Brazilectro als ‘anspruchsvolle Musik’ bezeichnete, kann man wohl nur im Hannoveraner Mikrokosmos verstehen, wenn man weiß, dass Schwope einen Club im Hannoveraner Asodissen-Viertel am Raschplatz betreibt, der im gegebenen Umfeld wohl tatsächlich extrem distinguiert sein dürfte…

Im Rahmen der Sendung wurden Platten von Lady GaGa, Calexico, The Faint, Martina Topley Bird, 3-11 Porter und Rex The Dog vorgestellt und besprochen, was im deutschen Musikfernsehen erst mal einer nachmachen soll.

Apropos Rex The Dog: Der - mittlerweile als nicht Daniel Miller seiend - geoutete Produzent Jake Williams hat ja gerade sein erstes Album draussen, das nach der 12″ Frequency nun schon seit 4 Jahren erwartet wurde.

Ich war ja am 26. August 2005, als Rex the Dog auf der TOTAL 6-Party im Rahmen des c/o pop Festivals erstmalig seine Identität lüftete, persönlich anwesend, kann mich aber nur noch an massives Abfeiern zu seinem Hit I Look Into Mid Air erinnern und nicht mehr an sein Gesicht.

Rex Comic

Das Album The Rex the Dog Show weist rextypische Abgeh-Tracks im Drei-Minuten-Popformat auf.

Diggin’ The Crates: Primal Scream - Screamadelica

Just what is it that you want to do? We wanna be free / We wanna be free to do what we wanna do /
And we wanna get loaded / And we wanna have a good time / That’s what we’re gonna do / No way baby lets go / We’re gonna have a good time - We’re gonna have a party
The Wild Angels

Primal Scream sind mir als allererstes in der Provinzdisco meiner Jugend - dem Doch Du in Bocholt - begegnet:

Andrew Weatherall aka Sabres Of Paradise aka Two Lone Swordsmen bearbeitete den Primal Scream Song I’m Losing More Than I’ll Ever Have mit einem Heavy Bass Groove, dem zentralen Sample aus Peter Fondas B-Movie The Wild Angels und einem Drumloop, den er aus dem Soul II Soul-Bootleg von Edie Brickell’s What I Am geklaut hatte.

Das Ergebnis war der Dub-Breakbeat-Rave-Indiepop-Hit Loaded, der die Tanzflächen der Provinz-Oberprimaner auf einen Groove einschwörte.

Soul II Soul hatten den Beat ihrerseits natürlich nicht selbstgebastelt, sondern aus dem Song The Jam von Graham Central Station ab Minute 5:11 gesamplet und phatt editiert. So bleibt offen, woher Weatherall den Beat nun wirklich hatte…

Primal Scream, die Formation um den postmodernen Rockposer Bobby Gillespie, brachten auf dem - von Weatherall produzierten - Album Screamadelica zusammen, was nicht zusammen gehörte: Rock und Psychedelic aus den 60er und 70er, Heavy Dub Bässe, unglaublich langsame Breakbeats, Heroin, Pet Sounds, David Bowie und die Ecstasy-Euphorie der frühen Madchester-Tage. Das Ergebnis: Peace, Love and Happiness

Screamadelica Cover

Screamadelica markierte einen Wendepunkt in der Geschichte moderner Tanzmusiken, indem es der piefigen Indierock-Sackgasse eine offene Schnittstelle, an die faszinierenden Soundwelten von Reggae, Dub, Electronica, Hip Hop und Urban Soul, lieferte und damit musikalische Optionen schuf, die bis heute auf den Dancefloors dieser Welt nachhallen.

Primal Scream haben übrigens gerade ihr neuntes Album Beautiful Future rausgebracht, mit “Poserrock und Angebermucke der sympathischen Sorte” (Spex 9/10 2008).

