Auf seiner zweiten EP setzt Lekebush auf HiHat-Tackern und leicht verzwurbelte bis schräge Sounds mit denen er an seine Erstlingswerke auf Influence Records anknüpft, zumindest bei ‘Bodysnatcher’, so unverfroren oldskoolig kommt es daher mit den Snares und Cowbells. Auch ‘Shivering’ gemahnt an die 90er, doch hier dreht sich alles um ein Arpeggio und der plattgedrückten Beat erinnert an die guten Tage von Thomas P. Heckmann. Mit beiden neuen Maxis steigt die Vorfreude auf das Album enorm.
Mit gleich zwei neuen EPs - kurz vor dem Albumrelease - beglückt uns der Schwede diesen Monat. ‘Macabre’ ist durch und durch fließender Techno, der doch immer wieder leichte Spannungsakzente setzt, mit den leicht verstimmten Sounds, und die Synapsen in Verzückung springen lässt. ‘Goth Night’ flacht dagegen ab, nicht nur die Bassdrum, auch die ganze Stimmung, entwickelt jedoch einen sphärischen Charme mit den verhallten Vocalfetzen. Gut für die frühen Stunden.
Drei Mixe, drei Herangehensweisen an den Sommer… also von dem Zeitpunkt des Bloggens aus betrachtet, den einer der Mixe ist vom letzten Sommer. Mit dem will ich auch anfangen, es ist ein XLR8-Podcast von Brackles der irgendwo zwischen House, 2-Step, UK Garage und Dubstep oszilliert und ein m.W. immer noch unreleastes Stück von Joy Orbison featured:
Wenn der Brackles-Mix die Mitte von etwas ist, was ich mal als Hardcore Techno/Detroit versus Soul/Motown-Verständnisachse von Musik eröffnen will, ist der Motor Music-Mix von realvinylz-Gastautor DJ Proton der äußere rechte Pol.
Hier ist der Soul - oberflächlich gesehen - aus der Musik ausgelöscht worden und einem unbarmherzigen Maschinentakt gewichen. Ben Klock, Joey Beltram, Tadox, Surgeon und Oscar Mulero kommen hier zum Zuge und auf seine hedonistisch-hektische Weise schaut dann doch dieses wärmende, universelle Gefühl namens Soul durch eiskalte Chords oder scharfe Saxophon-Licks herein, um dann auch schon wieder dem rhytmisch-aggressiven Kontrapunkt zu weichen. Berghain-Funk, wenn man so will.
Auf der anderen Seite der Achse wartet schon BUG, mit seinem Mix der BBE-Artists Roy Ayers, J Dilla, Electric Wire Hustle, Pete Rock, Madlib und Jazzy Jeff. Hier groovt es scheinbar handgemacht, man singt von Bienen, Blumen und Sonnenschein, das Marimbaphon antwortet prompt und der Hörer wähnt sich dort wo die Reise einst losging. Eine fantastische, nie endende Reise durch die Musik, in der entfremdete Roboter genauso ihren Platz haben wie ein Pontiac Firebird in der Abendsonne. Ja, in der das Eine ohne das Andere gar nicht denkbar wäre.
Oder um es mal mit den Worten eines alten Kumpels auf dem Summer Jam zu sagen: ‘Immer nur Niceness ist auch nicht abendfüllend!’
Eher aus den Schranz- & Schredderzeiten ist Ben Sims noch ein Begriff, langte er doch damals richtig zu mit seinen perkussiven Entwürfen. Auf Drumcode, die schon mit ihren letzten VÖs in diese Kerbe hauten, aber in gediegenerem Tempo, findet er sich nun wieder.
Das geht - stark komprimiert und mit gefilterten Becken - gut zur Sache, aber nicht ganz so hypnotisch wie es der Titeltrack ‘Hypnosis’ verspricht. Dann lieber ‘Psykosis’ mit seiner aufgeblähten Bassdrum und dem Tresor-Endzeit-Feeling. Das geht nicht nur mächtig oldskoolig nach vorne, sondern lässt einen auch ordentlich in andere Sphären abdriften.
