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Coldcut vs TV Sheriff - Revolution ‘08

A drum+bass powered all-out AV assault on an American media machine now in psychotic overdrive for the Presidential election. A 10000-frame crash edit comedy celebration of the blatant corruption, warmongering, florid insanity and plain good old smelly bullshit that characterises the cultural landscape of the world’s most confused country. 21st century satire is alive and well.

So großmäulig kündigen Coldcut das Wahlkampfvideo-CutUp an, das sie zusammen mit TV Sheriff gemixt haben. Nachdem sie bereits ihre Seele - in Form der Instrumental-Version von “Walk A Mile In My Shoes” - als Werbesong an den Handyprovider O2 verkauft haben, wollen sie nun erneut die Weltrevolution vorantreiben.

Burroughs beschrieb 1970 in seinem Buch Die elektronische Revolution, wie man einen Politiker mit Hilfe von Tonbandaufnahmen in den Wahnsinn treiben kann:

Wir haben also Tonbandgeräte. Und damit werden wir jetzt einen einfache Wortvirus herstellen.

Nehmen wir mal an, wir haben es auf einen politischen Gegner abgesehen. Auf Tonbandgerät Eins nehmen wir seine Reden und seine Privatgespräche auf und schneiden zusätzlich noch Stottern,Versprecher und mißglückte Formulierungen rein - und zwar die schlimmsten, die wir auftreiben können.

Auf T-2 nehmen wir ein Sex-Tape auf, indem wir sein Schlafzimmer abhören. Wir können das noch potenzieren, indem wir ihm Tonmaterial von einem Sexpartner unterjubeln, der für ihn normalerweise nicht zulässig wäre - z.B. seine minderjährige Tochter.

Auf T-3 nehmen wir empörte und haßerfüllte Stimmen auf. Jetzt zerlegen wir diese drei Aufnahmen in kleinste Bestandteile und setzen diese dann in willkürlicher Reihenfolge wieder zusammen. Und das spielen wir jetzt unserem Politiker und seinen Wählern vor.

Bei Coldcut kommt dabei ein mittelorigineller Drum n’ Bass-Track mit amerikakritischem (Uh!) Inhalt und eine Mini-Website mit ein paar schicken Bannern heraus.

The Revolution Will Be Televised? Eine Nummer kleiner geht auch, in Europa Obama-Anhänger sein ist keine Weltrevolution und Amerika als the world’s most confused country zu bezeichnen ist chauvinistisch und kontra-revolutionär…

interfiction XV/2008 - Re/Cycling Invention

Vom 14.-16. November 2008 findet begleitend zum 25. Kasseler Dokumentarfilm- & Videofest zum fünfzehnten Mal die interdisziplinäre Workshop-Tagung interfiction für Kunst, Medien und Netzkultur statt.

Das diesjährige Thema wird Re/Cycling Invention - die Frage nach den ‘Innovationspotentialen medialer und materialer Strategien und Praktiken des Recycling in Kultur und Kunst’ - sein.

interfiction

Ich werde dort mit folgendem Vortragsthema vertreten sein:

zu sampling, cut-and-paste und aggregatzuständen die götter (oder musen) von außen aus dem weltall getrennt halten

In der antiken Vorstellung wird die Idee, das Denken und folglich das Kunstwerk nicht selbst entwickelt, sondern von Göttern (oder Musen) von Außen eingegeben. Diese Vorstellung eines genialischen, göttlichen Impulses beherrscht bis heute in verschiedenen Aggregatzuständen die kulturpessimistische Debatte. Die postmoderne Kunstformen werden als unkreativ, unsinnlich oder gar als affirmative Verdoppelung der Umwelt beargwöhnt, was zu teilweise haarsträubenden Selbstbeschränkungen in der Wahl des künstlerischen Mediums führt.

Doch wie soll ein Künstler seine alltäglichen Wahrnehmungen, zu denen selbstverständlich auch die omnipräsente Welt der Warenanpreisung, des Internets und des TV-Spektakels gehören von „wahrhaftiger” Inspiration trennen?