Tipanic vs Ravissa - Tomorrow [BH002]

Das Wiener Label Big-N-Hairy, selbsterklärt zuständig für Breakbeat von Nu-Skool und New Wave (?) über Bouncing Shit zu Trashy Electro, veröffentlicht am 1. Oktober seine zweite Katalognummer: Tomorrow von Florian Richling aka Tipanic und Nicole Hensei aka Ravissa.

Normalerweise habe ich garnichts gegen den forcierten Crossover von Rockbeats und -gitarren mit einer ordentlichen Rave-Nummer, aber der Tipanic Edit erschreckt mich doch schon in den ersten Takten mit einem gefühlten Sample aus Nick Kamens Ekel-Schmusepop-Nummer I Promised Myself.

Ich mag mich verhören, aber Klangfarbe und Akkordfolge sind doch extrem ähnlich. Ansonsten stompt der Track eigentlich recht ordentlich rotzig voran, der Gesang erinnert an Karl Hyde von Underworld, die ich jedoch immer schon - bis auf das grossartige Born Slippy - für etwas überschätzt gehalten habe.

Trotzdem dürfte der Edit auf Clash-orientierten Tanzflächen durchaus funktional sein, höre ihn nachher nochmal auf ein paar Wodka Cranberry.

Ravissa Bild

Der Ravissa Edit ist elektronischer und mehr in Richtung Tech House orientiert. Die Klampfe fehlt glücklicherweise und der stark breakorientierte Track macht Spass und hat das Potential eine eingeschlafene Party wieder auf den rechten Kurs zu bringen.

Die Tracks sind ordentlich produziert, nur fehlt noch die entscheidende Prise Magie, die aus einem DJ-Tool einen Spätsommerhit macht. Bin gespannt wie sich Label und Künstler weiter entwickeln werden.

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Nicolas Masseyeff - 24-02-08

Vom Fusion Festival 2008 erreichte mich eine atemlose Mail von Axel Schmidt aka Dr. Funks_Son:

Fusion-Festival, Turm-Bühne, Samstagnacht 1:00 Uhr:
Da schiebt der Typ diesen Track rein. Jetzt habe ich auch rausgefunden, wer das war und von wem dieses Bassmonster stammt: Nicolas Masseyeff aus Cannes.
Alien-Techno für die ganz großen Momente oder Musik wie ein Öltanker auf Crashkurs: Marie-Louise von seiner Deva EP auf Herzblut, der gleichnamige Titeltrack ist auch nicht von schlechten Eltern.

Nicolas Masseyeff wurde in den 70igern in Nizza geboren und lebt mittlerweile in Cannes. Er entdeckte, wie soviele der Second Generation, House-Music im Sommer 1989 und gab sein ganzes Geld für seine Plattensammlung - der Jäger- und Sammlerfetisch der Pre-mp3-Zeit - aus. Natürlich führte ihn das unweigerlich in die aufkeimende Raveszene und ersten Auflegeerfahrungen zu Beginn der 90iger Jahre. Ausgerüstet mit nunmehr fünfzehn Jahren DJ-Erfahrung schenkt er nun tonnenweise Glück (s.o.) an das Partyvolk aus.

Nicolas Masseyeff - Live @ Fusion Festival 2008

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Free Download: Various Artists - Ghostly Swim [Ghostly International]

Das mir bis dato völlig unbekannte Label Ghostly International Records aus Ann Arbor, Michigan und Spieleschmiede, Cartoon-Network und Musiklabel [adultswim] haben zusammen eine Electronica / IndieRock / Disco / IDM / Minimal / Downtempo / SynthPop / Experimental-Compilation zum FREIEN DOWNLOAD zusammengestellt.

Das Ergebnis: Meine Lieblingscompilation des Jahres 2008! So eine überraschungs- und abwechslungsreiche Mixtur aus postmodernen Musikstilen verlangt eine 1:1-Rezension, an der ich mich gerne versuchen möchte.