Vor zwei Wochen ging es wieder los, das gelegentliche, nostalgische nach Hinten blicken, mittlerweile natürlich auf Facebook. Grund genug ein altes Liveset auf Soundcloud hochzuladen wo einige Schätzchen der 90er gespielt wurden. Und gleichzeitig ein gutes Zeugnis des letzten Techno-Sommers 2001. Ab 2002 kam ja die große Wende: aus Techno wurde Minimal, Väth dankte ab und wurde durch Villalobos ersetzt, ‘Easy Lee’ statt ‘Evil Needle’ das neue Paradigma. Das Tempo schrumpfte von 140 auf 125 BPM.
Allerdings gab es auch Positives: Viel zu dunkle Läden, auch tagsüber im Sommer, Schwarzleuchten und Polyesterhemden verschwanden. So bleibt dieses Set eine schöne Erinnerung. Da vorher die Prügelknappen von Jabba 44 spielten gehen die ersten 20 Minuten ziemlich zur Sache, bis mit dem Vernon-/TokTok-Break ganz sachte von vorne angefangen wird.
Und für diejenigen, die diese Zeiten nicht direkt erlebt haben, eine gute Gelegenheit um zu sehen, wie die heutigen Produzenten beeinflusst wurden oder um sich aufgrund des (möglicherweise) abschreckenden Beispiels noch mehr über aktuelle Sounds zu freuen …
Das Radioset des Kollektiv Turmstrasse charaktersiert genauso prägend die heutige Zeit, wie das Live-Set die ausgehenden 90er. Statt 16tel-HiHat-Terror und sturrer Direktheit, ist bei KTS alles in Watte gekleidet mit einem satt-gemasterten Sound und erlaubt das entspanntere tagelange durch-’tanzen’ für die Post-K&D-Generation.
Alles schön friedlich harmonisch. Und ‘Let Freedom Ring’ ist natürlich auch dabei, der Track der mich das letzte halbe Jahr prägte wie kein anderer und wohl auf Ewigkeiten für besondere Erlebnisse steht.
Schon mit deepen Chords aus der Tiefe kommend, beginnt der Titeltrack, der sich aber - statt dies auch straight durchzuziehen - in verminimalte Bongospielreien verliert und da hilft dann auch kein hochziehender Hintegrund-LFO mehr. Dadurch verbaut sich der sonst sehr gute Track einiges und landet doch nur abgeschlagen auf Platz 3.
Wenngleich ‘Machine Head’ auf der B der ruhigere Track sein soll, drückt er doch mehr und entwickelt einen ordentlichen Drive, der auf Peak zusteuert, aber dieses Versprechen nicht einlöst, was ihn unheimlich spannend macht. Angenehm verhallt und nicht zu düster ist er genau richtig um den Floor auf den Höhepunkt vorzubereiten.
Heute keine Platte des Tages, sondern einfach drei Tracks, die ich während des Omen-Abschieds hörte und fortan zwölf Jahre brauchte, bis ich gestern dank eines Facebook-Zufalls drauf gekommen bin.
Nachdem sich Väth seinerzeit gut einen abgeschreddert hat, kam ein Break und das Frankfurter Geknüppel mit den Terror-HiHats verwandelte sich in eine jamaikanische Fußballwiese (ohne die dazugehörige Homophobie) mit friedlichster Sonnenuntergangstimmung: Bandulu, die das Reggeatechno-Pendant zum Dubtechno des Basic-Channel-Umfeldes darstellen und nebenbei auch noch besser, tanzbarer und vor allem melodischer produziert und gleich zweimal hintereinander vertreten sind.
Eine sommergefilterte Melodie, ausgelassene Grundstimmung in einer rough produzierten Hülle mit der nötigen Schmutzigkeit fängt nach knapp zwei Minuten an zu springen, wie das kleine Kind, das zum ersten Male eine Hüpfburg entdeckt. Fröhlich ausgelassen und der perfekte Übergang zum nächsten Stück.
Richtig gediegen und bekifft geht es wieder weiter mit Bandulu. Reggae mit Gesang, aber kein Roots, sachte auf einem Technobett getragen und ordentlich Echo zum Wegschweben.
Auf Mr. Barth aka Cari Lekebush kam ich dank T, bei dem wir Neujahr verbrachten und er es entsprechend der etwas müderen Stimmung zufällig auflegte. Im Originalset war der Track das erneute Zwischenstück zum Aufbruch. Noch verhallt-verhalten in den Vocals, stampfte der Bass wieder mehr vorwärts und bald darauf wurde weitergekloppt.
In dieser Kombination dürfte es wenig Besseres geben, zumal das während der Ausbildungszeit über Monate meine Feierabendmucke war.