William S. Burroughs, der soweit ging, der Sprache selbst zu mißtrauen, die er für ein Virus aus dem Weltall hielt, entwickelte die Technik des Cut-Ups um sich von der Semantik zu befreien. Genau diese Technik des Cut-Ups führte jedoch Jahrzehnte später zum Sampling, Cut-and-Paste und dem Musikgenre Plunderphonics, der selbstreferentiellsten und anti-essentialistischsten Kulturtechniken ever.

Ich möchte in meinem Vortrag zeitgenössische Formen des Kunstrecyclings vom Berliner ‚Maler’ Blaise Vincent und seiner Wiedergeburt als Darko Maver bei 01.org, über das Webprojekt aftersherrielevine.com bis zum zynischen Softwareprojekt logohallucination.com von Christophe Bruno vorstellen und die Frage stellen, was eine ursprüngliche Inspiration eigentlich sein soll und wem ein solches Modell dient.

Der Vortrag wir anhand eines Wikis gehalten, das ich zu Beginn der Veranstaltung öffentlich zugänglich machen werde, so dass der Vortrag Online verfolgt werden kann. Natürlich sind auch Offline-Zuschauer vor Ort in Kassel herzlich eingeladen, die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos…

Political Videogames - Super Chick Sisters

In Anlehnung an meinen Vortrag beim Virtual Worlds Camp und angeregt durch das Colonel Sanders-Konterfei auf dem Ben Frost-Bild im letzte Post, möchte ich das Anti-Advergame Super Chick Sisters vorstellen:

Super Chick Sisters

Das, von den People For The Ethical Treatment Of Animals in Auftrag gegebene, Game soll einen großangelegte Anti-KFC-Boykott unterstützen, in der mehrere Prominente wie z.B. Pamela Anderson oder Sir Paul McCartney mitwirken und sogar ein Film gedreht wurde.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=UJ8iL3sx60M[/youtube]
Kentucky Fried Cruelty

Technisch gesehen ist Super Chick Sisters, ein Super Mario Bros-RipOff, welches versucht das Ansehen der Marke KFC zu beschmutzen, indem das Branding im Game mit Blut besudelt wird und der Spieler laufend über Aktivisten stolpert, die unbequeme Fakten über den Hähnchenbrater mitteilen. Gerettet werden muss aber nicht - wie bei Nintendo üblich - Princess Peach, sondern: Pamela Anderson

“People come for the game and stay for the shocking videos and information about KFC’s cruelty to chickens. It is always a challenge to promote a serious message to our tabloid-filled and entertainment-focused society. People don’t want serious news conferences - they want to be entertained. While we do it all - using both hard-hitting and softer approaches - PETA often wraps our serious messages within eye-catching, light-hearted stunts.”
Joel Bartlett, PETA Marketing Manager

Political Games auf dem Virtual Worlds Camp 2008

Wenn es nicht gerade darum geht einen Sündenbock für amoklaufende Jugendliche zu finden, haben Videospiele nur selten ein Gastspiel in den Mainstream-Medien. Seit den späten Achtzigern müssen vor allem First-Person-Shooter wie Wolfenstein, Doom, Halflife oder Counterstrike für das angeblich so neue Phänomen der Jugendgewalt geradestehen. Abgesehen davon haben Videogames – trotz ihrer oft non-linearen und komplexen Struktur - kaum Einfluss auf kulturelle Debatten.

Doch – beflügelt durch die Praxis der Situationistischen Internationalen um den französischen Philosophen Guy Debord – hat sich in den letzten Jahren eine Subszene innerhalb der Game Designer herausgebildet, die den Einfluß, den Computerspiele auf die Vorstellungs- und Bilderwelt der Gamer habe, für sich nutzen wollen.

VWC Badge

Das Virtual Worlds Camp der Firma Frogster Interactive hat mich am 24. September zu einem Vortrag über diese sogenannten Political Games in die Hardenbergstrasse 9a, 10623 Berlin eingeladen.

