Wieder so ein geheimnisvolles Whitelabel vom Paul-Lincke-Ufer, das, mit einem einfachen Stempel gespickt, die ganze Welt bedeuten kann. Shed ist zur Zeit einfach unschlagbar, wenn es um klassischen Hardwax-Techno geht. Auf der A tummeln sich unter dem Schieber-Beat orgelartige Chords, die im Set bloß nicht zu früh eingesetzt werden sollten. Besser nachdem die erste Euphorie nachlässt. Ein wenig Übermüdung sollte dabei sein, um den Track richtig zu spüren.
Mit mehr Tribal, weniger Schub und verspulten Random-Chords zieht es die B noch weiter in die Nacht rein. Erinnert an alte Tresor-Scheiben, die immer die verpeiltesten Momente ins Vinyl ritzten und in denen der Sound alles regelt. Einen dicken Groove braucht es dazu nicht mehr.
Definitiv alles raus diesen Monat hat Mr. Bizz auf seiner EP. Drei Entwürfe in verschiedene Richtungen, die alle bestens gelingen. Mit einem Klavierschieber auf der A, versehen mit einer äußerst dicken Bassdrum, lässt es sich immer gut tanzen.
Etwas trockener, tribaliger dann ‘Fanfara’ das als astreiner Technotrack durchgeht. Vor zehn Jahren hätte man ihn einfach noch 10 BPM schneller gemacht, heute wirkt das auch ohne die Schnelligkeit. Auch ‘Zoom’ hätte so funktioniert. Klassischer, zeitloser Detroitchord, der auch in den hintegründigen Spuren viel zu bieten hat. Durchweg spitze alles.
Als ehemaliger Vinyl-Junkie ist mir die Sexyness, die in der dekadenten Geste des massenweise 12″-Kaufens liegt, natürlich nicht fremd:
Zweimal auf den Technics knallen, halb durchhören, einen Moment Instant Karma spüren und dann als DJ-Tool in die Plattenkiste packen. Doch wenn die 1210er dann irgendwann als dekoratives und distinguierendes Möbelstück auf dem Plattenschrank stehen, entsteht - bei Wahl des richtigen Vinyls - manchmal ein Gefühl, das den ultimativen High der ersten selbsterworbenen Maxis wiederbringt.
Kaum hat sich die Nadel in die Rille geknackst, stolziert ein gravitätischer Dubstep-Beat im Bloodshot-Tempo durch das Zimmer. Die kalten weißgetünchten Wände glimmern in einer abgeblätterten, goldenen Patina von ehemals prächtigen Steintempeln, während die Füße über ein knochentrocken-hölzernes Beatgerüst stolpern. Der drohende Sturz wird abgefedert durch einen Moosteppich in Form einer warmen, analogen, aber fordernden Bassline.
Die großmäulige Behauptung Dubstep würde spielerisch andere Musikstile integrieren, wird hier zu hundert Prozent eingelöst. Die Raga-Melodien sind nicht statisch auf den Rhytmus getriggert, sondern der Track atmet in Klangfarbe und Tempo seinen musikalischen Untersuchungsgegenstand und überführt ihn sanft in die Dancehall.
Mein Dubstep-Track des Jahrzehnts…
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