Ghostly Swim Cover

Michna - Tripple Chrome Dipped
Der zwischen “Miami to Brooklyn, NY” lebende Adrian Michna eröffnet den Ghostly Swim-Reigen und hat sich offensichtlich einen 8Bit-Sampler gekauft, mit dem er seinen Gesang Art Of Noise-mäßig über einen trockenen Synthbasslauf arrangiert. Überhaupt scheint Michna teilweise in den 80igern steckengeblieben zu sein, veröffentlicht er doch tatsächlich noch MixTAPES und zwar Super Crispy Mega Ultra Fly-Cassette Only.

In der ersten Hälfte kommt Tripple Chrome Dipped zwar nicht so richtig aus dem Quark, aber nach geschlagenen 2 1/2-Minuten stürzt der Sampler ab und der Track gewinnt kurz vor der Zielinie durch eine Synthline kräftig an Fahrt, die leider dann so schnell verschwunden ist, wie sie begonnen hat. Damit steht der Track aber exemplarisch für das fragmentarisch-prozesshafte Wesen der gesamten Compilation.

Dabrye - Temper
Einer von zwei mir bekannten Musikanten auf diesem Sampler, der Glitch-Hop-Produzent Dabrye aka Tadd Mullinix aus Ann Arbor, Michigan, liefert eine gewohnt hochwertige Kopfnicker-Beatprogramming-Nummer mit eingestreuten Rap-Vocals und Sägezahn-Bassline ab, deren Air-Raid-Sirenen-Intro die Fröhlichkeit von Michna gleich mal souverän konterkariert.

The Chap - Carlos Walter Wendy Stanley
Die vier gealterten Londoner Kunststudenten von The Chap sind quasi die schnelle-und-dreckige Variante von LCD Soundsystem, wenn auch Carlos Walter Wendy Stanley mit seinem Stakkato-Schlagzeug und dem Pogo-Gitarrenriff m.E. zu den schwächsten Tracks von Ghostly Swim gehört.

Dark Party - Active
Weiter fährt der Ghostly Swim-Zug in die Dark-Elektro / Funk-Gefilde des New Yorker Bloggers und Produzenten Eliot Lipp aka Dark Party, dessen teilweise in Reverse-Schleifen laufenden Basslines und Sheffield-Bleep-Parts extrem Drexciya-inspiriert und damit phatt klingen, aber auch ein wenig melancholisch wie ein Elch auf dem Weg zur Kastration.

Tycho - Cascade
Der Hang zur Melancholie haftet auch den Boards of Canada-Produktionen an, doch halt, dies hier sind ja garnicht BoC, das ist Grafikdesigner und Musiker Tycho aka Scott Hansen aus San Francisco, der es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht hat BoC-Stücke 1:1 zu imitieren.

Cascade jedenfalls könnte direkt aus dem Frühwerk von BoC stammen, mit der mysteriös wispernden Frauenstimme, den Spieluhrmelodien und dem knallharten BigBeat-Drumprogramming. Am Schluss packt Tycho noch die Lagerfeuergitarre aus und spätestens jetzt ist ihm keiner mehr böse dafür, dass er als bekennender Epigone grossartige Musik produziert.

JDSY - All Shapes
JDSY aus Michigan steuert den funky Hirnexpander All Shapes bei, auf dem eine asynchrone Casio-Melodie und eine gelangweilte Jungsstimme versuchen extrem Lo-Fi zu sein. Mit 1:56-Spielzeit eher eine Genre-Miniatur, denn ein Track, aber als solche durchaus funktional.

Deastro - Light Powered
Was soll man dazu sagen? Giorgio Moroder meets Visage, eine darke New-Wave-Bassline und ein Plastik-Disco-Synth-Riff treffen auf eine rotzig-sequentierte Punkbassdrum. Dies ist im Prinzip Querschnitt, Essenz und nackte Wahrheit der 80iger-Jahre in einem.

Hochnotpeinlich, aber geht ab wie Hölle und wird bei erhöhtem Alkohol- oder Ecstasy-Pegel die Hände mit Sicherheit in die Höhe treiben. Deastro aka Randolph Chabot Jr. stammt übrigens aus Detroit und bezeichnet seine Musik selber als deutsch / japanisch / italienischen Pop!!!