In meinem Vortrag um ca. 14:15 Uhr möchte ich einige dieser politischen Videospiele und die Ihnen zugrundeliegenden Ansätze vorstellen und einen Ausschnitt aus meinem Film Culture Jamming zeigen, in dem ich Paolo Pedercini vom italienischen Programmiererkollektiv Molleindustria interviewe und deren Spiele McDonalds Videogame und Tuboflex vorstelle.

Als Teilnehmer können sich Interessierte hier kostenlos anmelden, ich denke allerdings, dass auch spontanen Besuchern die Türen offenstehen werden.

High Tech Soul - Detroit Techno Dokumentation

Detroit Techno Releases

Der Regisseur Gary Bredow, der schon in einer Doku über die Videos von Fatboy Slim Norman Cook seine Sporen verdient hat, drehte die erste Dokumentation über die frühen Ursprüngen des Techno und dem Kulturgeschehen in dessen Geburtsstätte Detroit: High Tech Soul

Mit einem soziologisch-historischen Abriss der Geschichte Detroits und dem Erklärungsversuch, warum nur dort eine solche deep-technoide Musik entstehen konnte, beginnt der Film und fokussiert sich dann - in meiner Meinung nach viel zu vielen - Interviews auf die Originator des Genres: Juan ‘Cybotron’ Atkins, Derrick ‘Mayday’ May und Kevin ‘Master Reese’ Saunderson.

Vieles kennt man ja schon aus den tollen Linernotes von Techno! The New Dance Sound Of Detroit, aber die Anekdote, dass Kevin Saunderson den armen Derrick May hinterrücks eins auf die Glocke gegeben hat, bevor sie Freunde wurden, finde ich z.B. sehr amüsant.

Ein wenig mehr Musik und für Dokus dieser Art eigentlich übliche Produktionseinblicke hätten es sein dürfen, aber auch so ein unverzichtbares Stück Musikgeschichte.

Detroit Ghetto Tech

Eine nette Ergänzung zum Genre-Beitrag Ghetto Tech auf realvinylz.de bietet diese Video aus dem youtube-User-Kanal des US-amerikanischen Musikmagazins XLR8R. Watch Dees!

[via XLR8R]

Ghetto Tech > Detroit

Nik Bärtsch’s Ronin - Holon

‘There are two paths a samurai can walk: that of a clan member, and that of a ronin, a lonely warrior. The former is highly esteemed in Japan, the latter is bitterly detested.’

Der 34-jährige Schweizer Pianist Nik Baertsch hat mit seinem Projekt Ronin, dem Spektrum Minimalismus (im Sinne Steve Reichs), Jazz und Funk eine neue Spielart, die Ritual Groove Music oder Zen Funk, hinzugefügt. Ronins neues Album Holon ist soeben auf ECM/Universal erschienen.

Ronins Musik besteht aus einigen wenigen Phrasen und Motiven, die fortwährend kombiniert und aufgeschichtet werden. Daraus resultiert eine musikalische Ästhetik die durch alle Spielarten ihres Sounds konsistent bleibt. Was bei Jazzrock und Fusion oft den unangenehmen Nachgeschmack von Beliebigkeit hinterließ, ist hier durch Soundstruktur, Phrasierung und Komposition nach Detroit hin abgesichert. Wenn Robert Hoods Wire to Wire [Vinyl]-Album digitaler Jazz ist, ist das hier Minimal Techno unplugged.

Piano, Fender Rhodes, Drums, Bass, Perkussion, Altsaxofon und Klarinette. Was nach der Besetzung eines gut abgehangenen Feuilleton-Jazzquintets klingt, wird durch Detailversessenheit und reduzierte Klangsprache von allem Jazzrock-Mief befreit.

Zen Funk ist (Jazz : Funk) * Minimalismus + realvinylz. Music to write Blogs by!

Ronin - Holon
Ronin Live