Matthew Dear - R+S
Matthew Dear gilt als vom Minimal-Techno-Funk Thomas Brinkmanns inspiriert, hat aber anscheinend statt einer Mike Ink-Maxi eine Platte von Depeche Mode erwischt, die kraftvoll gegen den amtlichen Minimal-Stomper anleiert. Klingt wie ein Schützenfestdisco-Besuch auf LSD.

FLYamSAM - The Offbeat
FLYamSAM ist Flying Lotus und The Offbeat hält, was der Titel verspricht. Ein Madlib-Beatgeklappergerüst stolpert asynchron vor sich hin und wird von analogen Synths umschmeichelt. So würde vermutlich die musikalische Liebeserklärung eines Doozers klingen.

Cepia - Ithaca
Huntley Miller aus Minneapolis aka Cepia wärmt dagegen auf charmant-altmodische Electronica-Art das Herz. Melancholische Synth-Harmonien treffen auf dekonstruktivistische Gitarren-Ruinen die traurig schluchzen, wovon sich das trockene Drumprogramming denkbar unbeeindruckt zeigt. Das ist allerdings so prägnant-mittig, dass man eigentlich den Warnhinweis “Vorsicht! Kann bei zu großer Lautstärke einen Schädelbasisbruch verursachen!” auf das Cover drücken müsste. Postmoderne Lagerfeuermusik.

Aeroc - Idiom
Aus New Mexiko stammt Geoff White aka Aeroc, dessen etwas lieblos durch sämtliche DSPs gedrehter Track eher nervt als verzückt. Ist wahrscheinlich Geschmackssache, aber angesichts des edlen Umfelds auffällig farblos.

The Reflecting Skin - Traffickers
The Reflecting Skin ist eigentlich ein surrealer Filmklassiker von Philip Ridley, nach dem sich ein Produzent aus Ann Arbor benannt hat. Traffickers klingt wie ein Bunker Records-Crack-Alptraum der frühen Unit Moebius oder Rude 66 und macht somit dem surrealen Charakter des Namensgebers alle Ehre.

Diese Musik gehört in einen retrofuturistischen Atombunker, in dem die Sicherheitsanlagen nach einem Lockdown verrücktspielen und sich die wenigen Überlebenden vor herumrasenden Acid-Robotern verstecken. Wicked!

School Of Seven Bells - Chain
Chain tut dann so als wenn gar nichts gewesen wäre und eine leicht vocoderisierte Frauenstimme singt davon, dass sie irgendetwas reminded. School Of Seven Bells aus Brooklyn sind eine richtige Band, die Zwillinge Claudia und Alejandra Deheza sind offenbar bildhübsch und klingen wie Out Hud oder Neulander, also Indierock auf Ecstasy mit Elektronik an Bord.

Ben Benjamin - Squirmy Sign Language
Was haben Chris Isaak und David Lynch gemeinsam? Nun, Wicked Game gehörte zum Soundtrack einer Schlüsselszene von Wild At Heart und Chris Isaak durfte in dem Kinofilm Twin Peaks - Fire Walk With Me einen FBI-Agenten spielen, der alsbald von mysteriösen Kräften vom Erdboden verschluckt wurde. Die ätherisch-somnambule Campfire-Gitarre von Isaak kann also durchaus mit einem dunkel-mysteriösen Doppelcharakter gelesen werden.

Dies dachte sich wohl auch Ben Benjamin aus Ypsilanti (sic!), Michigan und lässt auf einige sehnsuchtsvollen Gitarrenfiguren eine darke Drill’n'Bass-Orgie folgen, die Visionen von BOB heraufbeschwören, der die Ferienfreizeitatmosphäre mit einer blutigen Axt in einen Alptraum verwandelt. Aber Ben Benjamin ist sicher ein netter Kerl.

Kill Memory Crash - Hit+Run
Kill Memory Crash aus Chicago sind NuRave-Industrial der harten Sorte. Metalldrums und Sägezahn-Synths, als wenn EBM nie aufgehört hätte zu existieren. Sie selber nennen das Frankenstein Electronic und ähnlich anachronistisch wie der Mythos ist auch ihr abgefucktes Punk-Genöhle. Nicht meins.

Osborne - Wait A Minute
Todd Osborn aka Osborne, der auch aus dem ulkigen Örtchen Ypsilanti kommt, hat mal Waffen für die Air Force designt, was ihn für mich nicht unbedingt zum Sympathen macht. Seiner Musik hört man diese Profession jedoch nicht an: Daft Punk-mäßige Vocoder-Stimmen schauen um die Ecke, funky Gitarrenlicks und eine fröhliche Synth-Melodie bilden eine handwerklich einwandfreie aber leider recht uninspirierte House-Nummer. Als DJ mixt er allerdings auf Teufel-komm-raus.

Milosh - Then It Happened
Waschechte Electronica kommt dann gegen Ende des Albums auch noch zum Zuge, Mike Milosh aus Toronto ist Labelmate von Dntel und auch fast genauso schön. Romantische Komposition, entrückter Gesang und die obligatorischen elektronischen Störmanöver um den Kitsch zu bekämpfen. Der Mann hat Potential…

10:32 - Blue Little
… genau wie 10:32 die leider unGooglebar sind. Im monochrom-Jahrbuch #2 gibt es unter der Rubrik Rezensionen einige Uhrzeiten-Rezensionen, leider fehlt aber die Uhrzeit 10:32, die knapp nach dem Knoppers-Werbespot um 9:30 und vor der Schnapps-Uhrzeit 11:11 liegt. Von jetzt an aber steht 10:32 für relaxten Folk-Hop, der mit Tommy Guerrero und dem tollen Album A Little Bit Of Somethin’ Anfang des neuen Jahrtausends das Licht der Welt erblickte. Blue Little ist etwas komplexer und der Titel sehr selbstreflexiv, denn genau das ist der Track: ein kleiner elektronischer Laptop-Blues.

Mux Mool - Night Court
Den Abschluss der famosen Compilation macht Brian Lindgren aka Mux Mool, der auf seinem Night Court den Pimp gibt. Eine grossmäuliger Cowbell-Swingbeat rockt die Hölle und da er sich selber als Outsider deklariert, ist das vielleicht - hobbypsychologisch gesprochen - eine musikalische Kompensationsleistung. Seine Drum EP - das Ergebnis einer persönlichen Challenge eine Woche lang einen Beat pro Tag zu programmieren - kann man hier herunterladen. Wenn solch cooler Lo-Fi-HipHop aus einer gestörten Kindheit resultiert: Zerrüttet Eure Ehen!

Und als wenn das frei downloadbare Album nicht schon der absolute Hammer wäre, gibt es hier noch einen Megamix von Adrian Michna. Ich ziehe meinen Hut und wünsche erlesene Hörfreuden.

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Ghostly Swim Michna Megamix
[via xlr8r.com]

Sonz Of A Loop Da Loop Era - Far Out

Muss ich noch mehr sagen? - Dies ist wohl das grösste Oldskool-Rave Anthem aller Zeiten, produziert von Daniel Whidett aka Danny Breaks - seines Zeichens Drum n’ Bass und Instrumental HipHop-Produzent - und Austin Reynolds.

Far Out auf Suburban Base Records krachte 1991 in die UK Top 40. Für mich auch mal wieder ein Zeichen dafür wie Open Minded die britischen Charts sein können. Man stelle sich nur mal Danny Breaks bei Dieter Thomas Heck in der Hitparade vor:

Wildstyle Scratching und ein massives ‘Hands In The Air’-Piano. Wicked!

Danny Breaks - Volumes [Vinyl]
Danny Breaks - Vibrations [Vinyl]
Old School Rave Sessions